Eltern, die ein erkranktes Kind betreuen müssen, haben das Recht auf eine Pflegefreistelliung. © Picture-Factory , stock.adobe.com
Eltern, die ein erkranktes Kind betreuen müssen, haben das Recht auf eine Pflegefreistelliung. © Picture-Factory , stock.adobe.com

Pflegefreistellung und Sonderbe­treuungszeit: Von Rechten und Möglichkeiten

Kinderbetreuung in Zeiten von Corona hat es in sich: Nicht nur, wenn ein Kind wirklich krank ist, muss es daheim versorgt werden. Es reicht schon ein Husten – und es darf als Verdachtsfall nicht mehr in den Kindergarten oder in die Schule. Und welches Kind bleibt schon eine ganze Herbst-Winter-Saison hustenfrei? Dann gibt es noch die Möglichkeit, dass ein Kind Kontakt zu einer im Nachhinein positiv getesteten Person hatte und für zehn Tage daheim bleiben muss, weil der Amtsarzt eine Verkehrsbeschränkung verordnet. Im besten Fall bleibt es bei zehn Tagen, wenn das Kind nicht selbst auch infiziert wurde. Oder es wird gleich die ganze Schulklasse für eine Quarantänezeit geschlossen. "Fakt ist: Zusätzlich zur normalen Zeit, in der Kinder nun einmal krank sind, fallen derzeit zumeist weitere unvermeidliche Betreuungszeiten daheim an, die berufstätige Eltern vor enorme Herausforderungen stellen", betont AK-Gleichstellungsreferentin Bernadette Pöcheim. 

Pflege- oder Betreuungsfreistellung

Eltern haben aber auch Rechte, in einem gewissen Ausmaß ihr Kind im Fall einer Krankheit oder bei Ausfall der Betreuungsmöglichkeit selbst zu betreuen und dabei trotzdem weiter normal ihren Lohn zu erhalten. Wird das Kind krank, gibt es eine Krankenpflegefreistellung von einer Woche (bei Kindern unter 12 Jahren zwei Wochen) pro Jahr, die jedem Elternteil unabhängig vom anderen zusteht – aber leider unabhängig von der Anzahl der Kinder im Haushalt. Fällt hingegen die Betreuung aus, weil das Kind in Quarantäne muss, weil die Gruppe oder Klasse vorübergehend geschlossen wurde oder weil die sonst betreuende Oma selbst krank geworden ist, kann auch für ein gesundes Kind eine sogenannte Betreuungsfreistellung beansprucht werden – im Ausmaß von maximal einer Arbeitswoche pro Jahr und pro Elternteil. Dieser Anspruch besteht aber nicht zusätzlich zum Ausmaß der Pflegefreistellung, sondern kann nur aus demselben Pool geschöpft werden. "Bei der Be­treuungsfreistellung kommt dazu, dass Eltern verpflichtet sind, vorher alle anderen Möglichkeiten auszuloten, um ihr Kind betreuen zu lassen", erklärt Pöcheim. "In normalen Zeiten springen da oft Oma und Opa ein. In Corona-Zeiten fallen aber viele Großeltern wegen ihres Alters oder bestehender Vorer­krankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder COPD in die Kategorie der Risikopersonen und sollen keine Kinderbetreuung übernehmen." Be­treuungsengpässe sind damit vorprogrammiert.

Wie üblich: die Frauen

Pflege- und Betreuungsfreistellungen sind übrigens auch halbtage- oder stundenweise möglich, bis eine andere Form der Betreuung organisiert ist. Während auf Pflege- und Betreuungsfreistellung ein Rechtsanspruch besteht, ist die mittlerweile nicht so selten in Anspruch genommene Sonderbe­treuungszeit von maximal drei Wochen mit dem Arbeitgeber zu vereinbaren. Willigt dieser nicht ein, kann keine Sonderbetreuungszeit in Anspruch genom­men werden. Im Lockdown und kurz danach (bis 25. Mai) wurde diese Son­derbetreuungszeit übrigens bereits von 4.874 Personen – für rund fünfein­halbtausend Kinder – in Anspruch genommen. Fast drei Viertel der Freige­stellten waren Frauen. Die mit 1. Oktober gültige Erhöhung der Förderung – also jenes Anteils am Entgelt, den der Arbeitgeber vom Staat rückerstattet bekommt – von einem Drittel auf die Hälfte kann möglicherweise in Zukunft die Zustimmung des Arbeitgebers erleichtern. "Wenn all diese Möglichkeiten aufgebraucht sind, können die Eltern auch ihren Urlaub zur Kinderbetreuung verwenden und danach einen unbezahlten Urlaub mit ihrem Arbeitgeber vereinbaren", zählt Pöcheim auf. "Das kann aber wirklich nur eine Not­maßnahme bleiben, denn berufstätige Eltern haben unter der Corona-Krise bereits reichlich gelitten, auch finanziell."

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