Abschlagsfreie Pension nach 45 Arbeitsjahren

Wer 45 Jahre bzw. 540 Monate über der Geringfügigkeitsgrenze gearbeitet hat, kann seit 1.1.2020 ohne Abschläge in Pension gehen – und zwar auch dann, wenn man vor dem Regelpensionsalter (Männer 65 Jahre, Frauen 60 Jahre) in den Ruhestand geht. Die Regelung wurde am 22. Oktober 2019 im Bundesgesetzblatt kundgemacht und ist mit 1. Jänner 2020 in Kraft. Für die Betroffenen bedeutet das deutlich höhere Pensionszahlungen. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zur Gesetzesänderung für Sie zusammengefasst.

Achtung

Am 20.11.2020 wurde im Nationalrat die Aufhebung der Abschlagsfreiheit beschlossen. Die Möglichkeit, nach 45 Arbeitsjahren abschlagsfrei in Pension gehen zu können, gilt nur noch bis 31.12.2021. Erfasst sind auch Personen, die die Voraussetzungen für die abschlagsfreie Pension spätestens bis 31.12.2021 erfüllen, aber einen späteren Pensionsantritt wählen.

Wen betrifft die neue Regelung?

Nur Pensionsantritte ab dem 1. Jänner 2020 und nur Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die 45 Arbeitsjahre hinter sich haben. Bis zu 5 Jahre bzw. 60 Monate können durch Zeiten der Kindererziehung ersetzt werden.

Die Regelung tritt am 31.12.2021 außer Kraft.

Zusätzlich gibt es eine „Wahrungsbestimmung“: Wer am 31.12.2021 die Voraussetzungen der Abschlagsfreiheit erfüllt, kann die abschlagsfreie Pension auch später in Anspruch nehmen. Damit werden Versicherte, die am 31.12.2021 die 45 Erwerbsjahre vorweisen können, nicht gezwungen frühest möglich in Pension zu gehen.

Welche Pensionsarten betrifft die Abschlagsfreiheit bei Vorliegen von 45 Arbeitsjahren?

  • Langzeitversichertenregelung ab 62 Jahren
  • Schwerarbeitspension ab 60 Jahren
  • Invaliditäts- bzw. Berufsunfähigkeitspension

Wie hoch sind die Abschläge bei diesen Pensionsarten, wenn weniger als 45 Arbeitsjahre vorliegen?

  • Bei der Langzeitversichertenreglung ab 62 Jahren werden Abschläge bis zu insgesamt 12,6 % von der Pensionshöhe abgezogen (4,2 % pro Jahr, 3 Jahre vor dem 65. Lebensjahr sind 12,6 %).
     
  • Die Schwerarbeitspension ermöglicht einen Pensionsantritt ab dem 60. Lebensjahr, wenn 45 Versicherungsjahre und in den letzten 20 Jahren vor dem Pensionsantritt 10 Jahre der Schwerarbeit vorliegen. Der Abschlag bei der Schwerarbeitspension beträgt maximal 9 % (1,8% pro Jahr, 5 Jahre vor dem 65. Lebensjahr sind 9 %).

  • Bei der Invaliditäts- und Berufsunfähigkeitspension beträgt der Abschlag pro Jahr 4,2 %, maximal aber 13,8%.

Wie wird die Pensionshöhe derzeit berechnet?

Langzeitversicherte, SchwerarbeiterInnen oder invalide bzw. berufsunfähige Menschen können zwischen 1.1.2020 und 31.12.2021 ohne Abschläge vor dem Regelpensionsalter in Pension gehen, wenn 45 Arbeitsjahre vorliegen.

Deutlich höhere Pensionszahlungen

Die Auswirkungen sind groß und bedeuten für die Betroffenen deutlich höhere Pensionszahlungen. Bei Langzeitversicherten etwa liegen die Pensionen nach 45 Arbeitsjahren im Durchschnitt bei rund € 2.553 brutto (€ 1.956 netto). Die Abschlagsbefreiung bewirkt eine Erhöhung auf € 2.921 brutto (€ 2.170 netto). Das ist eine monatliche Erhöhung der Bruttopension um € 368 (netto € 214) und eine jährliche Erhöhung um brutto € 5.152 und netto € 3.226,- (inkl. Sonderzahlungen).

