Frau mit traurigem Blick auf Geldmünzen © Picture-Factory, stock.adobe.com
Frauen verdienen oftmals weniger, weil sie aufgrund von Mutterschaft einen Karriereknick erleiden. © Picture-Factory, stock.adobe.com
1.4.2021

Mutter oder Managerin – noch immer kaum zu vereinen

"Rund 80 Prozent der Einkommensunterschiede in Österreich sind auf Mutterschaft zurückzuführen. Der Rest entfällt auf Ursachen, die alle Frauen betreffen, wie Diskriminierung oder die Tatsache, dass mehr Frauen in tendenziell schlechter bezahlten Berufen arbeiten." Mit dieser drastischen Aussage ließ der Ökonom Josef Zweimüller vor Kurzem in einem Interview mit dem "Standard" aufhorchen. Mütter bleiben dem Arbeitsmarkt deutlich länger fern als Väter, steigen oft in Teilzeit wieder ein und machen danach weniger Karrieresprünge. Natürlich könnte dieser Effekt auch Väter treffen – nur in der Praxis wurde er bisher erst vereinzelt in Schweden beobachtet. Dort erfahren dafür die Mütter keinen so großen Karriereknick wie hierzulande. Die Gehaltsdifferenz aufgrund einer Babypause ist in den skandinavischen Ländern nur halb so groß wie in Österreich. Zweimüller erklärt den Unterschied einerseits mit der konservativen Auffassung der Mutterrolle in Österreich – "eine gute Mutter bleibt beim Kind daheim" –, und andererseits mit mangelndem Verständnis seitens der Arbeitgeber, wenn Väter sich engagieren.

Lösungen für jetzt

"Frauen und Männer, die jetzt Mütter und Väter sind, können nicht warten, bis sich das Rollenbild geändert hat oder neue Gesetze beschlossen werden. Sie brauchen Lösungen für jetzt", betont AK-Gleichstellungsreferentin Bernadette Pöcheim. Sie rät werdenden und frisch gebackenen Eltern zur Beratung als Paar. Denn in Abstimmung lässt sich der geltende gesetzliche Rahmen am besten ausloten. "Wir planen im AK-Frauenreferat, wie Eltern abwechselnd in Karenz gehen können. Danach ist eine parallele Elternteilzeit bis zum 4. oder 7. Geburtstag des jüngsten Kindes möglich. Unbedingt sollte auch das Pensionssplitting in Anspruch genommen werden, wenn in einer Phase einer der beiden Elternteile den überwiegenden Anteil an Kinderbetreuung übernimmt." Parallel dazu ist es wichtig, in Ruhe die passende Form von Kinderbetreuung auszuwählen. Kinderhaus, alterserweiterte Gruppe, Tageseltern – es gibt mehr als gedacht. "Uns ist bewusst, dass es gerade im ländlichen Raum oft noch an Betreuungsplätzen fehlt", betont Pöcheim. "Mit dem AK-Kinderbe­treuungsatlas zeigen wir daher regelmäßig auf, wo Handlungsbedarf besteht."

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