Technikerin in Druckerei mit Tablet
Viele Frauen würden gerne mehr arbeiten, während manche Männer an eine Arbeitszeitreduktion denken. © Tyler Olson, stock.adobe.com
30.3.2023

Gerechte Verteilung wäre möglich

Wenn jene Männer, die ihre Arbeitsstunden gerne reduzieren würden, ihre Stunden an jene Frauen abgeben könnten, die gerne länger bezahlt arbeiten möchten, wäre ein großer Schritt in Richtung Gerechtigkeit getan.

"Natürlich lässt sich die Verteilung der Arbeitszeit nicht rein mathematisch lösen", gibt AK-Gleichstellungsreferentin Bernadette Pöcheim zu bedenken. "Da es nach wie vor typische Frauen- und Männerberufe gibt und Angebot und Nachfrage nicht unbedingt im selben Unternehmen übereinstimmen, können nicht einfach Frauen, die gerne mehr Wochenstunden erwerbstätig wären, die Stunden von den Männern übernehmen, die ihre Arbeitszeit eigentlich reduzieren möchten. Aber die kürzlich für den Arbeitsklimaindex erhobenen Zahlen zeigen ein unglaubliches Potenzial."

Sechs von zehn Frauen möchten ihr Stundenkontingent nicht aufstocken. Diejenigen aber, die das gerne tun würden, arbeiten derzeit im Schnitt 27 Wochenstunden und wünschen sich weitere sieben Arbeitsstunden. Männer, die gerne in geringerem Ausmaß erwerbstätig sein wollen, streben eine Stundenreduktion von durchschnittlich 39 auf 32 Stunden an. Vielleicht ließen sich doch mehr Wünsche zur Veränderung der Arbeitszeit verwirklichen als gedacht …

Diskriminierung bleibt

Ein Hemmschuh bei der gerechteren Bezahlung ist die immer noch klassische Verteilung der Geschlechter auf die Branchen: Im Gesundheits- und Sozialwesen sind drei Viertel der Beschäftigten weiblich – und auch im Bildungssektor, Dienstleistungsbereich und Handel stellen sie mehr als die Hälfte der Angestellten. Das Bauwesen, die Energie- und die Wasserversorgung, Verkehr und Produktion befinden sich hingegen weiterhin überwiegend in Männerhand.

Dafür bezahlen Frauen teuer, denn die klassisch weiblichen Jobs sind deutlich schlechter bezahlt. Ein Teil des Einkommensunterschiedes zwischen den Geschlechtern lässt sich aber auch dadurch nicht erklären: Der um Arbeitszeit, Qualifikation und Tätigkeit bereinigte Gender Pay Gap beträgt in Österreich bei Vollzeitbeschäftigten noch immer 12,7 Prozent. "Das zeigt, dass die Diskriminierung nicht überwunden ist", betont Pöcheim. Sie fordert von Politik und Wirtschaft faire Karrieremöglichkeiten, geschlechtergerechte Bezahlung und familienfreundliche Arbeitszeiten – für Männer wie Frauen.

Einfach versuchen

"Frauen, die gerne mehr Wochenstunden leisten würden, können sich ja bei Männern im selben Bereich ihres Unternehmens umhören. Vielleicht denkt der eine oder andere an eine Arbeitszeitreduktion und hat den Wunsch nur noch nicht ausgesprochen", empfiehlt die AK-Gleichstellungsreferentin.

Links

Das könnte Sie auch interessieren

Kammerrätin und FSG-Frauenvorsitzende Sylvia Ippavitz, AK-Vizepräsidentin Patricia Berger, AK-Präsident Josef Pesserl und AK-Frauenreferentin Bernadette Pöcheim (v. l.) feiern den Internationalen Frauentag.

"Erst recht!": Kleines Geschenk zum Frauentag

Arbeitnehmerinnen, die sich am 8. März in der Arbeiterkammer beraten lassen, bekommen als kleine Aufmerksamkeit eine Packung Schnitten geschenkt.

Digitalexpertin Ingrid Brodnig bei ihrem Vortrag im kleinen Kammersaal.

Expertin Ingrid Brodnig über Frau sein im Netz

"Frau sein im Netz – eine Herausforderung" lautete der Titel des Vortrags von Ingrid Brodnig, der am 1. März in der Arbeiterkammer in Graz stattfand.

Mutter mit Kleinkind schreibt am Laptop

Teilzeit – Lösung und Problem zugleich

Wer Job, Kinder etc. unter einen Hut bringen will, ist froh über eine Teilzeitstelle. Beachten sollte man die Nachteile der Arbeitszeitreduktion.