Bei einem tiefgehenden Erleben empfehlen wir eine unumgängliche Abklärung im medizinischen und psychologischen Bereich. Nehmen Sie sich die Zeit dafür!
Bei einem tiefgehenden Erleben empfehlen wir eine unumgängliche Abklärung im medizinischen und psychologischen Bereich. Nehmen Sie sich die Zeit dafür! © contrastwerkstatt - adobe.stock.com, AK Stmk

 Burnout: Wenn die Kraft zu Ende geht

Burnout ist Sinnbild für einen auftretenden Widerspruch zwischen dem Wesen, den Werten eines Menschen und dem, was er in seiner Arbeit tun muss. Mit diesem Wechselspiel zwischen Mensch und Arbeit hat sich die Burnout – Forschung intensiv beschäftigt. Wenn die Herausforderungen und Erwartungen zwischen den Merkmalen eines Berufs und der Person, die diesen Beruf ausübt, nicht im Einklang stehen, steigt auch die Burnout – Gefahr. Unter Burnout versteht man eine körperliche, emotionale und geistige Erschöpfung. Die Ursachen sind meist in zu hohen Anforderungen am Arbeitsplatz zu suchen. Ein Widerspruch zwischen Mensch und Arbeit kann ab Arbeitseintritt bestehen oder sich erst im Laufe der Zeit entwickeln.

Burnout ist dabei kein Einzelschicksal. Es kann Menschen in allen Berufs- und Altersgruppen treffen. Etwa 10 Prozent der Erwerbsbevölkerung in Österreich gelten als Burnout – Betroffene, etwa jeder 5. bis 6. österreichische Arbeitnehmer gilt als gefährdet.

Burnout ist keine Folge einer einmaligen starken oder extremen Belastung, sondern zeigt sich als aufbauende Reaktion auf längere Zeit andauernde oder sich immer wiederholende Belastungssituationen. Dabei spricht man von einem einschleichenden Prozess.

Achten Sie auf erste Signale

Sie sind müde und erschöpft, Wochenenden und Urlaube oder Auszeiten bringen nicht mehr die erhoffte Erholung. Schlafprobleme treten auf, Sie fühlen sich häufig krank, schwach und ausgelaugt. Sie schaffen ihr Arbeitspensum nicht mehr oder nur mit größten Schwierigkeiten. Darüber reden möchten Sie nicht, da Sie Angst haben unangenehm aufzufallen. Hinweise von Freunden oder Familienmitgliedern werden oft als Kritik an der eigenen Person interpretiert und abgeschmettert.

TIPP   Nehmen Sie diese Signale ernst. Suchen Sie Hilfe beim Arzt Ihres Vertrauens oder bei   einer Beratungseinrichtung. Nehmen Sie Hilfe so früh wie möglich in Anspruch. Burnout ist keine Erkrankung der Schwachen, wie es so oft vermittelt wird.

Der Prozess schreitet fort

Immer mehr wird die Arbeit zum Lebensmittelpunkt. Viele Menschen haben Probleme das tägliche Pensum zu schaffen und nehmen die Arbeit mit nach Hause oder versuchen unter allen Umständen die Bearbeitungsgeschwindigkeit zu erhöhen oder die Arbeitspausen zu streichen. Häufig treten nun Konzentrations- und Gedächtnisprobleme auf, es kann zu Wutausbrüchen am Arbeitsplatz oder im Familienverband kommen. Menschen ziehen sich nun häufig in ihr „Schneckenhaus“ zurück und interpretieren das als Erleichterung, weil Sie sich nun nicht mehr rechtfertigen müssen. Dadurch wird aber eine Abwärtsspirale genährt.

Sie haben ein Recht auf Expertise

Sie benötigen eine exakte Abklärung, wenn Grenzen überschritten wurden. Sie benötigen Expertise für ihren weiteren Weg. Es geht hier um die Klärung der Ursachen ihres Problems und nicht um eine bloße Bekämpfung der Symptome.

