Wollen gemeinsam Frauen in der Arbeitswelt stärken: die Vizepräsidentinnen Maria Pein, Gabi Lechner und Patricia Berger (von links). © Fischer, AK Stmk
Wollen gemeinsam Frauen in der Arbeitswelt stärken: die Vizepräsidentinnen Maria Pein, Gabi Lechner und Patricia Berger (von links). © Fischer, AK Stmk
08.03.2021

Vizepräsidentinnen: Frauen in der Arbeitswelt stärken

Am 8. März wird alljährlich der internationale Weltfrauentag begangen. Ein Tag, den die Vizepräsidentinnen von Wirtschaftskammer Steiermark, Arbeiterkammer Steiermark und Landwirtschaftskammer Steiermark – Gabi Lechner, Patricia Berger und Maria Pein – zum Anlass nehmen, um sich gemeinsam für eine Stärkung der Frauen in der Arbeitswelt sowie für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie stark zu machen. "Corona hat die Herausforderungen hier deutlich gemacht. Wir sind dem Ziel einer familienfreundlichen Arbeitswelt in den vergangenen Jahren zwar etwas nähergekommen, haben es aber noch immer nicht erreicht", betonen die drei Vizepräsidentinnen unisono. Darum hat man nun auch ein gemeinsames Fünf-Punkte-Programm ausgear­beitet, für dessen Realisierung man künftig gemeinsam eintreten will.

Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung ab dem 1. Geburtstag

Die frühkindliche Betreuung und Bildung erfüllt zwei wesentliche Funktionen: Sie unterstützt die elterliche Arbeitsmarktteilnahme und fördert die Kindesent­wicklung. "Darum setzen wir uns für einen Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung ab dem ersten Geburtstag ein. Allen Kindern soll ein Platz in einer elementaren Bildungseinrichtung zur Verfügung stehen – das wäre nicht nur ein Schlüssel zur Lösung vieler Probleme, sondern eher ein ganzer Schlüssel­bund", betont Lechner.

Ausbau des Kinderbetreuungsangebots und Ausbildungsoffensive bei ElementarpädagogInnen

Im Zehnjahresvergleich verzeichnet man zwar große Zuwächse bei den Betreuungszahlen der 0- bis 2-Jährigen, insbesondere in Oberösterreich (+177,6 Prozent) und in der Steiermark (+161,3 Prozent), dennoch werden gerade in diesen beiden Bundesländern – gemessen an der Wohnbevölkerung – noch immer anteilsmäßig die wenigsten Kinder unter drei Jahren in Kindertagesheimen betreut (16,5 Prozent bzw. 15,6 Prozent). In Wien dagegen liegt die Betreuungsquote in dieser Altersklasse wie üblich weit höher als in den übrigen Bundesländern und beträgt derzeit 44,0 Prozent. Neben Wien übertreffen auch das Burgenland (32,5 Prozent) und Vorarlberg (27,4 Prozent) den Österreich-Durchschnitt von 26,5 Prozent. Bei den 2-jährigen Kinder besuchen österreichweit mehr als die Hälfte eine Kinderbetreuungseinrichtung (52,8 Prozent), bei den Einjährigen liegt die Betreuungsquote bei 23,9 Prozent. Nur wenige Kinder, die das erste Lebensjahr noch nicht vollendet haben, sind in Kindertagesheimen untergebracht (2,4 Prozent). "Es braucht eine flächen-deckendes, flexibles und vor allem leistbares Kinderbetreuungsangebot von Schladming bis Bad Radkersburg. Dafür muss es seitens der öffentlichen Hand die entsprechenden Ressourcen geben", betont Berger. Darüber hinaus brauche es auch ausgedehnte Öffnungszeiten und weniger Schließtage im Jahr, das Angebot müsse hier mit einer Vollzeitbeschäftigung der Eltern kompatibel sein. "Und wir müssen in die Qualität der Elementarpädagoginnen und -pädagogen investieren, ihr Beruf muss dringend mehr wertgeschätzt und hochwertiger bewertet werden, was auch eine auch eine bessere Entlohnung miteinschließt", ergänzt Berger.

