Frau mit traurigem Blick auf Geldmünzen © Picture-Factory, stock.adobe.com
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Gender-Gap beim Arbeitslosengeld

Der aktuelle Gleichstellungsbericht des AMS zeigt, dass sich die ungerechte Bezahlung von Männern und Frauen auch im Arbeitslosengeld und der Notstandshilfe niederschlägt. Der Faktor Geschlecht führt sogar nachweislich zu mehr Benachteiligung als ein Migrationshintergrund. Die nunmehrige Nicht-Anrechnung des Partnereinkommens sichert vielen Frauen aber zumindest ihre Notstandshilfe. 

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit – die Urforderung der Frauenbewegung ist nach mehr als einem Jahrhundert so aktuell wie damals, als sie erstmals gestellt wurde. Dazu kommt, dass auch der Lohn für ungleiche Arbeit ungerecht ist: In typischen Männerbranchen wird mehr bezahlt – ob allerdings die Arbeitsleistung in diesen Branchen wirklich mehr wert ist, bleibt fraglich. Und Männer haben auch noch immer bessere Aufstiegschancen. Was unter anderem daran liegt, dass wenn die kleine Tochter zu hüten oder der betagte Opa zu pflegen sind, meist die Frauen ihre Berufstätigkeit unterbrechen oder in Teilzeit gehen, um diese wichtige, aber unbezahlte Arbeit zu leisten. Damit kommen sie nicht nur auf ein wesentlich geringeres Lebenseinkommen als Männer – mit entsprechenden Folgen für ihre Pension. Zusätzlich sind sie in kritischen Lebensphasen, nämlich in der Arbeitslosigkeit, schlechter abgesichert als Männer. Denn das Arbeitslosengeld und die Notstandshilfe berechnen sich ja nach dem Lohn, der zuvor ausbezahlt wurde.

16 Prozent weniger

Wie hoch die Unterschiede sind, zeigt der aktuelle Bericht „Gleichstellungs­kennzahlen im AMS“: Demnach bekamen Frauen im Jahr 2018 um 16,2 Prozent weniger Arbeitslosengeld als Männer und um gut 13 Prozent weniger Notstandshilfe. Einziger Lichtblick: Der Unterschied hat sich im Vergleich zum Jahr davor ein wenig verringert.

Im genannten Bericht wurde auch verglichen, welcher Faktor mehr Gewicht hat: der Unterschied zwischen den Geschlechtern oder ein möglicher Migrationshintergrund. Dabei hat sich herausgestellt, dass selbst jene Männer, die aus dem Ausland zugezogen sind – also die sogenannte erste Generation – noch deutlich mehr an Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe beziehen als die Österreicherinnen. Obwohl die Österreicherinnen am Arbeitsmarkt keine sprachliche oder kulturelle Hürde nehmen mussten. Am dramatischsten ist die Situation für Frauen mit Migrationshintergrund: Sie erhalten um 23 Prozent weniger Geldleistung als einheimische Männer. Die Lücke zwischen Männern und Frauen aus Österreich beträgt immerhin auch 17 Prozent. 

Notstandshilfe beibehalten

"Diese Zahlen zeigen, dass der Weg zur Gleichstellung noch ein weiter ist und dass dringend eine gerechtere Einkommensverteilung notwendig ist", betont AK-Gleichstellungsreferentin Mag. Bernadette Pöcheim. Nun ist es nach langjähriger Forderung, unter anderem der Arbeiterkammer, mit Juli 2018 gelungen, dass das Partnereinkommen bei Berechnung der Notstandshilfe nicht mehr berücksichtigt wird. "Es war niemals einzusehen, dass Menschen eine Versicherungsleistung nicht erhalten, für die sie selbst einbezahlt haben, weil ihr Partner oder ihre Partnerin dafür zu viel verdient2, so Pöcheim. Durch die Aufhebung dieser Ungerechtigkeit bekamen im Jahr 2018 über 5.000 Frauen mehr Notstandshilfe als im Jahr davor. Bei den Männern profitierten rund 1.400 von der Neuregelung.

Die alte Regierung hat angekündigt, die Notstandshilfe abschaffen zu wollen. "Aus frauenpolitischer Sicht wäre das ein riesiger Rückschritt", gibt die AK-Gleichstellungsreferentin zu bedenken. "Ich appelliere daher an die noch zu bildende Regierung, derartige Pläne fallen zu lassen."

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