16.1.2014
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Sensibilisierung gegenüber den „Kavaliersdelikten“

Leider kein Kavaliersdelikt: Mit den  vielfältigen Ausprägungen sexueller Belästigung am Arbeitsplatz und im öffentlichen Raum beschäftigte sich eine gemeinsame Veranstaltung der Frauenreferate der AK und der Stadt Graz im Kleinen Kammersaal. Tenor der von vielen Schülerinnen (HLW Schrödinger) und Betriebsräten besuchten Diskussionsrunde: Wegschauen ist kein Weg.

Martina Schröck, AK-Präsident Josef Pesserl, Mag. Bernadette Pöcheim und AK-Dir. Dr. Wolfgang Bartosch © Fotostudio 44, AK Stmk

AK-Präsident Josef Pesserl wünschte sich einleitend eine Bewusstseinsänderung, um Fälle dieser Art zu reduzieren. Die Grazer Vizebürgermeisterin Dr. Martina Schröck sprach sich gegen eine Verharmlosung aus und forderte eine gesetzliche Regelung gegen das Po-Grapschen. AK-Frauenreferentin Mag. Bernadette Pöcheim führte in ihrem Beitrag aus, dass sexuelle Belästigung in allen betrieblichen Hierarchien stattfinde und vor allem junge Frauen betroffen seien. „Es gibt notorische Belästiger“, die meisten Fälle ereignen sich im Gastgewerbe und in Dienstleistungsberufen.  Auch ein Einzelfall reicht, um gegen sexuelle Belästigung vorgehen zu können, dabei komme es auf die Intensität des Eingriffs an.

Arbeitgeber auch haftbar

Saalbild Veranstaltung Sexuelle Belästigung © Fotostudio 44, AK Stmk

Im Rahmen der Fürsorgepflicht müsse der Arbeitgeber bei Übergriffen Abhilfe schaffen, sonst sei er ebenso haftbar wie der Belästiger. Betroffenen Frauen rät Pöcheim, dem  Belästiger zu zeigen, dass sein Verhalten unerwünscht sei. Im fortgesetzten Fall sollte man den Betriebsrat kontaktieren und eine Rechtsberatung einholen sowie Fälle regelmäßig dokumentieren. Die Arbeitgeber sind aufgefordert, Maßnahmen gegen belästigende Personen zu setzen, aber nicht die Opfer am Arbeitsplatz versetzen. Das AK-Referat Frauen und Gleichstellung  führt übrigens 30 bis 40 Prozesse pro Jahr, die fast immer gewonnen werden oder mit einem Vergleich enden.

Schadenersatz  mindestens 1.000 Euro

Rechtsanwältin Mag. Doris Braun © Fotostudio 44, AK Stmk

Rechtsanwältin Mag. Doris Braun berichtete, dass es zu Prozessen erst nach Beendigung des Dienstverhältnisses der Opfer komme. Vor wenigen Monaten wurde der Schadenersatz in Fällen sexueller Übergriffe spürbar erhöht (mindestens 1.000 Euro), außerdem wurde die Verfallsfrist auf drei Jahre verlängert. Den Grazer Richtern bescheinigte sie häufig fehlende Sensibilität bei diesen Fällen (Referatsunterlagen in der Infobox). Über Rollenstereotype sprach NOWA-Geschäftsführerin Heide Cortolezis: Männer sollten sich überlegen, welches Verhalten für sie unangenehm wäre.

Dokumentation und Beratung

Ing. Peter Bacun, Patricia Berger, Gerlinde Pölsler (Falter), Dr. Sabine Schulze-Bauer, Dr. Robert Zinkanell © Fotostudio 44, AK Stmk

In der von „Falter“-Redakteurin Gerlinde Pölsler geleiteten Podiumsdiskussion empfahl Kammerrätin Patricia Berger den Betriebsräten, inkriminierte Fälle sorgsam zu dokumentieren und Rat von Fachfrauen (AK, ÖGB, Gleichbehandlungsanwaltschaft) einzuholen. AK-Vorstandsmitglied  Ing. Peter Bacun berichtete von seinem Großbetrieb, dass Pinup-Fotos in Aufenthaltsräumen und Spinden schon vor einigen Jahren untersagt wurden. Die Gleichbehandlungsbeauftragte des Landes, Dr. Sabine Schulze-Bauer, sieht die Führungsspitze der Unternehmen gefordert, dass sexuelle Belästigung nicht geduldet werde. Den Belästigern müsse man rechtzeitig Grenzen aufzeigen. Dr. Robert Zinkanell (arcus Personalmanagement) glaubt, dass „wir auf einem guten Weg in Richtung Sensibilisierung sind“, da sich traditionelle Rollenbilder ändern. 

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