Chancengleichheit in den Regionen 

Großen Handlungsbedarf sehen die Vizepräsidentinnen beim Ausbau des schnellen Internets bis zur Bergspitze, dieses ist sowohl für die gewerbliche Wirtschaft als auch für die Landwirtschaft ein entscheidender Produktions­faktor. "Fehlt dieser, verliert das Land. Wir setzen uns für den raschen Ausbau der digitalen Autobahnen ein – auch aus den gewährten Töpfen des EU-Wiederaufbaufonds", betont Pein. "Arbeitsplätze im ländlichen Raum müssen gleich attraktiv sein wie im urbanen Raum, wenn wir eine weitere Abwanderung verhindern wollen", so die Vizepräsidentin. In den vergangenen drei Jahren hat der ländliche Raum jährlich zwischen 1.500 und 1.800 gut ausgebildete junge Frauen im Alter zwischen 19 und 29 Jahren allein an die Landeshauptstadt Graz verloren. "Junge, gute ausgebildete Frauen sind die Hoffnungsträgerinnen für einen wirtschaftlich belebten und attraktiven ländlichen Raum", betont Vizepräsidentin Maria Pein. Die Landwirtschaftskammer forciert durch ihr Beratungsangebot Innovationen in der landwirtschaftlichen Produktion und bei der Produktentwicklung. "Auch Netzwerkmeetings für junge Frauen, speziell für Bäuerinnen und Unternehmerinnen sind angedacht, um den Innovationen zu fördern und stärken", betont Pein. Darüber hinaus sei ein breites Unterstützungsnetzwerk bei der Pflege notwendig um speziell Frauen zu ent­lasten: "Vor allem pflegende Angehörige brauchen Erleichterungen durch ein besseres Angebot für die Kurzzeitpflege, eine Pflege-Auszeit sowie verbessertes Angebot an mobilen Diensten sowie anderen Pflegediensten", so Pein. Berger ergänzt: "Auch der Ausbau der stundenweisen Entlastung durch mobile Dienste, bei Bedarf auch während der Nachtstunden, sowie der Tagesbetreuung könne pflegende Angehörige wirksam entlasten. Für mehr Rechtssicherheit bei 24-Stunden-Betreuungsverträgen sind auch dringend entsprechende gesetzliche Grundlagen zu schaffen."

Junge Frauen stärken für die Notwendigkeiten einer modernen Arbeitswelt

In vielen technischen Berufen gibt es – auch in Zeiten von Corona – einen Fachkräftemangel. Berufe, in denen Frauen oftmals unterrepräsentiert sind. "Vielfach fehlt der Mut oder auch einfach auch nur eine helfende Hand, die junge Frauen hier ermutigt, neue Wege in der Ausbildung zu gehen. Ergänzend zu unserem Talentcenter würden wir uns darum ein spezielles Coaching-Angebot für junge Frauen an Schulen wünschen", erklärt Lechner, die in diesem Zusammenhang auf zahlreiche Erfahrungsberichte verweist. Die AK Steiermark führt aus diesem Grund jedes Jahr den Girls Day durch. "Des Weiteren bieten wir die TUit-Workshops in Kooperation mit der Technischen Universität als Sommerbetreuungsprogramm für Mädchen an. Über das ganze Jahr gibt es für Schulen Robotik-, Elektro- und Metall-Workshops", schildert Berger. Im Rahmen der AK-Bildungsberatungen mit Interessentestungen werden Mädchen bzw. junge Frauen auch besonders auf Ausbildungen im technischen Bereich und über die guten Chancen am Arbeitsmarkt informiert.

Digitalisierungskompetenzen forcieren

Ob Erwerbstätige oder Unternehmerinnen in der gewerblichen Wirtschaft und der Landwirtschaft: Für sie alle heißt es Digitalisierungskompetenzen erwei­tern. Die Sozialpartner unterstützen dabei umfangreich. Im Fall der WKO etwa durch die im Vorjahr von "Frau in der Wirtschaft" ins Leben gerufenen Unter­nehmerinnenakademie. Diese bietet neben betriebswirtschaftlichen Kompetenzen vor allem einen Schwerpunkt im Bereich Digitalisierungsstrategien und Digitalmarketing/eCommerce, um Unternehmer-innen auch für die Zukunft bestmöglich zu wappnen. "Gerade in diesen so herausfordernden Zeiten ist es wichtig, das eigene Unternehmen vor allem im Bereich Digitalisierung erfolgreich weiter zu entwickeln", betont Lechner, die auch Landesvorsitzende von "Frau in der Wirtschaft" ist. Darum startet im Mai/Juni 2021 bereits die zweite Auflage dieses Bildungsangebotes, das von "Frau in der Wirtschaft" mit 160 Euro je Teilnehmerin und mit dem Programm "Erfolgs!Kurs" der Steirischen Wirtschaftsförderung gefördert wird. Breite Unterstützung gibt’s auch für Arbeitnehmerinnen, wie Berger betont: "1.000 Euro bekommen AK-Mitglieder in Elternkarenz auf ein Karenzbildungskonto gutgeschrieben. Einlösbar ist das Geld für VHS- und bfi-Kurse bis zum dritten Geburtstag des Kindes." Die Arbeiterkammer Steiermark investiert im Rahmen eines mehrjährigen Schwerpunkts 21,5 Millionen Euro in die digitale Qualifizierung ihrer Mitglieder. Dazu zählen der Digi-Bonus Plus, mit dem Aus- und Weiterbildung im digitalen Bereich gefördert werden, sowie der Projektfonds Arbeit 4.0, der Beschäftigte im Umgang mit der Digitalisierung der Arbeitswelt unterstützt. Von all diesen Fördermaßnahmen profitieren insbesondere auch Frauen. Auch die Landwirtschaftskammer baut das digitale Weiterbildungsangebot in Form von Online-Kursen, Webinaren und Seminaren weiter aus. Die Vorteile: Stressfrei, ohne lange Wege und geringerem Zeitaufwand kann Fachwissen für die betriebliche Weiterentwicklung angeeignet werden.

Video zur gemeinsamen Initiative


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