Bei einem tiefgehenden Erleben empfehlen wir eine unumgängliche Abklärung im medizinischen und psychologischen Bereich. Nehmen Sie sich die Zeit dafür!

Achtung

Nehmen Sie sich und Ihr Problem ernst. Sie sind auch nicht schuld daran und Sie dürfen krank sein. Gehen Sie auch nicht krank zur Arbeit, sondern zu einem Arzt ihres Vertrauens und versuchen Sie nicht, die Situation auszusitzen. 

Ständiger Stress, ständiges Arbeiten unter Druck, fehlende Wertschätzung, weniger Pausen und die Ausweitung von Arbeitszeiten lassen die Qualität der Arbeit sinken. Menschen werden krank.

Da die Ursachen von Burnout in Arbeitsprozessen liegen, müssen diese bei Bedarf einer Analyse unterlegt und anschließend auch verändert werden. Führungskräfte tragen hier Verantwortung!

Wie kann ich der Burnout–Falle entgehen?

Abschließend dürfen wir Ihnen noch einige Tipps geben, wie Sie allzu große Stress – und Belastungsfaktoren bei der Arbeit vermeiden können.

  • Achten Sie auf ihre Zielsetzungen. Diese können gerne ambitioniert sein, mehr ist nicht notwendig.
  • Verbessern Sie ihre Arbeitsabläufe. Achten Sie darauf, bei der Arbeit nicht ständig unterbrochen zu werden. Halten Sie berufsspezifische Schutzvorkehrungen ein.
  • Prüfen Sie ihr Superengagement. Wäre eine bessere Arbeitsverteilung oder Entlastung möglich? Sprechen Sie belastende Themen an und streben Sie Lösungen an.
  • Lassen Sie soziale Kontakte nicht schleifen! Nehmen Sie sich Zeit für Familie und Freunde und stopfen Sie nicht jeden Termin in das Wochenende.
  • Halten Sie ihr persönliches Tempo ein! Planen Sie Erholungsphasen und Freiräume ein. Arbeiten Sie nicht in ihrer Freizeit und im Urlaub. Halten Sie Pausen bewusst ein, auch wenn der Druck groß ist. Nehmen Sie sich Zeit für Ihr Essen!
  • Setzen sie bewusst Grenzen! Zeigen Sie Grenzen höflich auf, dulden Sie Grenzüberschreitungen nicht stillschweigend!
  • Rituale stärken Sie! Was macht Sie glücklich, worauf möchten Sie nicht verzichten? Ein Konzert- oder Kinobesuch, eine Runde mit Freunden, ein gemeinsames Essen… Überlegen Sie doch bitte, was ihnen Kraft gibt. Rituale bedeutet, dass ein schönes Ereignis nicht nur einmal passiert, sondern in ihrem Leben nun einen Platz gefunden hat. 

Wie kann Ihr Unternehmen vorsorgen?

  • Evaluierung der psychischen Belastungen nach dem ASchG durchführen
  • Information der Führungskräfte und ArbeitnehmerInnen anbieten
  • Eine Optimierung der Arbeitszeitgestaltung andenken und durchführen
  • Verbesserungen der Arbeitsorganisation und Gestaltung einleiten und durchführen
  • Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) im Unternehmen verankern
  • MitarbeiterInnengespräche sind regelmäßig zu führen und vorzubereiten

Die hier vorgeschlagenen Punkte sind als beispielhaft zu verstehen und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Tipp

Wir empfehlen die Inanspruchnahme unseres Seminarprogramms "Arbeit – Recht – Gesundheit", das zur Unterstützung von Belegschaftsvertretungen, Sicherheits – vertrauenspersonen und Interessierten entwickelt wurde. Informationen bieten wir Ihnen unter arbeitnehmerschutz@akstmk.at gerne an.

 Ein Ratgeber kann Arzt, Psychotherapie oder fachliche Beratung nicht ersetzen. Ein Anspruch auf Vollständigkeit kann nicht abgeleitet werden.

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