Junge Frau sitzt bei einem Berater © motortion , stock.adobe.com
Das AMAS könnte für Frauen dazu führen, dass sie vom AMS als wenig förderwürdig eingestuft werden. © motortion , stock.adobe.com
22.01.2021

Was Frauen bei Umstellung der AMS-Praxis blühen kann

Mit Jahresbeginn 2021 hätte jeder Kunde und jede Kundin des Arbeitsmarktservice (AMS) nach einem Algorithmus einer Gruppe zugeordnet werden sollen – und je nach Aussicht der Gruppe, einen neuen Job zu finden, unterstützt werden sollen. Die Vergabe von Fördergeldern sollte sich dabei auf jene konzentrieren, für die sich eine Förderung lohnt. Wer ohnehin schnell zu vermitteln ist, braucht keine Förderung. Bei jenen, die schwer einen Job finden, etwa aufgrund des Alters oder gesundheitlicher Einschränkungen, seien Fördergelder wegen mangelnder Aussicht auf eine baldige langfristige Anstellung nicht gut angelegt, so die Grundidee des "Arbeitsmarktchancen-Assistenz-Modells" (AMAS). Die Zuteilung zu einer Gruppe erfolgt allerdings mittels sehr vereinfachter Kriterien. So kann beispielsweise eine top-ausgebildete IT-Fachkraft wegen ihres Migrationshintergrunds und mangelnder Deutschkenntnisse als schlecht vermittelbar eingestuft werden, obwohl in der IT-Branche ohnehin vorwiegend auf Englisch kommuniziert wird.

Verschnaufpause nutzen!

Aufgrund eines Bescheids der Österreichischen Datenschutzbehörde, der den Einsatz dieses Computer-generierten Einschätzungsmodells vorerst verbietet, haben die österreichischen Arbeitsuchenden nun eine Verschnaufpause. Eine Pause, die – so AK-Gleichstellungsreferentin Bernadette Pöcheim – dazu genutzt werden soll, das System noch einmal zu überdenken. "Dieses AMAS bedeutet gerade für Frauen die Gefahr, dass ihre Chancen am Arbeitsmarkt schlecht eingeschätzt werden und sie als wenig förderwürdig gelten, nur weil Frauen bisher schlechtere Chancen am Arbeitsmarkt hatten." Die unhinterfragte Übernahme früherer Jobaussichten für die Zukunft, egal ob es um Alter, Geschlecht, Ausbildung oder Migrationshintergrund geht, kritisiert auch eine aktuelle Studie, die das Institut für Technikfolgen-Abschätzung gemeinsam mit dem Centre for Informatics and Society (CIS) der TU Wien im Auftrag der oberösterreichischen Arbeiterkammer erstellt hat. "Die persönliche Beratung durch AMS-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter, die ganz individuelle Fähigkeiten und Einschränkungen in ihrer Gesamtheit berücksichtigt, kann nicht durch künstliche Intelligenz ersetzt werden", betont Pöcheim. "Und das Argument, die automatische Einstufung gelte ohnehin nur als Zweitmeinung, erscheint mir unrealistisch. Da die Beratungszeit im AMS knapp ist, wird die AMAS-Einstufung wohl als Basis sämtlicher Förderentscheidungen herangezogen werden."

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