28.3.2014
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22,6% der SchülerInnen haben "Opfererfahrung"

Mobbing-Pressekonferenz mit AK-Präsident Josef Pesserl, Mag. Claudia Brandstätter (bmm) und Dr. Josef Zollneritsch (Landeschulrat). © Fotostudio 44, AK Stmk

„Mobbing ist an den steirischen Schulen mehrheitlich Realität.“ Diesen Schluss zieht Mag. Claudia Brandstätter, Geschäftsführerin des Grazer Meinungsforschungsunternehmens bmm, aus einer Befragung von knapp 1.200 SchülerInnen. So geben 56,1 % an, dass es Schüler in der Klasse oder Schule gibt, die geärgert, beleidigt oder angegriffen werden.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie im Auftrag der steirischen Arbeiterkammer in Kooperation mit dem Landesschulrat Steiermark:

  • Der Begriff „Mobbing“ ist 88,8 % bekannt, den Begriff „Bullying“ kennt man erst in der Oberstufe.
  • Die Angst vor Mobbing ist vorhanden: 31,9 % haben Angst davor, Opfer von Mobbingattacken zu werden.
  • „Opfererfahrung“ haben 22,6 % der SchülerInnen. Knapp 50 % davon werden täglich oder mehrmals im Monat angegriffen. 81,1 % werden immer von den gleichen Tätern angegriffen, und das vor allem in den Pausen.
  • Andere Interessen, anderes Aussehen (zu dick, zu klein oder mit Brille/Zahnspange) und ein anderes, nicht gruppenkonformes Verhalten sind mehrheitlich Gründe für die Angriffe. Verbale Attacken, Verspotten und körperliche Angriffe sind ganz vorne im „Ranking“ der Tätlichkeiten.
  • 90,8 % der SchülerInnen besitzen ein Handy, 77,9 % nutzen soziale Netzwerke (schon in der Volksschule besitzen zwei Drittel ein Handy, ein Drittel nutzt die sozialen Netzwerke).
  • Die Gefahr, dass Handy und Internet Mobbing begünstigen, sehen rund 50 % der Befragten. „Cyber-Mobbing“, etwa durch Bloßstellen in den sozialen Netzwerken, ist aber eher die Ausnahme. (Detaillierte Studienergebnisse in der Infobox)

Mobbing aus der Tabuzone holen

„Unsere Schulberatung war in jüngster Zeit vermehrt mit Anfragen verzweifelter Eltern konfrontiert, deren Kinder in der Schule gemobbt wurden. Mit der Studie wollen wir das Thema Mobbing aus der Tabuzone holen“, so AK-Präsident Josef Pesserl zur Motivation, in Kooperation mit dem Landesschulrat eine umfangreiche Studie in Auftrag zu geben. Die Ergebnisse seien alarmierend genug, sieht der AK-Präsident Handlungsbedarf auf mehreren Ebenen:

  • Erarbeitung von Präventionsprogrammen in den Schulen
  • Anti-Mobbing-Vereinbarungen an den Schulen
  • Weitere Sensibilisierung und Weiterbildungsangebote für LehrerInnen
  • Ausbau der Schulsozialarbeit und der Schulpsychologie, um die sozialen Kompetenzen der SchülerInnen zu fördern und gleichzeitig Vertrauenspersonen zu installieren
  • Einrichtung von Kummerkästen, Kontakttelefonen oder E-Mail-Adressen, an die sich betroffene SchülerInnen wenden können
  • Info-Abende für Eltern
  • Sollte ein Schulwechsel als „letzter Ausweg“ angestrebt werden, muss dieser erleichtert werden.

AK plant Infobroschüre

Die AK werde sich intensiv mit dem Thema beschäftigen, kündigt Pesserl an: „Wir werden die vorliegende Studie mit qualitativen Erhebungen vervollständigen und im Herbst im Rahmen einer Veranstaltung veröffentlichen.“ Unter dem Titel „Hilfe für mein Kind bei Mobbing“ werde die AK darüber hinaus gemeinsam mit dem Landesschulrat und den Elternvertretern eine Informationsbroschüre erarbeiten.

Zeitnah und adäquat reagieren

Auch für den Referenten für Schulpsychologie-Bildungsfragen im steirischen Landesschulrat, Dr. Josef Zollneritsch, ist Mobbing im Schulbereich „ein ernstes Problem mit steigender Intensität“. Diese Einschätzung werde durch die vorliegende Studie bestätigt. „Die Mehrzahl der Mobbingfälle verläuft so, dass sie lange von den LehrerInnen und Eltern nicht wahrgenommen werden. Neue Erscheinungsformen wie „Cyber-Mobbing“ oder „Happy Slapping“ fordern uns besonders heraus.“ Es sei wichtig, einen genauen Überblick zu erhalten, wie verbreitet Mobbing auf den verschiedenen Altersstufen ist. Damit eng verbunden ist die Frage, wie auf Mobbingphänomene zeitnah und adäquat zu reagieren ist: „Insbesondere haben die Opfer ein Recht darauf, dass rasch Sanktionen gesetzt werden. Denn Schule muss ein gewaltfreier Raum sein“, so der Schulpsychologe.

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