Philipp Blom hielt einen Vortrag darüber, was seiner Meinung nach gerade alles auf dem Spiel steht. © Graf-Putz, AK Stmk
Philipp Blom hielt einen Vortrag darüber, was seiner Meinung nach gerade alles auf dem Spiel steht. © Graf-Putz, AK Stmk

Das Ende der Welt, wie wir sie kennen

Die Welt von morgen wird eine völlig andere sein, sagt Historiker Philipp Blom voraus. Damit sie sich nicht zum Schlechteren wandelt, gilt es rasch zu handeln, hieß es bei einer anregenden Diskussion in der Arbeiterkammer. 

"Wohin soll sich die Welt entwickeln?" fragte AK-Präsident Josef Pesserl bei der Eröffnung der gut besuchten hochrangigen Diskussion im Rahmen der Stifingtaler Gespräche der Arbeiterkammer. Seine Antwort nahm die Forderung des Hauptredners gleich vorweg: "Wir müssen Einfluss nehmen zum Wohle aller!"

Das Klima ändert alles

Blom, der sich selbst als "einen Historiker, der in die Zukunft schaut" bezeichnet, zog einen weiten geschichtlichen Bogen, um seine Thesen zu belegen. Er behauptet, dass sich die Welt und unsere Gesellschaften innerhalb weniger Jahrzehnte massiv ändern werden. Ein Hauptfaktor dafür sei der Klimawandel. Er beschrieb detailreich die gesellschaftlichen und politischen Verwerfungen im Mittelalter, die durch die kleine Eiszeit in Europa ausgelöst wurden. Das Sinken der Durchschnitttemperatur um zwei Grad Celsius verursachte Missernten, Hunger und Elend in weiten Teilen des Kontinents, sagte Blom: "Was folgten waren Kriege, Inquisition und Hexenverfolgung." Auch durch die jetzige Klimaerwärmung werden sich Millionen Menschen auf den Weg machen, um von unfruchtbaren Landstrichen wegzukommen.

Werden alle arbeitslos?

Der zweite wesentliche Faktor für tiefgreifende Änderungen der Welt wie wir sie kennen seien die Digitalisierung und Automatisierung. Dadurch werden die Menschen arbeitslos. Auch diese Entwicklung könne man nicht aufhalten. Deshalb gelte es die Diskussion anzukurbeln, um Lösungen zu finden. Es gehe aber nicht um Anpassungen des jetzigen Systems, Blom forderte große Lösungen: "Das sind Chancen für das Ende der Lohnarbeit, für die Überwindung des Konsumwahns und für mehr Gerechtigkeit."

Es kann Unruhen geben

Auch Ökonom Heinz Kurz sah große Veränderungen der Arbeitswelt. Er zitierte den Wirtschaftswissenschafter Schumpeter, der bei gesellschaftlichen Neuerungen von einer schöpferischen Zerstörung sprach. Kurz: "Bei allen neuen Entwicklungen gibt es Verlierer, wird auf diese vergessen, folgen soziale Unruhen, die das System der liberalen Demokratie zerstören."

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