Was ist, wenn weniger als 45 Arbeitsjahre vorliegen?

Selbst wenn im Extremfall 44 Jahre und 11 Monate vorliegen, werden die Abschläge wie bisher abgezogen. Zu empfehlen ist, den Antrag später, jedoch spätestens im Dezember 2021 zu stellen und noch die erforderlichen 45 Arbeitsjahre zu erwerben – d.h. Sie müssten über der Geringfügigkeitsgrenze verdienen. Diese liegt 2021 bei 475,86 Euro pro Monat.

Zählen ausschließlich Arbeitsjahre?

  • Maximal 5 Jahre können durch Zeiten der Kindererziehung ersetzt werden.

  • Andere Pensionsversicherungszeiten zählen nicht – beispielsweise Zeiten des Bezuges von Krankengeld, Arbeitslosengeld, Notstandshilfe, nachgekaufte Schul- und Studienzeiten und Zeiten des Bundesheeres oder des Zivildienstes.

  • Auch Zeiten einer geringfügigen Beschäftigung mit Selbstversicherung zählen nicht.

Ich bin schon in Pension und habe 45 Jahre gearbeitet. Wird meine Pension neu berechnet?

Nein. Wenn Sie schon in Pension sind, betrifft Sie die neue Regelung nicht. 

Kann ich durch die neue Regelung früher als bisher in Pension gehen?

Nein, die bisherige Rechtslage ist davon nicht berührt.

Beispiel

Ein 61-jähriger Mann, der weder Schwerarbeiter noch invalid bzw. berufsunfähig ist, hat 2021 bereits 45 Arbeitsjahre erworben. Er kann nicht früher, sondern nach wie vor mit 62 Jahren auf Grund der Langzeitversichertenpension in Pension gehen. Sein Vorteil besteht darin, dass er, wenn er die 45 Arbeitsjahre spätestens im Dezember 2021 erreicht hat, bei einem Pensionsantritt mit 62 Jahren keine Abschläge mehr hat. Seine Pensionshöhe ist im Vergleich zur bisherigen Rechtslage wesentlich höher.

Wichtig

Es gibt eine „Wahrungsbestimmung“: Wer am 31.12.2021 die Voraussetzungen der Abschlagsfreiheit erfüllt, kann die abschlagsfreie Pension auch später in Anspruch nehmen. Damit werden Versicherte, die am 31.12.2021 die 45 Erwerbsjahre vorweisen können, nicht gezwungen frühest möglich in Pension zu gehen.

Was ist bei einem Schwerarbeiter, der erst mit 61 Jahren 45 Arbeitsjahre hat?

Beispiel

Ein Schwerarbeiter erfüllt mit 60 Jahren die Anspruchsvoraussetzungen für die Schwerarbeitspension, da er 45 Versicherungsjahre hat und in den letzten 20 Jahren vor Pensionsantritt 10 Jahre der Schwerarbeit erworben hat. 45 Arbeitsjahre hat er jedoch erst mit 61 Jahren, da er ein Jahr beim Bundesheer war.

Für ihn bedeutet die neue Regelung: Er kann nach wie vor mit 60 Jahren in Pension gehen. In diesem Fall hat er jedoch Abschläge von insgesamt 9 %. Geht er jedoch zwischen 1.1.2020 und 31.12.2021 mit 61 Jahren in Pension, wenn er 45 Arbeitsjahre erworben hat, dann werden ihm keine Abschläge bei Pensionsantritt abgezogen und er profitiert von einer dementsprechend höheren Pension.

Bringt auch Frauen die neue Regelung was?

Nein. Frauen haben derzeit ein Regelpensionsalter von 60 Jahren. Das Pensionsalter wird jedoch für Frauen, die ab 2.12.1963 geboren sind, schrittweise angehoben Von dieser Regelung würden daher Frauen erst ab dem Jahr 2024 profitieren. Nun tritt die Regelung aber bereits mit 31.12.2021 außer Kraft.  Frauen profitieren daher von der Abschlagsfreiheit nach 45 Arbeitsjahren nicht.

Gilt die Neuregelung auch für Beamtinnen und Beamte?

Nein, beschlossen wurde die Regelung nur für die Sozialversicherungsgesetze, d.h. für ArbeiterInnen und Angestellte, Bäuerinnen und Bauern sowie Selbstständige.

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