Schüler schreiben eine Schularbeit © pictworks, stock.adobe.com
Ein Drittel der Kinder hat Nachhilfebedarf © pictworks, stock.adobe.com
20.6.2022

Nachhilfekosten in der Steiermark extrem gestiegen: AK fordert Chancengerechtigkeit an den Schulen

Der Schulerfolg tausender steirischer Kinder geht ins Geld: Im laufenden Schuljahr gaben Eltern 13,6 Millionen Euro für Nachhilfe aus. Pro Schülerin oder Schüler waren das im Schnitt 600 Euro, ergab die jüngste Nachhilfestudie der Arbeiterkammer. Viele Eltern konnten sich das nicht oder nicht mehr leisten. Die AK fordert Chancengerechtigkeit an den Schulen, damit der Bildungserfolg unserer Kinder nicht vom Einkommen der Eltern abhängig ist.

Nach 530 Euro im Schuljahr 2019/20 und 500 Euro im Coronajahr 2020/21 sind die durchschnittlichen Kosten, die steirische Eltern für Nachhilfe eines Kindes im laufenden Schuljahr 2021/22 ausgeben, auf 600 Euro gestiegen, zeigt die Auswertung der jüngsten Nachhilfestudie der Arbeiterkammer. Bei einem Anteil an bezahlter Nachhilfe wie vor der Pandemie ist dadurch die Gesamtbelastung steirischer Eltern auf 13,6 Millionen Euro extrem gestiegen. 2019/20 waren es 10,9 Millionen Euro und 2020/21 9,7 Millionen Euro. AK-Bildungsexpertin Alexandra Hörmann: "Die Kosten pro Nachhilfeeinheit sind deutlich gestiegen. Der Anteil an kostenloser Nachhilfe durch die Eltern im Homeoffice ist dagegen wieder deutlich gesunken."

Ein Drittel der Kinder hat Nachhilfebedarf

Bezahlte und unbezahlte Nachhilfe sowie der Wunsch nach bezahlter Nachhilfe ergeben einen Gesamtbedarf in der Steiermark von rund einem Drittel aller Schulkinder. 23.000 Kinder haben im laufenden Schuljahr oder in den Sommerferien davor bezahlte Nachhilfe in Anspruch genommen. Die Eltern von weiteren 22.000 Kindern konnten sich trotz Lernbedarf die Nachhilfe nicht leisten oder fanden in einem Drittel der Fälle wegen Corona kein passendes Angebot. Angstfach ist mit 60 Prozent Nachhilfeanteil Mathematik, gefolgt von Deutsch und den Fremdsprachen. Hörmann: "Der Bildungserfolg in unserem Schulsystem ist in vielen Fällen abhängig davon, ob sich die Eltern die teure Nachhilfe leisten können."

Ausbau der verschränkten ganztägigen Schulform

Die Nachhilfestudie zeigt auch: Wenn an Schulen hochwertiger Förderunterricht am Nachmittag angeboten wird, benötigen mit zehn Prozent deutlich weniger Kinder bezahlte Nachhilfe. Die geringste Notwendigkeit für bezahlte Nachhilfe nannten die Eltern von Kindern, die verschränkte ganztägige Schulformen besuchen. Wenn sich Unterrichts-, Lern- und Freizeitphasen im Laufe eines Tages abwechseln ist der Lernerfolg der Kinder so hoch, dass nur neun Prozent von ihnen zusätzlich eine bezahlte Nachhilfe benötigen. AK-Präsident Pesserl sagt es ganz klar: "Diese ganztägige Schulform ist allen anderen Schulformen weit überlegen und gibt auch Kindern, deren Eltern sich keine Nachhilfe leisten können, gerechte Chancen auf eine gute Bildung."

Weniger problematisches Verhalten

Der zweite große Vorteil verschränkter ganztägiger Schulen ist, dass ein problematisches Verhalten von Kindern seltener vorkommt, sie sich in der Schule wohler fühlen, besser lernen und dadurch weniger Schülerinnen und Schüler eine Klasse wiederholen müssen. Während Corona hat die psychische Belastung von Schulkindern stark zugenommen, der fehlende soziale Kontakt zu Gleichaltrigen und Distance Learning haben psychisch und leistungsmäßig zugesetzt. Pesserl: "Die Arbeiterkammer hat auf die hohe Belastung der Kinder während der Pandemie reagiert und unterstützt seit zwei Jahren das Projekt Help4You, das zusätzlich zum geringen öffentlichen Kontingent zusätzliche psychologische Unterstützung bietet." Weil auch Lehrlinge durch Corona und Homeschooling extrem belastet wurden, hat die AK die Unterstützung für dieses Projekt auch auf Schülerinnen und Schüler von Berufsschulen ausgeweitet.

Mehr Mittel für Brennpunktschulen

Nicht nur die Mittel der Eltern entscheiden über den Schulerfolg, auch der Standort der Schule ist von Bedeutung. Viel zu wenig geht die öffentliche Finanzierung auf die Besonderheiten von Schulen ein. In jeder sechsten Schule können die Kinder aufgrund der schwierigen Lernumgebung nicht gefördert werden, weil die Mittel und das Personal fehlen. Die Arbeiterkammer hat mit dem Chancen-Index ein Modell der Bildungsfinanzierung ausgearbeitet, das sozialen Ungerechtigkeiten entgegenwirken kann. AK-Präsident Pesserl: "Brennpunktschulen brauchen mehr Geld und vor allem mehr Lehr- und Unterstützungspersonal als andere Schulen." Basis der Berechnung des Chancen-Index ist der Bildungshintergrund der Eltern und die Alltagssprache der Kinder, worauf der Förderbedarf der Kinder und somit der Bedarf an zusätzlicher Unterstützung abgeleitet wird.

Sommerschulen erster richtiger Schritt

Die nun institutionalisierten Sommerschulen am Ende der Schulferien für Kinder mit Förderbedarf bewertet die Arbeiterkammer als ersten Schritt in die richtige Richtung. "Zwei Wochen Sommerschule reichen aber weder in der Begabungsförderung noch in Förderung von leistungsschwächeren Kindern", sagt Pesserl. Die Arbeiterkammer verweist auf ihr seit Jahren bewährtes Modell-Projekt "Aktiv Lernen", das während der drei letzten Ferienwochen ein ganztägiges verschränktes Lern- und Freizeitprogramm bietet und mit den TUit-Workshopwochen einen speziellen naturwissenschaftlichen Schwerpunkt setzt. Insgesamt finanziert die Arbeiterkammer 250 Plätze für Kinder von der dritten bis zur achten Schulstufe.

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