Mutter telefoniert mit Handy, kleines Kind mit Stofftier sitzt daneben © Jacob Lund , stock.adobe.com
Vor allem Frauen mussten während des Corona-Lockdowns zuhause die Kinderbetreuung übernehmen. © Jacob Lund , stock.adobe.com

Heißer Corona-Herbst erfordert kühlen Kopf bei der Planung

Mütter lieben ihre Kinder. Und sie sind bereit einzuspringen, wenn der Kindergarten schließen muss, die Tagesmutter niemanden mehr betreuen darf oder das schulische Lernen von daheim aus stattfinden muss. Auf ihre Arbeits- und Einkommenssituation wirkt sich das allerdings verheerend aus. "Der Lockdown im Frühjahr hat gezeigt, dass es in den allermeisten Fällen wieder einmal die Frauen waren, die anfallende zusätzliche Betreuungsarbeiten geschultert haben", betont AK-Frauenreferentin Bernadette Pöcheim. "Und diese Frauen brauchen – ebenso wie alle Väter, die ihre Erwerbsarbeit zugunsten der Kinder zurückstellen – im Herbst mehr Unterstützung!" Während die Situation im Frühjahr völlig unvorbereitet eingetroffen sei, könne man, so Pöcheim, nun absehen, dass es im Herbst zu coronabedingter verpflichtender Quarantäne von einzelnen Kindergruppen kommen werde. Daher müssten bereits jetzt entsprechende Vorkehrungen getroffen werden. 

Rechtsanspruch auf Sonderfreistellung

"Es war ein wichtiger Schritt, die Sonderfreistellung, die mit Ende September geendet hätte, nun bis Februar zu verlängern", erklärt Pöcheim. "Notwendig wäre allerdings noch, dass sie unabhängig von der Zustimmung der Arbeit­geber konsumierbar wird. Die Eltern werden auch nicht gefragt, ob sie der Schließung der Kindergartengruppe oder Schulklasse zustimmen; diese erfolgt ja aus einer dringenden Notwendigkeit heraus. Und die bisherigen Erfahrun­gen haben gezeigt, dass Eltern sehr verantwortungsvoll mit dieser Unter­stützungsmöglichkeit umgehen." Maximal drei Wochen Sonderfreistellung sind derzeit pro Elternteil möglich. Da der Arbeitgeber aber nur ein Drittel der Lohnkosten vom Staat ersetzt bekommt, ist seine Zustimmung nicht immer leicht zu bekommen. Unsere Nachbarländer zeigen sich deutlich großzügiger: In der Schweiz, wo es eine Regelung zur Sonderfreistellung bis Jahresende gibt, werden 80 Prozent der Lohnkosten ersetzt; in Deutschland können sich Alleinerziehende mit Kindern unter zwölf Jahren bis zu 20 Wochen freistellen lassen. Auch bei der Sonderfreistellung zeigt sich in einer Studie des Momen­tum Instituts, dass es überwiegend die Frauen sind, die in der Not einspringen: 72 Prozent jener, die bisher eine Sonderbetreuungszeit in Anspruch genom­men haben, waren Mütter. Diese investierten auch im Schnitt während der Coronazeit täglich eine Stunde und 38 Minuten mehr in die Kinderbetreuung als davor. Bei den Vätern waren es durchschnittlich 34 Minuten.

Hängt bis zur Pension nach

Eine grobe Abschätzung des Momentum Instituts zu potentiellen Einkom­mens­­verlusten durch coronabedingte Schließungen von Kinderbe­treuungsein­richtungen weist einmal mehr ein Geschlechtergefälle auf: Während Mütter bei fortdauernden Schließungen von Kinderbe­treuungseinrichtungen wegen Corona-Clustern geschätzt 4.440 Euro bis Jahresende verlieren könnten, würde sich der Verlust bei den Männern nur mit 2.160 Euro zu Buche schlagen. Rund 250.000 betroffene Mütter könnten laut dieser Berechnung fast 800 Millionen mehr Euro an Lebenseinkommen verlieren als die Männer. "Nun leben wir in einer Gesellschaft, in der die Alterspension der Frauen ohnehin schon dra­matisch unter jener der Männer liegt. Weitere Einbußen werden die bereits prekäre Situation nur weiter verschärfen. Es ist daher hoch an der Zeit, sofort geschlechtergerechte Unterstützungsmöglichkeiten zu schaffen!", fordert die AK-Frauenreferentin.

Links

Das könnte Sie auch interessieren

Schwangere hält Besen © LanaK, stock.adobe.com

Schwanger: Besondere Zeit – besondere Rechtslage

Schwangere sollen ein gesundes Arbeitsumfeld vorfinden. Daher sind z. B. Nachtdienste und schweres Heben in der Schwangerschaft verboten.

Frau spielt mit Tochter, während sie ihren Laptop auf dem Schoß hat. © Mariia Korneeva, stock.adobe.com

Corona-Krise beweist Wert der Frauenarbeit

Mehr Respekt für Frauenarbeit, weniger Jobs in "Frauenbranchen", Neuverteilung der Familienarbeit: Die Krise hat unterschiedlichste Folgen für Frauen.

Frau mit Taschenrechner © leszekglasner, Adobe Stock

Zeitverwendung unter der Lupe

Die Bundesregierung will wieder an der europäischen Zeitverwendungsstudie zur Gleichberechtigung teilnehmen. Die AK-Frauenabteilung begrüßt das.