29.10.2014
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Das soziale Netz ist verbesserungsfähig

AK-Präsident Josef Pesserl im Kleinen Kammersaal © Fotostudio 44, AK Stmk

Das dicht geknüpfte soziale Netz in Österreich hat einige Löcher, durch die besonders Frauen fallen. Wie diese Situation verbessert werden könne, versuchte eine Veranstaltung  im Kleinen Kammersaal zum Thema „Sozial abgesichert?“ aufzuzeigen.

Sozialpolitik fordert auch Investitionen in die Infrastruktur, wie etwa Kinderbetreuung und Ganztagesschulen, erklärte AK-Präsident Josef Pesserl einleitend. Viele Frauen seien gezwungen, eine Teilzeitbeschäftigung anzunehmen. Es sei Aufgabe der Politik und Gesellschaft, dafür zu sorgen, „dass Menschen keine Existenzsorgen haben müssen.“

Hohe Teilzeitquote und niedriger Stundenlohn

Wie es mit Teilzeitbeschäftigung und Kinderbetreuung in der Steiermark aussieht, skizzierten GKK-Obfrau Mag. Verena Nussbaum (GPA-djp) und die Leiterin des AK-Frauenreferats, Mag. Bernadette Pöcheim, in einem gemeinsamen Vortrag. Die Teilzeitquote betrage bei Frauen bereits 46 Prozent, erklärte Nussbaum. Zwei Drittel der Frauen arbeiten unter 25 Stunden und bekommen auch weniger Stundenlohn als Vollzeitbeschäftigte. Besonders armutsgefährdet seien 20- bis 39-Jährige sowie über 65-Jährige.

Unbezahlte Arbeit und fehlende Kinderbetreuungsangebote

64 Prozent ihrer Gesamtarbeitszeit arbeiten Frauen unbezahlt, wies Pöcheim auf die ungleiche Aufteilung von Kindererziehung und Hausarbeit hin. Die Mängel bei der Kinderbetreuung  wurden heuer durch den erstmals von der Arbeiterkammer vorgestellten Kinderbetreuungsatlas aufgedeckt: Die Steiermark habe zu viele Ferienschließtage (53 im Vergleich zum Österreichschnitt von 40 Tagen). 40 Prozent der steirischen Gemeinden haben überhaupt kein Angebot für Kinder unter drei Jahren. „Trotz hoher Geldleistungen für Familien gibt Österreich nur 17 Prozent davon für die Kinderbetreuung aus“, plädierte die Expertin für eine andere Familienpolitik. Von gewerkschaftlicher Seite forderte Nussbaum u.a. eine partnerschaftliche Aufteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit, ein Mindestgehalt von 1.500 Euro und einen höheren Überstundenzuschlag für Teilzeitkräfte. (Präsentationen in der Infobox)

Monika Fliesser (Lebenshlfe), Christina Lind (AMS), Gerlinde Pölsler (Falter), Vizebgm. Martina Schröck und AK-Vizepräsidentin Patricia Berger © Fotostudio 44, AK Stmk

Für die Vizebürgermeisterin Dr. Martina Schröck zeigt sich die zunehmende Armut in einem Anstieg der Mindestsicherungsfälle auf mehr als 7.000 Personen in Graz. Sie bedauerte, dass diese Sozialleistung nur zwölfmal im Jahr ausbezahlt wird.

Armut trotz Beschäftigung

Dass man auch in Beschäftigung armutsgefährdet sei, betonte die stellv. AMS-Landesgeschäftsführerin Mag. Christina Lind, denn bei den geringfügig Beschäftigten betrage der Frauenanteil 63,4 Prozent. Jede vierte Frau arbeite unter der Niedriglohngrenze von 8,64 Euro Stundenlohn. Und Kindererziehung kostet: Zwei Jahre Karenz mindern das Lebenseinkommen um drei Prozent. Die AMS-Expertin befürwortet eine Anhebung der Nettoersatzrate beim Arbeitslosengeld von derzeit 55 auf 70 Prozent und eine Höherqualifizierung der Frauen, weil damit deutliche Einkommenszuwächse erzielbar seien.

Pensionssplitting als Ausgleich

Elisabeth Aufreiter, Birgit Schreiber © Fotostudio 44, AK Stmk

„Teilzeitarbeit wirkt sich negativ auf die Pensionshöhe aus“, warnte AK-Expertin Mag. Birgit Schreiber in ihrem Beitrag zum Pensionskonto, bei dem für jedes Jahr 1,78 Prozent der Beitragsgrundlage für die Pension berechnet werden. Für eine bessere Frauenpension biete sich die Möglichkeit des Pensionssplittings an: Dabei könne der Partner bis zu 50 Prozent seiner Teilgutschrift an den kindererziehenden Elternteil übertragen lassen.

In der von Falter-Redakteurin Gerlinde Pölsler geleiteten Diskussion verwies AK-Vizepräsidentin Patricia Berger darauf, dass Teilzeitarbeit oft nicht freiwillig erfolge. Für Monika Fliesser (BRV Lebenshilfe GU und Voitsberg) arbeiten im Gesundheits- und Sozialbereich sowie Handel „die Armen von morgen“.

Betreuungsatlas mit Verbesserungen

48 von 287 Gemeinden ohne Betreuungseinrichtung für unter Dreijährige, jede dritte Gemeinde hat ein akzeptables Angebot an Kindergärten und -krippen.

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