Es gibt keine Teilkrankenstände. Was es gibt, ist Wiedereingliederungsteilzeit. © Elnur-stock.adobe.com, AK Stmk
Es gibt keine Teilkrankenstände. Was es gibt, ist Wiedereingliederungsteilzeit. © Elnur-stock.adobe.com, AK Stmk

Kein Arbeiten im Krankenstand

Arbeiten im Krankenstand? Immer wieder taucht in der Wirtschaft die For­derung nach Teilkrankenständen auf – Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sollen, soweit möglich, trotz Krankheit arbeiten. AK-Expertin Biljana Bauer stellt dazu klar: "Es gibt keine Teilkrankenstände, ein Teilkrankenstand ist vom Gesetzgeber nicht vorgesehen. Auch das Modell der Wie­der­ein­glie­de­rungs­teil­zeit ist nicht dafür gedacht."

Wer entscheidet über Arbeitsfähigkeit?

Die Wiedereingliederungsteilzeit soll es Beschäftigten nach (längeren) Kran­ken­ständen ermöglichen, langsam wieder in den Arbeitsalltag zu­rück­zu­keh­ren. Die reguläre Arbeitszeit wird dabei um 25 bis 50 Prozent reduziert, von der Krankenkasse gibt es zur – teilweisen – Abdeckung der Ein­kom­mens­ver­lus­te ein Wiedereingliederungsgeld. Dieses Modell, in das auch die jeweiligen Betriebsräte eingebunden sind, funktioniert laut Bauer "sehr gut". Die AK-Expertin betont jedoch: "Die Wiedereingliederungsteilzeit ist dafür gedacht, dass jemand, der arbeitsfähig ist, sich langsam wieder in den Arbeitsprozess eingliedert." Und: "Der zuständige Sozialversicherungsträger und die Haus­ärz­tin­nen bzw. Hausärzte haben laut Gesetz zu entscheiden, ob jemand ar­beits­fä­hig ist oder nicht."

Gesundheitsdaten besonders geschützt

Bauer verweist darauf, dass Gesundheitsdaten besonders hohen Schutz genießen: "Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber haben nicht das Recht zu wissen, welche Krankheit die Beschäftigten haben." Dennoch geben Beschäftigte oft gegen ihren Willen diese Daten heraus. "Beschäftigte wollen teilweise überprüfen, ob jemand trotz Krankenstand auch andere Tätigkeiten im Betrieb ausüben kann – doch dazu haben sie kein Recht. Beschäftigte kön­nen auch nicht gezwungen werden, sich z.B. von Arbeitsmedizinerinnen und Arbeitsmedizinern untersuchen zu lassen. Wenn der behandelnde Hausarzt oder die zuständige Sozialversicherung eine Arbeitsunfähigkeit feststellt, haben Arbeitsmedizinerinnen und -mediziner kein Recht, die Beschäftigten gesundzuschreiben."

Positive Betriebskultur wichtig

Dass viele Menschen trotzdem krank arbeiten gehen, hat laut Bauer mit steigendem Druck im Job sowie mit der Angst vor dem Verlust des Ar­beits­platzes zu tun. In Unternehmen, in denen eine positive Betriebskultur und ein verantwortungsvoller Umgang mit der Gesundheit der Beschäftigten herrsche, "gibt es mit diesem Thema kein Problem".

Downloads

Links

Kontakt

Kontakt

05-7799-0

Anfragen bitte via Formular.

Tiefenberatung
Termin für ausführliche Beratung bitte unter 05-7799-3000.

Das könnte Sie auch interessieren

Die AK konnte für den Projektleiter außergerichtlich 31.000 Euro für seine Überstunden einfordern. © alfa27-stock.adobe, AK Stmk

Konzern schuldete Grazer fast 500 Überstunden

Viele offene Überstunden hatte ein Projektleiter nach seiner Kündigung. Durch Intervention verhalf ihm die AK zu seinen ausstehenden rund 31.000 Euro.

Doppelt versichert: 23.900 Euro fällig

Nach einem Arbeitsaufenthalt in Deutschland vergaß ein Steirer, seine deutsche Krankenversicherung abzumelden. Eine saftige Nachzahlung drohte.

Steuererklärung © Bernhard_Leitner, fotolia.com

AK Brutto-Netto-Rechner

Wie viel vom Brutto-Lohn abgezogen wird, ist oft schwierig zu durchblicken. Der AK-Brutto-Netto-Rechner zeigt schwarz auf weiß, was übrig bleibt.