Arbeitnehmerin lässt sich online beraten. © fizkes , stock.adobe.com
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8.6.2021

Im „Netz verfangen“ – Wenn man bei Fake-Shops kauft! 

Online-Shoppen ist gekommen, um zu bleiben – Anlass, sich einmal einen Schauplatz der anderen Art anzusehen: Werbeflächen, die große Online-Plattformen an Dritte verkaufen. Das Österreichische Institut für angewandte Telekommunikation (ÖIAT) hat für die AK exemplarisch Werbeanzeigen für Online-Shops auf vier großen Social Media-Plattformen geprüft. 

Nach nur einer Stunde Recherche wurden zwölf „unsaubere“ Dropshipping-Händler – an sich ein seriöses Logistik-Modell – mit Direkt-Lieferungen meist aus China aufgespürt. Ernüchternd dabei die Probebestellungen: trotz Bezahlung keine Ware, eine andere und minderwertigere als bestellt. Rücksenden oder Geld retour – Fehlanzeige. 

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Abzocke: Fake-Shops auf Instagram & TikTok


Unseriöse Online-Shops sind schwer erkennbar

Günstige Designerklamotten oder attraktive Technik-Angebote – unseriöse Online-Shops sind auf den ersten Blick schwer erkennbar. Ein Merkmal ist Vorabzahlung. „Die vorausbezahlten Waren kommen dann gar nicht an oder KonsumentInnen bekommen eine andere, minderwertige Ware, die von der bestellten krass abweicht. Aber: Das Geld ist weg“, so die AK ExpertInnen.

Wenig Beachtung wird bislang einem wichtigen Schauplatz geschenkt, auf dem ebenfalls unseriöse Geschäfte angebahnt werden: Werbeflächen, die große Online-Plattformen für Werbezwecke Dritten verkaufen. „Auf Social Media-Plattformen findet sich demnach immer öfter Werbung für unseriöse Angebote, etwa von Dropshipping-Händlern, die von den Abbildungen erheblich Abweichendes versenden oder Fake-Shops, die es auf lupenreinen Vorauszahlungsbetrug anlegen“, berichten die AK KonsumentenschützerInnen. In der Regel ist Dropshipping eine problemlose Logistik-Variante, bei der der Händler kein Warenlager hat. KonsumentInnen erhalten die Ware direkt vom Hersteller oder Großhändler.

Das ÖIAT hat im Auftrag der AK exemplarisch Werbeanzeigen auf vier ausgewählten sozialen Plattformen unter die Lupe genommen – Instagram, TikTok, Facebook und Google. Das Ergebnis zeigt: Eine Stunde Recherche pro Plattform reichte, um auf Werbung für je drei Online-Shops zu stoßen, vor denen die Watchlist Internet warnt. Bei diesen insgesamt zwölf Dropshipping-Shops wurden Probebestellungen durchgeführt und Rücksendungen versucht.

Von zwölf Bestellungen kam in zwei Fällen trotz Bezahlung keine Lieferung. Zweimal kam nicht die bestellte Kleidung: Einmal wurde ein T-Shirt geliefert, das sich optisch krass vom bestellten unterschied. Einmal kam eine Jacke, auf der Kordeln und goldene Knöpfe drauf sein sollten. Tatsächlich war alles nur aufgedruckt. Bei den anderen acht Fällen handelte es sich um eine mindere Produktqualität.

„Bei den gelieferten Waren war kein Rücktritt möglich. So fehlte etwa die Rücksendeadresse, es gab keine Antwort auf Retouren-Anfragen oder die Rücksendung war mit hohen Rücksendekosten und Zollgebühren verbunden. Den Einkaufspreis teils oder ganz zurückzubekommen ist meist unmöglich. Auch gesetzlich geregelte Gewährleistungsansprüche können nicht durchgesetzt werden“, so die AK ExpertInnen.

