4.9.2013
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Ganztagesschule - das unbekannte Wesen


Malunterricht © Gennadiy Poznyakov, Fotolia

Ein ausgeprägtes Informationsdefizit über das Angebot an Ganztagesschule brachte eine Umfrage des Grazer Meinungsforschungsinstituts bmm im Auftrag der steirischen Arbeiterkammer an den Tag.

„Für viele ist die Ganztagesschule ein unbekanntes Wesen“, fasst bmm-Geschäftsführerin Mag. Claudia Brandstätter das Ergebnis der Umfrage zusammen (siehe auch Infobox):


  • Lediglich 37,5 % der rund 600 befragten Eltern schulpflichtiger Kinder gaben an, von beiden ganztägigen Schultypen – Schulen mit Nachmittagsbetreuung und Ganztagesschulen mit verschränktem Unterricht – bereits „gehört“ zu haben.

  • Insbesondere Schulen, die nicht nur Nachmittagsbetreuung, sondern ganztägig verschränkten Unterricht anbieten, sind rar: Nur 11,6 % der Befragten wissen von einem derartigen Angebot in ihrer eigenen Region.

  • Dementsprechend gering ist der Anteil jener, die in Zukunft voraussichtlich eine Ganztagesschule mit verschränktem Unterricht wählen werden. Von jenen 73,3 %, die sich bereits für eine Schulform entschieden haben, denken lediglich 5 % an eine Schule mit ganztägigem Unterricht. Immerhin 21 % bevorzugen eine Schule mit Nachmittagsbetreuung.

  • Noch dünner gesät sind jene SchülerInnen, die bereits eine Ganztagesschule mit verschränktem Unterricht besuchen: Im AHS-Bereich gerade einmal 1,1 %, im Bereich der Neuen Mittelschule 3,2 %.

Erwartungen und reale Effekte

Die Erwartungen, die mit einer ganztägigen Schule verbunden sind, sind hoch: 96,6 % gehen davon aus, dass berufstätige Eltern dadurch entlastet werden. Eine solche Entlastung ist auch dringend notwendig, so Brandstätter: „Derzeit sind nur 15,6 % der hauptbetreuenden Elternteile – meistens der Mütter – vollzeitbeschäftigt“.

Mit 49,2 % ist die überwiegende Beschäftigung Teilzeit, 9,6 sind geringfügig beschäftigt, mit 25,6 % mehr als ein Viertel nicht in Beschäftigung.

Insgesamt erwarten sich die befragten Eltern sowohl positive („kreative Zusatzangebote“, „regelmäßige Verpflegung“, „alle Hausaufgaben sind erledigt“) als auch negative Effekte („außerschulische Kontakte werden weniger“, „nicht mit individuellen Freizeitaktivitäten vereinbar“) von der Ganztagesschule. „Auffallend ist, dass die positiven Effekte bei jenen, deren Kind bereits eine solche Schule besuchen, noch höher ausfallen und negative Effekte weniger dramatisch gesehen werden“, so Brandstätter. 

Bekenntnis zur Ganztagesschule

Für AK-Präsident Walter Rotschädl spiegelt das Ergebnis der Umfrage das mangelhafte Angebot an Ganztagesschulen mit verschränktem Unterricht wider: „Die AK bekennt sich zu einem massiven Ausbau der Ganztagesschule als Ziel einer umfassenden Bildungsreform.“ Dieser Ausbau sei aus mehreren Gründen unumgänglich: Nur durch eine ganztägige Betreuung sei es insbesondere auch den Müttern möglich, eine Vollzeitbeschäftigung anzunehmen, verwies Rotschädl auf die geringe Vollzeit-Quote des hauptbetreuenden Elternteils.

Es gehe aber um mehr als um Betreuungsfragen. Jahr für Jahr geben allein die steirischen Familien rund 10 Millionen Euro für Nachhilfe aus, viele Eltern fühlten sich überfordert, mit ihren Kindern Hausaufgaben machen zu müssen: „Das alles sind Zeichen, dass die Vormittagsschule den Anforderungen nicht mehr gerecht wird.“ Dass die Ganztagesschule Abhilfe schaffen könne, beweisen die Aussagen jener Eltern, deren Kinder bereits eine Ganztagesschule besuchen. Etwa wenn mehr als 76 % sagen, dass es „zu Hause keinen Hausaufgabenstress“ mehr gebe und immerhin knapp 58 % sagen, Nachhilfeunterrricht sei nicht mehr notwendig.


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