Online-KReditrechner erfüllen nur eingeschränkt ihre Funktion als Vergleichsinstrument
Online-KReditrechner erfüllen nur eingeschränkt ihre Funktion als Vergleichsinstrument © Liubomir, stock.adobe.com
7.4.2026

Kreditrechner im Vergleich

Die AK-Marktforschung hat 20 Online-Kreditrechner österreichischer Banken und Kreditvermittlungsplattformen getestet. Die online bereitgestellten Informationen decken sich nicht mit den in den Angeboten aufscheinenden Konditionen, sondern stellen nur eine „Orientierungshilfe“ hinsichtlich der Kreditbelastungen dar.

Die 20 Online-Kreditrechner wurden hinsichtlich der gebotenen Informationen analysiert und mittels standardisierter Beispiele getestet. In einem zweiten Schritt erfolgte ein Mystery‐Shopping bei der jeweiligen Bank, um herauszufinden, ob die am Rechner erzielten Ergebnisse mit dem Kreditangebot vor Ort übereinstimmen.

Zinssätze unterscheiden sich

Mit Hilfe des Mystery‐Shoppings wurde zu Tage gefördert, dass die Zinssätze beim Online‐Angebot gegenüber dem realen Angebot in der Bank sich bis zu 60% unterscheiden können. Ein Angebot bei der Online‐Bank wurde mit 5,55 % angeboten, beim Mystery‐Shopping waren es tatsächlich 8,90 %, was allein über die Laufzeit Mehrkosten von über 2.000 Euro bedeutet.

Online-Kreditrechner sind eine Orientierungshilfe

Die Rechner dienen aus Konsument:innensicht als "Orientierungshilfe" hinsichtlich der Belastungen, die aus Krediten erwachsen können und die über die Laufzeit hinweg bedient werden müssen. Konsument: Innen können mithilfe der Rechner die Auswirkungen von Parametern wie Zinsen, Zinseszinsen, Laufzeiten, Gebühren, Tilgungsraten usw. berechnen. erkunden und so eine Einschätzung ihrer künftigen Finanzierungserfordernisse treffen. Nochmals sei extra betont, dass die tatsächlichen Kreditbedingungen vor Ort bei den Banken zu erfragen sind.

Im Rahmen der Gespräche mit Bankenvertretern wurde betont, dass die Bonität ein wesentliches Kriterium für den Kredit bzw. für die Kreditbedingung ist. Die Bonität der Kunden: innen wird für gewöhnlich genau durchleuchtet und hat man oft mehrere Bonitätsstufen bzw. Risikoklassen (Nachfragen unsererseits ergaben bis zu 8 Stufen). Zudem unterscheiden sich Kunden auch innerhalb von Bonitätsstufen; so wird man Kunden mit „sehr guter Bonität“, die zudem über ein sehr hohes Einkommen verfügen, in der Praxis noch einmal anders beurteilen als jemanden mit der gleichen Bonität, aber einem niedrigen Einkommen. Im Rahmen eines kurzen Online‐Checks kann man dem wahrscheinlich nur schwer Rechnung tragen. Schon deshalb ist eine persönliche Vorsprache bei der Bank unumgänglich. Anders verhält es sich, wenn es sich um eine bankeigene Plattform handelt, die über die erforderlichen Kundendaten verfügt. So kann etwa bei der kontoführenden Bank ein Tool eingerichtet sein, über das online ein Kreditangebot erstellt werden kann. Letzteres war nicht Gegenstand der Untersuchung und wurde hier nicht abgefragt. Hier geht es nur um Onlinerechner, die für „jedermann“ abfragbar sind.

