Die AK konnte für den Projektleiter außergerichtlich 31.000 Euro für seine Überstunden einfordern. © alfa27-stock.adobe, AK Stmk
Die AK konnte für den Projektleiter außergerichtlich 31.000 Euro für seine Überstunden einfordern. © alfa27-stock.adobe, AK Stmk

Konzern schuldete Grazer fast 500 Überstunden

Knapp 1.000 Überstunden leistete ein Grazer in 26 Monaten. Der Projektleiter war bei einem Zulieferer für die Autoindustrie beschäftigt und hatte vertraglich eine Überstundenpauschale in der Höhe von20 Stunden. Doch die Arbeit wurde immer mehr und mehr, die Fluktuation in der Firma war groß und der Zeitdruck enorm. So kam der Diplomingenieur im ersten Jahr auf fast 400, im zweiten Jahr auf über 500 und in den letzten beiden Monaten auf rund 70 Überstunden. "Durch die Pauschale waren an die 500 Stunden gedeckt, bleiben aber immer noch etwa 470 über", so AK-Arbeitsrechtsexperte Stefan Schmelzer.

Nur 54 Stunden abgerechnet

Als der 54-Jährige nach seiner Kündigung seinen letzten Lohnzettel erhielt, waren gerade einmal 45 Überstunden abgerechnet. Die Konzernleitung argumentierte damit, dass sie die Überstunden nicht angeordnet und genehmigt hätte und diese außerdem zu spät geltend gemacht worden wären. "Das Argument, dass die Überstunden nicht angeordnet wurden, ist haltlos. Die Arbeit hätte sonst nicht erledigt werden können und die Überstunden wurden ja entgegengenommen", sagt Schmelzer. Außerdem hatte der Projektleiter bereits nach seinem ersten Jahr seine Vorgesetzten auf seine überbordenden Überstunden aufmerksam gemacht und darauf, dass er diese nicht abbauen werde könne – gut dokumentiert in einem E-Mail.

AK hatte bessere Argumente

Diese beiden Argumente führte Schmelzer in einem ausführlichen Interventionsschreiben an den Konzern an: "Es ist ein Irrglaube, dass die AK sofort vor Gericht zieht. Ein erster Schritt ist immer, sofern es die Fristen zulassen, die Intervention." Und siehe da: Nach "einer erneuten Prüfung" überwies das Unternehmen die geforderten knapp 31.000 Euro an den 54-Jährigen. "Wichtig ist, dass Arbeitnehmer ihre Arbeitszeit genau mitschreiben und auch auf die im jeweiligen Kollektiv- oder Arbeitsvertrag festgehaltenen Verfallsfristen für Überstunden achten", rät Schmelzer.

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