Was KonsumentInnen „blüht“

Was KonsumentInnen „blüht“, wenn Sie unseriösen Dropshipping-Händlern ins Netz gehen, die direkt aus dem asiatischen Raum liefern:

  • Nicht so wie bestellt: Die Ware ist minderwertig und weicht teils stark vom beworbenen Produkt ab. 
  • Bitte warten: Es kommt teilweise zu ungewöhnlich langen Lieferzeiten oder Lieferausfällen.
  • Teuer retour: Rücksendungen sind schwierig und teuer – häufig hohe Rücksendekosten ins außereuropäische Ausland, Zollgebühren und meist keine Rückerstattung des Kaufpreises.
  • Keine Rechte: Anbieter verletzen europäisches KonsumentInnenschutzrecht, Rechtsdurchsetzung praktisch unmöglich. 

Unsere Forderungen

Der EU Entwurf zum Digitalen Dienste Gesetz wird derzeit zwischen den Mitgliedsstaaten und im EU-Parlament verhandelt. Die AK will mehr Schutz für KonsumentInnen und verlangt: 

  • Kenne deine WerbekundInnen: Online-Plattformen oder Werbedienstleister, die Werbung ausspielen, sollen die Angaben zu WerbekundInnen prüfen. Es braucht mehr Transparenz, vorstellbar wäre etwa eine Kennzeichnung wie „Verifizierter Werbekunde“. 

  • Werbung nicht unkontrolliert ausspielen: Liegen Hinweise auf unseriöse Angebote vor (etwa Usermeldungen und auf Warnlisten „blackgelistete“ Webshops), dürfen Plattformen oder dahinterstehende Werbedienstleister die Werbung nicht schalten.  

  • Dubiose Werbung – auch KonsumentInnen(organisationen) sollen’s wissen: Der DSA verpflichtet sehr große Plattformen künftig, in einem Archiv die Werbungen des letzten Jahres und die Namen der WerbekundInnen zu veröffentlichen. Dieses sollte öffentlich leicht zugänglich sein und eine Beschwerdemöglichkeit enthalten.  

  • EU-weiter Ausbau Watchlist Internet: Initiativen wie Watchlist Internet sollen EU-weit über ein Netzwerk verbunden, von der EU finanziert und von einem EU-Koordinator unterstützt werden. Watchlist Internet – eine österreichische Informationsplattform – veröffentlicht tagesaktuelle Warnmeldungen über aktuelle Online-Fallen. Prävention ist wichtig, denn Internetkriminelle werden kaum je gefasst. 

  • Mehr Transparenz gegen Dropshipping-Fallen: Webshops sollen zentral darauf hinweisen müssen, woher die Ware versandt wird und wie die Abwicklung von Retouren erfolgt. Dropshipping ist weit verbreitet und grundsätzlich unproblematisch. Die AK Erhebung zeigt aber Probleme mit unseriösen Dropshipping-Händlern auf, die ihre Waren direkt aus dem asiatischen Raum liefern lassen – das wird auf der Website der Online-Shops häufig verschwiegen.

Daran erkennes Sie unseriöse Dropshipping-Händler 

  • Von wo kommt‘s?: Vorsicht, wenn kein Hinweis steht, von wo das Produkt kommt. Dann kommt die Lieferung oft direkt aus dem asiatischen Raum – das wird gerne auf den Websites verschwiegen.
  • Mit Stil „betrogen“: Die Online-Shop-Websites machen optisch einen professionellen Ersteindruck.
  • Super Preis: Markenprodukte sind sehr günstig – da sollten die Alarmglocken läuten.
  • Fehlende Angaben: Die Angaben zum Händler sind mangelhaft oder fehlen komplett.
  • Abgekupfert: Wenn Sie bei mehreren Online-Shops stöbern, fällt auf: Textbausteine sind aus Shop-Beschreibungen und Gründungsstorys kopiert, Domainregistrierungen wurden anonymisiert.

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