Zwei Frauen und ein Mann in Bürokleidung
Der Frauenanteil in Aufsichtsräten von Unternehmen ist in den vergangen Jahren gestiegen. © Jeanette Dietl, stock.adobe.com
6.10.2026

Frauenkompetenz wird durch Quote erst sichtbar

Die Quote führt dazu, dass über die bisherigen Männer-Netzwerke hinaus nach potenziellen Aufsichtsratsmitgliedern gesucht wird. So rücken langsam auch die vorhandenen Kompetenzen von Frauen in den Fokus.

Die Quote wirkt: In Unternehmen mit vorgegebener Quote stieg der Frauenanteil im Aufsichtsrat zwischen 2018 und 2026 von 22,4 auf 35,5 Prozent. Börsennotierte Unternehmen ohne verpflichtende Quote liegen auch 2026 nur bei 23,6 Prozent. Das zeigt die aktuelle FORBA-Studie zu Frauen in Aufsichtsräten, die im Auftrag des Frauenministeriums erstellt wurde.

Die Basis der Studie bilden Interviews, die Informationen weit über reine Zahlen hinaus liefern: So äußern sich darin auch frühere Skeptiker:innen in Bezug auf die Quote nunmehr positiv zu diesem Steuerungsinstrument.

Fachliche Kompetenz ist auch bei Frauen selbstverständlich Voraussetzung für eine Entsendung in den Aufsichtsrat, dazu kommt eine entsprechende Erfahrung im Bereich des Top Managements, die für Frauen in einem männerdominierten Umfeld nach wie vor nicht leicht zu erlangen ist. "Frauenförderung muss daher auf allen hierarchischen Ebenen ansetzen, um gerechte Chancen auf einen beruflichen Aufstieg zu schaffen", betont AK-Gleichstellungsreferentin Bernadette Pöcheim. "Eine weitere Voraussetzung ist die faire Verteilung der Familienarbeit."

Mehr Perspektiven – mehr Erfolg

Etablierte Männer-Netzwerke, sowohl auf der Kapitalseite als auch auf Seiten der Arbeitnehmer:innen, begünstigen nach wie vor die Entsendung von Männern in den Aufsichtsrat. Wo der Bestellungsprozess jedoch professionalisiert wurde, transparent gestaltet ist und verbindlichen Regeln folgt, kommen Frauen häufiger zum Zug. Eine interviewte Person gab zu Protokoll: "Die Quote hat dazu geführt, dass man sich die Profile von Frauen überhaupt erst genau angesehen hat – und draufgekommen ist, wie viele gute weibliche Profile es gibt."

Brigitte Ederer, Aufsichtsratsvorsitzende der ÖBB, drückt kurz und knapp aus, was zahlreiche Interviewte ähnlich formuliert haben: "Unterschiedliche Perspektiven führen zu besseren Entscheidungen." Die Quote bringt nicht nur Frauen nach oben, sondern gleichzeitig mehr wirtschaftlichen Erfolg.

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