6.11.2017
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Lehrlinge in Lebensgefahr

Eine ehemaliger Mitarbeiter eines Elektrotechnikbetriebes meldet lebensgefährliche Arbeitsbedingungen auf einer Baustelle. Da Lehrlinge betroffen sind, schaltet die AK das Arbeitsinspektorat und die Wirtschaftskammer ein. Gemeinsam wird es unangekündigte Kontrollen geben. 

Eigentlich war Herr B. wegen der richtigen Abrechnung von Stunden und Urlaub zur AK gekommen. Aber als er die Handyfotos herzeigte, war diese Geschichte zweitrangig. Ein Foto zeigt eine Leiter, die im ersten Stock über zwei alte Wäschestangen unterhalb eines Fensterbrettes gelegt wurde – nicht als Ablage, sondern als Steighilfe für eine Reparatur. "Mein Chef hat angewiesen, das so zu machen, um die Elektrobuchse an der Hauswand zu reparieren", erzählt B.: "Ich habe nachgefragt, ob es denn kein Gerüst geben würde und er hat verneint. Da habe ich zu den Lehrlingen gesagt, dass sie da auf keinen Fall hinaufsteigen sollen." Geistesgegenwärtig fotografierte er alles.

Die Kontrollen verschärfen

Derzeit sind zwei Lehrlinge bei der Firma angestellt. Arbeitssicherheit wird dort nicht gerade großgeschrieben. Darüber hinaus stehen berufsfremde Tätigkeiten wie Küchenmöbel montieren, Erde ausheben oder Bretter zuschneiden und lackieren an der Tagesordnung – und das alles beim Chef zu Hause. Erst auf Nachfrage von Herrn B. gibt es gebrauchte Sicherheitsschuhe für ihn und die Lehrlinge. Die können jedoch nicht mehr getragen werden, da sie keine Sohle mehr haben. "Die Lehrlinge in Lebensgefahr zu bringen und sie auch nicht richtig auszubilden stellt einen groben Verstoß gegen das Kinder- und Jugendlichenbeschäftigungsgesetz sowie das Berufsausbildungsgesetz dar", wettert AK-Expertin Petra Trabi. "Solche Vergehen sollen unbedingt immer so schnell wie möglich bei uns oder dem Arbeitsinspektorat angezeigt werden."
Der Fall wurde dem Arbeitsinspektorat gemeldet. Gemeinsam mit der Behörde und der Wirtschaftskammer wird es unangekündigte Kontrollen geben.

Interview mit Helge Wolfsgruber, AK-Arbeitnehmerschutz

Wie kann so etwas passieren? 
Helge Wolfsgruber: Aus Unwissenheit, Ignoranz, wegen fehlender finanzieller Ressourcen oder aus Unwillen. Jugendliche Lehrlinge sind durch das Kinder- und Jugendbeschäftigungsgesetz (KJBG) besonders geschützt. Die Auflagen für den Arbeitgeber sind strenger als bei volljährigen Beschäftigten.

Was kann man tun? 
Wolfsgruber
: Wenn die Gesundheit gefährdet ist, die Arbeit unterbrechen. Liegt man am Boden, ist es zu spät. Den Vorgesetzten oder Kollegen über die Situation informieren. Mit dem Arbeitgeber sprechen.

Wer kann mir helfen? 
Wolfsgruber:
Sollte der Arbeitgeber nicht einlenken oder sprechen wollen, in die AK Steiermark kommen oder sich unter arbeitnehmerschutz@akstmk.at oder 05/7799-2433 melden. Nach Erhebung der Missstände wird das Arbeitsinspektorat über die Situation informiert und eine Kontrolle des Betriebs veranlasst. 

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