10.7.2023

Alles Pfand, oder was? AK für mehr Transparenz bei neuem Pfandsystem

Stellen Sie sich vor, schon bald, nämlich ab 1. Jänner 2025, bezahlen Sie für Ihre Mineralwasser-Einwegflasche, die jetzt vielleicht sogar vor Ihnen steht, 25 Cent Pfand – damit Sie das leere Gebinde beim nächsten Einkauf retournieren und aus diesem Material wieder eine neue Einweg-Mineralwasserflasche wird. Alles paletti, der Materialkreislauf ist geschlossen, oder gibt es etwas darüber hinaus?

Grundsätzlich soll mit der Einführung des neuen Pfandsystems sichergestellt werden, dass jährlich rund 2,5 Milliarden Flaschen und Dosen ordnungsgemäß entsorgt und recycelt werden und nicht in der Natur landen. Der Pfandbetrag gilt für alle Getränkearten außer Milch und Milchmixgetränke zwischen 0,1 und 3 Liter. Alle Flaschen sind dann am einheitlichen Pfandsymbol zu erkennen.

625 Millionen Euro Pfandgelder

Aber damit dieses System funktionieren kann, bedarf es Regelungen für den Material-, Daten- und Geldfluss, damit die Pfandgelder von rund 625 Millionen Euro pro Jahr zwischen Konsumentinnen und Konsumenten, Lebensmitteleinzelhandel und zentraler Stelle zirkulieren können. Für die Materialien der Flaschen und Dosen müssen entsprechende Sammel-, Sortier- und Leergutrücknahmesysteme ebenso geschaffen wie der Transport organisiert werden. Genauso müssen Daten über Anzahl und Gebindeart nach Herstellern und Händlern erfasst und kontrolliert werden.

AK fordert Kostenklarheit

"Die Einführung eines Pfandes auf die Einweggetränke ist zu begrüßen, aber es muss sichergestellt sein, dass es keine Körberlgelder für den Handel gibt, dem zur Hälfte die Pfandgesellschaft gehört", sagt Susanne Bauer, Leiterin der AK-Marktforschung. Es ist Transparenz und Kostenklarheit bei Finanzierung des Systems gefordert, denn "Pfandschlupf" – dieser entsteht, wenn 25 Cent Pfand bezahlt werden, aber das Gebinde nicht zurückgegeben wird –, Aufwandsentschädigungen für die Rücknehmer, Materialerlöse und Produzentengebühr bestimmen die Kosten des Gesamtsystems. "Unverständlich bleibt, warum sich Umweltministerin Leonore Gewessler im Abfallwirtschaftsgesetz so wenig Kontrollbefugnisse gegenüber der betrauten Gesellschaft eingeräumt hat", kritisiert Bauer. Unverständlich ist für die AK-Expertin auch, dass Konsumentenorganisationen, wenn es um die wichtige Öffentlichkeitsarbeit geht, bis jetzt nicht eingebunden sind. Bauer rät Konsumentinnen und Konsumenten, keinen Pfandschlupf zuzulassen und gegebenenfalls auf Mehrweg umzusteigen.

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