Verbesserungspotenzial bei Transparenz und Aktualität

Nach wie vor besteht bei den Kreditrechnern aus Konsument:innensicht hinsichtlich der Transparenz ein Verbesserungspotenzial. Die Rechner sind in der Branche doch auch unterschiedlich. So sind manche betragsmäßig oder hinsichtlich der Laufzeit limitiert oder die Daten werden nicht regelmäßig gewartet – so wurden etwa Daten aus 3/2023 und 4/2024 im Erhebungszeitraum September 2025 gefunden. Die Daten des Online‐Rechners sollten aktuell sein. Weiters beeinflusst das optische Erscheinungsbild, d. h. die Schriftgestaltung, die Schriftgröße, die Farbgebung, die Tatsache, wo etwas zu finden ist, die Kundinnen. Weiters wurden bereits Praktiken wie versteckte, verkleinerte oder gar nicht ausgewiesene Effektivzinsen 2020 vom OGH kritisiert. Eine Bank „umgeht" diese Kritik, indem sie im Rechenbeispiel ihres Kreditrechners überhaupt keinen Zinssatz und nur die Monatsrate ausweist. Obschon dieser Themenkreis immer ein Stück weit von der Erwartungshaltung an den Kreditrechner abhängt, wären noch klarere und verständlichere Hinweise auf die bestimmenden Kreditparameter sowie mehr Transparenz wünschenswert.

Vergleichsrechner dienen der Orientierungshilfe

Der unabhängige AK‐Kreditrechner, der direkt von den Banken gespeist wird, offenbart das strukturelle Problem der Aktualität: Bei 11 von 19 Banken weichen die auf den eigenen Webseiten angezeigten Konditionen um bis zu 731 Euro von den der AK gemeldeten Daten ab. Banken führen am AK‐Rechner andere Zinssätze an, als sie selbst online bewerben. Der AK‐Rechner kann nur so verlässlich sein wie die Daten, die die Banken bereitstellen. Die Aktualität ist zugegeben ein Problem, da sich Indikatoren wie der 3‐Monats‐Euribor sowie Liquiditäts‐, Risiko‐und Eigenkapitalkosten, die allesamt in das Pricing einfließen, laufend ändern. Hier wurde nur der AK‐Kreditrechner parallel getestet; es stellt sich aber auch die Frage nach weiteren Vergleichsplattformen. Als Konsument:in ist man jedenfalls gut beraten, nach der Aktualität der Datenbasis zu fragen.

ESG-Kriterien sind noch kein Thema

Kein einziger Kreditrechner berücksichtigt ESG‐Kriterien, wodurch mögliche Zinsvorteile für nachhaltige Projekte nicht berücksichtigt werden – trotz der geltenden EU‐Taxonomie‐Verordnung seit 2020. Nur drei von 19 Banken erreichen einen Transparenz‐Score von 90%, während Anbieter wie Infina mit unrealistischen "ab 3,99 %“ werben, obwohl der Marktzins bei 7,7–8,3 % liegt.

Fazit

Diese Detailergebnisse belegen, dass Online‐Kreditrechner nur eingeschränkt ihre Funktion als Vergleichsinstrument erfüllen: Sie dienen als unverbindliche Orientierungshilfe für Konsument:innen einerseits, und man sollte sich bewusst sein, dass die Marketingkomponente ebenfalls eine Rolle spielt. Die konkreten tatsächlichen Kreditbedingungen sind dem bindenden Angebot der Bank vorbehalten.

Downloads

Links

Das könnte Sie auch interessieren

Der VKI hat gemeinsam mit der Stiftung Warentest Küchenmaschinen getestet

VKI-Test: Küchenmaschinen

VKI und Stiftung Warentest haben 10 Küchenmaschinen getestet. Die Topbewertung ging an die Bosch Serie 6. Keines der Geräte konnte voll überzeugen.

Die AK-Marktforschung hat insgesamt 38 Energy-Drinks getestet

Energydrinks im Marktcheck

Die AK Marktforschung hat 38 Energy-Drinks (regulär, „healthy“ sowie in Tabletten- und Pulverform) getestet.

Pärchen kauft Waschmaschine

Waschmaschinen im Test

Der VKI und Stiftung Warentest haben 7 klassische und 4 platzsparende Modelle getestet. Die Reparaturfreundlichkeit wurde auch überprüft.