24.3.2017

Die vielen Aspekte der digitalen Arbeitswelt

Stoppen könne man die digitale Vernetzung nicht, hieß es bei der Diskussion mit Minister Alois Stöger. Sehr wohl sei es aber möglich, die digitalen Veränderungen zu gestalten. Zu dem von AK und ÖGB veranstalteten Stiftingtaler Gespräch waren 250 Betriebsrätinnen und Betriebsräte aus der ganzen Steiermark gekommen. Stöger sagte, auf jeder Ebene bestehe Handlungsbedarf. Es brauche Regelungen vor Ort, die sich auf einen EU-weiten und sogar weltweiten Rahmen beziehen. Stöger: "Die individuellen Freiheiten steigen bei kollektiven Regeln."

Ähnliche Probleme bekämpfen

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AK Präsident Josef Pesserl warnte vor einer Kannibalisierung der Beschäftigten, wenn es nicht gelinge den neuen technologischen Entwicklungen einen Rahmen zu geben: "Nur wenn alle profitieren, können wir den sozialen Frieden bewahren." Wirtschaftskammerpräsident Josef Herk beschwor die Gemeinsamkeiten der Unternehmen mit den Beschäftigten: "Wir kämpfen mit ähnlichen Problemen, etwa durch den zunehmenden Online-Handel."

Kürzere Arbeitszeiten

Bei allem gemeinsamen Willen der Sozialpartner für eine gute Regelung für alle – bei den aktuellen Reizworten Arbeitszeitverkürzung und Wertschöpfungssteuer kamen unterschiedliche Grundhaltungen zum Vorschein: Die Wirtschaft, so Herk, lehne beide Ideen ab. Stöger und Pesserl hingegen plädierten für eine faire Verteilung der Arbeit und eine breitere Streuung der Steuerlast, um den Faktor Arbeit steuerlich zu entlasten.

Die Experten am Wort

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Manuelle Tätigkeiten werden seit Jahren immer weniger, sagt Wirtschaftsforscher Thomas Leoni. Das sei keine neue Entwicklung, werde sich aber durch die Digitalisierung von immer mehr Produktionsschritten verstärken. Auf der anderen Seite steige der Bedarf nach Beschäftigten, die analytisch und interaktiv arbeiten können. Der Experte des Wirtschaftsforschungsinstituts sieht angesichts der neuen technischen Möglichkeiten eine Sättigung beim Absatz: "Das Wachstum der Bedürfnisse kann mit dem Produktionsfortschritt nicht mithalten." Mit anderen Worten: Immer weniger Beschäftigte produzieren immer mehr. Deshalb solle die Arbeit durch eine Verkürzung der Arbeitszeit auf mehr Menschen verteilt werden.

Arbeitsrecht neu denken

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Der betriebliche Rahmen für Arbeit – sowohl bei der Arbeitszeit als auch beim Arbeitsort – löst sich immer mehr auf, sagt Martin Risak. Der Arbeits- und Sozialrechtsexperte von der Universität Wien sieht eine Aufweichung bisheriger Zeitgrenzen durch eine vermeintlich autonomere Arbeitszeitgestaltung und durch dauernde Erreichbarkeit. Ähnliches gelte für örtliche Grenzen.
Es gelte ein Regelwerk für digitale Arbeitsnomaden zu finden, die ihre selbstständige Tätigkeit über Plattformen anbieten. Notwendig seien eine neue Definition des Arbeitnehmerbegriffs und ein eigenes Gesetz für Crowdworking, ist Risak überzeugt.

Digitale Skills in die Schulen

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Um in der neuen Arbeitswelt zu bestehen, werden digitale Kompetenzen immer wichtiger. Die Gefahr: Wer bei diesem Bildungserwerb nicht mithalten kann, verliert am Arbeitsmarkt. Die Wiener AK-Bildungsexpertin Ilse Leidl-Krapfenberger sagte, der digitale Wandel müsse Eingang in alle Ebenen der Bildung finden: von der frühkindlichen Bildung und der Schule über die berufliche Aus- und Weiterbildung bis zu arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen.

Datenflut und Datenschutz

Thomas Riesenecker-Caba von der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt in Wien erklärte, bisherige Arbeitsabläufe und Arbeitsinhalte werden sich verändern und durch neue Technologien neue Arbeitsformen entstehen. Die Datenmengen werden enorm ansteigen. Beschäftigte erhalten für ihre Arbeit Daten – Stichwort Internet der Dinge –,  aber auch die Daten über sie selbst werden zunehmen, sagt der Forscher voraus. Die EU hat auf die Datenflut reagiert, ab Mai nächsten Jahres gilt EU-weit eine Datenschutz-Grundverordnung. Darin sind unter anderem eine Rechenschaftspflicht und hohe Geldbußen bei Verstößen vorgesehen. Österreich müsse diesen Rahmen mit nationalen Regelungen gestalten.

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