AK-Präsident Josef Pesserl und AK-Bildungsbereichsleiterin Alexandra Hörmann präsentierten die AK-Nachhilfestudie.
AK-Präsident Josef Pesserl und AK-Bildungsbereichsleiterin Alexandra Hörmann präsentierten die AK-Nachhilfestudie. © Derler, AK Stmk
18.8.2026

AK-Nachhilfemonitoring 2026: Nachhilfekosten in der Steiermark gesamt gestiegen

Der Schulerfolg tausender steirischer Kinder geht ins Geld: Im vergangenen Schuljahr gaben Eltern 18,1 Millionen Euro für Nachhilfe aus. Pro Schüler:in waren das im Schnitt 770 Euro, ergab die jüngste Nachhilfestudie der Arbeiterkammer. Viele Eltern konnten sich das nicht oder nicht mehr leisten. Die AK fordert Chancengerechtigkeit an den Schulen, damit der Bildungserfolg unserer Kinder nicht vom Einkommen der Eltern abhängig ist.

Nach 780 Euro im Schuljahr 2024/2025 sind die durchschnittlichen Kosten, die steirische Eltern für Nachhilfe eines Kindes im laufenden Schuljahr 2025/26 ausgegeben haben, leicht auf 770 Euro gesunken. Die Gesamtbelastung steirischer Eltern ist aber von 16,6 Millionen Euro im Vorjahr auf 18,1 Millionen Euro gestiegen. "Eltern leisten sich für ihre Kinder in den meisten Fällen nur mehr punktuell Nachhilfe, nicht mehr kontinuierlich. Das ist teurer", weiß AK-Bildungsbereichsleiterin Alexandra Hörmann.

Ein Drittel der Kinder hat Nachhilfebedarf

Für das jährliche Nachhilfemonitoring der Arbeiterkammer hat das Sozial- und Meinungsforschungsinstitut IFES bundesweit eine repräsentative Studie bei Eltern von Schulkindern zum Thema "Nachhilfe" im Schuljahr 2025/2026 durchgeführt. In ganz Österreich wurden dazu 4.691 Schulkinder in insgesamt 3.208 Haushalten befragt, in der Steiermark waren es 629 Schulkinder in 426 Haushalten. Das Ergebnis: Rund 46.000 steirische Schüler:innen (34 Prozent) haben Bedarf an Nachhilfe. In etwa jedes sechste steirische Schulkind (17 Prozent) hat im Schuljahr 2025/26 bezahlte Nachhilfe oder Lernhilfe in Anspruch genommen. Alarmierend: Auch ein Viertel der Volksschulkinder der 3. und 4. Klassen hat bereits Nachhilfe – um den Übergang ins Gymnasium zu schaffen. Rund 7.000 Kinder hätten Bedarf an bezahlter Nachhilfe gehabt, allerdings war dies für die betreffenden Familien aus finanziellen Gründen nicht leistbar.

Schwachstelle Mathematik

Nachhilfe wird insbesondere in Mathematik (66 Prozent) benötigt. Hier geht es auch bei der bezahlten Nachhilfe am häufigsten darum, ein "Nicht genügend" zu verhindern. Danach folgen Deutsch (30 Prozent) und Fremdsprachen (18 Prozent). "Seit Beginn des Nachhilfebarometers ist Mathematik das Nachhilfefach Nummer Eins", sagt Hörmann: "Anstelle der weitverbreitenden Mathematik-Angst sollte MINT-Interesse geweckt und alltagstaugliche Mathematik vermittelt werden."

Mehrfach-Belastung für Eltern

Die Auswirkungen auf Familien sind weitreichend: Rund die Hälfte (49 Prozent) der Befragten ist durch die bezahlte Nachhilfe finanziell spürbar bis sehr stark belastet. Mehr als drei Viertel der steirischen Schulkinder (76 Prozent) werden zu Hause zumindest hin und wieder beim Aufgabenmachen, Lernen und Üben von den Eltern beaufsichtigt. Ein Viertel der Eltern lernt sogar praktisch täglich mit den Kindern. Die Folge: 47 Prozent der Eltern, die ihren Kindern bei Schulaufgaben helfen, geben an, spürbar zeitlich belastet zu sein.

Keine fairen Bildungschancen

Nachhilfe zu bezahlen, steht auch im Zusammenhang mit der Einschätzung der schulischen Anforderungen: Dort, wo Eltern die Anforderungen in der Schule als adäquat einschätzen, braucht es auch seltener bezahlte Nachhilfe. Wie Schulen also unterrichten, wie sehr sie Kinder (über-)fordern oder nicht, steht im Zusammenhang mit dem Nachhilfebedarf. Drei Viertel aller Eltern, die ihren Kindern bezahlte Nachhilfe besorgt haben, glauben entsprechend, dass die Bildungschancen auch vom Einkommen der Eltern abhängen. 63 Prozent der Eltern sehen im österreichischen Schulsystem keine fairen Bildungschancen.

Ausbau der verschränkten ganztägigen Schulform

Die Nachhilfestudie zeigt auch: Wenn an Schulen hochwertiger Förderunterricht am Nachmittag angeboten wird, benötigen auch deutlich weniger Kinder bezahlte Nachhilfe. Die geringste Notwendigkeit für bezahlte Nachhilfe nannten die Eltern von Kindern, die verschränkte ganztägige Schulformen besuchen. AK-Präsident Josef Pesserl sagt es ganz klar: "Diese ganztägige Schulform ist allen anderen Schulformen weit überlegen und gibt auch Kindern, deren Eltern sich keine Nachhilfe leisten können, gerechte Chancen auf eine gute Bildung." 

Schulkosten und Bildungsteilhabe dürfen Familien finanziell nicht zusätzlich unter Druck bringen. Gerade alleinerziehende und armutsgefährdete Familien brauchen hier zusätzliche, unbürokratische Entlastung und Unterstützungsangebote. Die AK Steiermark zeigt dies in den Sommerferien einmal mehr vor, wie etwa mit kostengünstigen Feriencamps sowie der Initiative "AKtive Sommerferien", wo Lernhilfe und Freizeitbetreuung kombiniert werden

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