Photovoltaikanlage auf einer Wiese bei Sonnenuntergang
Bei Photovoltaik sind derzeit auf geeigneten Flächen rund 1.500 Megawatt installiert, die etwa 1,5 Terawattstunden Strom erzeugen. Hier soll die Erzeugung um weitere 1,3 Terawattstunden steigen. © Björn Wylezich, AK OÖ
24.6.2026

Steirische Sozialpartner und IV für zentrale Energie-Stelle im Land

Die steirischen Sozialpartner und die Industriellenvereinigung legen mit „Energiezukunft Steiermark“ eine gemeinsame, faktenbasierte Grundlage für die Energiepolitik der kommenden Jahre vor. Im Zentrum steht der Vorschlag, beim Land Steiermark eine zentrale Koordinierungsstelle für Energiefragen zu schaffen, um den Ausbau erneuerbarer Energien, der Netze und Speicher besser zu koordinieren – und damit Versorgungssicherheit und Leistbarkeit für Haushalte und Betriebe im Land zu sichern.

Die steirischen Sozialpartner – Wirtschaftskammer, Arbeiterkammer, Landwirtschaftskammer und ÖGB – sowie die Industriellenvereinigung legen mit dem gemeinsamen Positionspapier „Energiezukunft Steiermark“ eine konkrete Agenda bis 2030 vor. Kurz nach Beschluss des Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetzes (EABG) regen sie damit die Einrichtung einer zentralen Energie-Koordinierungsstelle beim Land Steiermark an, um die Transformation des Energiesystems schneller, koordinierter und für alle leistbar zu gestalten. 

Anteil erneuerbarer Energien auf historischem Höchstwert

Im Jahr 2024 lag der Anteil erneuerbarer Energien in der Steiermark bei 40,8 Prozent – ein historischer Höchstwert. Dennoch mussten rund 59,2 Prozent des Energiebedarfs weiterhin durch Importe von Erdöl und Erdgas gedeckt werden. Gleichzeitig wird sich der Strombedarf bis 2040 aufgrund von Elektrifizierung und Dekarbonisierung auf rund 20 Terawattstunden verdoppeln. Für Unternehmen, Beschäftigte und Haushalte bedeutet das: Ohne entschlossenen Ausbau der heimischen Energieerzeugung, Netze und Speicher drohen steigende Kosten und neue Abhängigkeiten. Im Rahmen des Positionspapiers wird der dafür notwendige Ausbaupfad bis 2030 aufgezeigt: Bei Photovoltaik sind aktuell auf geeigneten Flächen rund 1.500 Megawatt installiert, die etwa 1,5 TWh Strom erzeugen; hier soll die Erzeugung um weitere 1,3 TWh steigen. Windkraftanlagen mit derzeit 324 MW Leistung liefern rund 0,6 TWh, bis 2030 ist ein Plus von 1,5 TWh vorgesehen. Die Wasserkraft trägt mit etwa 1.000 MW installierter Leistung rund 4,6 TWh bei und soll um 0,4 TWh ausgebaut werden. Die Bioenergie liefert heute bereits rund 11 TWh Wärme und Strom mit einem weiten Potenzial von 5 TWh. Selbst wenn diese Ausbauziele erreicht werden, bleibt eine deutliche Lücke in der heimischen Versorgung, die gezielt geschlossen werden muss. 

Klimaziele erreichen und Energie leistbar halten

„Die Steiermark steht vor einem doppelten Auftrag: Wir müssen unsere Klimaziele erreichen und gleichzeitig Energie leistbar und verfügbar halten. Dafür braucht es eine klare Zuständigkeit im Land. Eine zentrale Energie-Stelle könnte Planung, Genehmigungen und Förderungen bündeln und so den Ausbau von Erzeugung, Netzen und Speichern deutlich beschleunigen“, betonen die Präsidenten der steirischen Sozialpartner – Josef Herk, Josef Pesserl,  Andreas Steinegger und Horst Schachner – sowie der Industriellenvereinigung, Kurt Maier im Rahmen einer gemeinsamen Erklärung. Sie verweisen darauf, dass die Steiermark zwar ambitionierte Energie- und Klimaziele verfolgt, der Umbau des Energiesystems aber nur mit verlässlichen Rahmenbedingungen für Betriebe und Haushalte gelingen kann. Die Umsetzung des EABG auf Landesebene, der koordinierte Netzausbau, Flächensicherung für geeignete Photovoltaik- und Windstandorte sowie schnellere Genehmigungsverfahren zählen dabei zu den Schlüsselthemen. In der Übergangsphase bleibt Erdgas als Brückentechnologie wichtig, gleichzeitig sollen Wasserstoffimporte strategisch abgesichert und Optionen wie CO₂-Abscheidung und -Nutzung geprüft werden. „Die Kosten der Energiewende dürfen nicht einseitig auf Arbeitnehmerinnen, Arbeitnehmer und unsere landwirtschaftlichen sowie gewerblichen Betriebe und die Industrie abgewälzt werden. Versorgungssicherheit und faire Preise sind wesentliche soziale Fragen. Eine zentrale Energie-Koordinierungsstelle beim Land kann helfen, die Maßnahmen gezielter zu steuern und soziale sowie regionale Auswirkungen besser zu berücksichtigen“, betont man weiter. 

Gemeinsame Kernanliegen

Das Positionspapier enthält darum eine Reihe gemeinsamer Kernanliegen: ein klares Bekenntnis zum Produktionsstandort Steiermark, der koordinierte Ausbau von Erzeugung, Energienetzen (inklusive CO₂-Netzen und Fernkälte) sowie Speichern, die Sicherstellung geeigneter Flächen für erneuerbare Energie (Ausweitung von Wind- und geeignete PV-Vorrangzonen, Sonderstandortverordnungen), die Anbindung an internationale Wasserstoffkorridore und die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren. Die Organisationen verstehen sich als Teil der Lösung und wollen ihr Fachwissen – von Industrie über Landwirtschaft bis zu KMU und Beschäftigten – systematisch in die Landespolitik einbringen. „Unsere Betriebe brauchen Planungssicherheit. Wenn wir Netze, Speicher und erneuerbare Erzeugung nicht gemeinsam denken, gefährden wir Investitionen, Arbeitsplätze und Wertschöpfung in der Steiermark. Das vorgelegte Positionspapier ist ein Angebot an die Politik, diesen Weg partnerschaftlich zu gehen“, so Herk, Pesserl, Steinegger, Schachner und Maier abschließend.

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