5.10.2016
Drucken
Zu Merkzettel hinzufügen

Crowdwork in Österreich

Erstmals wurde nun erhoben, wie verbreitet Crowdwork in Österreich ist: Im Zuge einer Online-Befragung gaben 18 Prozent der TeilnehmerInnen an, dass sie im vergangenen Jahr mindestens einmal über Crowdwork-Plattformen wie Upwork, Clickwork oder MyHammer gearbeitet haben. Dass durch diese Plattformen neue Arbeits- und Einkommensmöglichkeiten entstehen, findet die Arbeiterkammer (AK) positiv. Allerdings fehlen noch taugliche Rahmenbedingungen, die dazu beitragen, dass ArbeitnehmerInnen nicht Gefahr laufen,  ausgebeutet zu werden. „Wir wollen Crowdwork nicht verhindern. Aber Technik darf nicht als Ausrede für Rechtsbruch herhalten“, betont AK Präsident Rudi Kaske. „Auch wer online arbeitet, hat ein Recht auf soziale Absicherung, auf faire Bezahlung und darauf, sich gewerkschaftlich zu organisieren.“

WAS IST „CROWDWORK“ eigentlich?

Was ist mit „Crowdwork“ gemeint? Wie funktioniert die Arbeitsvermittlung online? Was sagen Crowdworker selbst zu ihrer Arbeit? Alles über die Hintergründe lesen Sie hier ...

Über die Studie

Wie verbreitet ist Crowdwork in Österreich? Wie oft übernehmen Österreicherinnen und Österreicher Aufträge über Internetplattformen, erledigen diese Arbeiten (von Tätigkeiten wie Beschlagworten von Bildern, Büroarbeiten, bis hin zu komplexen oder kreativen Aufgaben wie Programmieren, künstlerische oder technische Entwicklungen) und wie werden sie dafür bezahlt? 
Um erstmals Daten darüber zu erhalten, unterstützte die Arbeiterkammer Wien eine Forschungsarbeit der University of Hertfordshire und Ipsos MORI im Zusammenarbeit mit der Foundation for European Progressive Studies (FEPS) und UNI-Europa.  

STUDIE

Die gesamte Studie finden Sie hier zum Nachlesen!

Wie verbreitet ist Crowdwork in Österreich? 

Wie regelmäßig wird Crowdwork erledigt? © José Koll, AK Wien

Online gaben zu diesem Thema 2.003 Österreicherinnen und Österreicher im Alter von 18 bis 65 Jahren Auskunft. Demnach haben 18 Prozent der Befragten im vergangenen Jahr mindestens einmal Arbeit über Plattformen wie Upwork, Clickwork, Freelancer oder MyHammer verrichtet. 36 Prozent der Befragten – also doppelt so viele –  haben versucht, über diese Plattformen einen Job zu erhalten.

 

Wieviel verdienen Crowdworker?

Da unter den Begriff Crowdwork die verschiedensten Tätigkeiten fallen, sind verallgemeinernde Aussagen auf seriöse Weise nicht immer möglich.

Persönliches Einkommen der Crowdworker © José Koll, AK Wien

Was aber die Untersuchung nun zeigt, ist, dass diese Form der Arbeit vor allem von Menschen übernommen wird, die ein geringes Einkommen zur Verfügung haben. In der Regel leben Österreicherinnen und Österreicher mit Crowdwork-Erfahrung nicht auf großem Fuß.
Ihr gesamtes persönliches Einkommen (also nicht nur das durch Crowdwork erzielte) liegt bei fast der Hälfte der Befragten bei weniger als 18.000 Euro brutto pro Jahr. Weitere 43 Prozent verdienen zwischen 18.001 und 36.000 Euro brutto im Jahr.

Hauptbeschäftigung oder Nebenbeschäftigung?

Anteil des Einkommens aus Crowdwork © José Koll, AK Wien

Weitere Ergebnisse der Studie: Männer nutzen diese Art der Arbeitssuche etwas häufiger als Frauen.
Fünf Prozent der Befragten finden mindestens einmal pro Woche Arbeit über Online-Plattformen, neun Prozent mindestens einmal im Monat.
Die einzige oder wichtigste Einkommensquelle ist Crowdwork nur für eine Minderheit von zwei Prozent der Befragten. Bei elf Prozent macht sie allerdings immerhin die Hälfte des Einkommens aus.

Was suchen die Crowdworker, was machen sie?

Ein Drittel der Befragten sucht auf Plattformen wie Freelancer, Upwork oder Clickworker nach Arbeit, die sie online von zu Hause aus erledigen können. Zugleich geben 20 Prozent der befragten österreichischen Crowdworker an, über Plattformen wie Book a Tiger oder Myhammer nach Arbeit zu suchen, die sie offline und in den Räumlichkeiten anderer durchführen – etwa Reinigungs-, TischlerInnen- und Gartenarbeiten. 16 Prozent der Befragten sagen, dass sie nach Arbeit als FahrerIn für Unternehmen wie Uber und Blablacar suchen.  

Von Crowdworkern ausgeführte Arbeiten © José Koll, AK Wien

Die häufigsten Arten von Crowdwork-Tätigkeiten sind Büroarbeiten, kleinere Aufgaben wie Botendienste oder online durchgeführte Clickworktätigkeiten. 62 Prozent der Crowdworker sind im kreativen Bereich oder im IT-Bereich tätig. 48 Prozent arbeiten als FahrerIn, 44 Prozent erbringen persönliche Dienstleistungen. Diese Ergebnisse verstärken den Eindruck, dass viele, die Crowdwork betreiben, ihren Lebensunterhalt mit einer Reihe von verschiedenen Tätigkeiten bestreiten (müssen).  

Wie alt sind die Crowdworker?

Alter der CrowdworkerInnen © José Koll, AK Wien

Bei Crowdworkern handelt es sich eher um junge Menschen, doch der Anteil so genannter "Silver Surfers" - also älterer Crowdworkern - ist nicht viel geringer.
Oft wird davon ausgegangen, dass vor allem Studierende in der Crowd arbeiten. Das ist aber laut der Studie gar nicht der Fall: Unter den Befragten finden sich nur 11 Prozent, die studieren.


Die Probleme der Crowdworker

Andere, bereits veröffentlichte internationale Studien sowie die Kommentare von Crowdworkern in diversen Foren, zeigen recht deutlich, welche Probleme diese Art zu arbeiten mit sich bringen kann. Die Betroffenen kritisieren sehr häufig:

  • niedrige Bezahlung
  • lange (unbezahlte) Suchzeiten
  • asymmetrische Machtverhältnisse
  • „Verschwinden“ der AuftraggeberInnen
  • willkürliche Ablehnung der Arbeitsergebnisse
  • unfaires Rating durch AuftraggeberInnen

AK Präsident Kaske: „Gerechtigkeit für Crowdworker“

Forderung

Auch für Crowdwork muss es Mindeststandards geben. Crowdworker brauchen Rechtssicherheit und haben ein Recht auf faire Entlohnung, Transparenz, Klarheit und auf gewerkschaftliche Organisation. „Technik darf nicht als Ausrede für Rechtsbruch herhalten. Es ist klar, dass sich auch Online-Plattformen an die rechtlichen Regeln der Länder halten müssen, in denen sie ihre Dienste anbieten“, sagt AK Präsident Rudi Kaske. 

Kaske lädt die PlattformbetreiberInnen ein, mit Stakeholdern (also Crowdworkern, KundInnen, ArbeitnehmerInnenvertretungen und PolitikerInnen) zusammenzuarbeiten. Denn es sei wichtig, geeignete Wege zu finden, um die fundamentalen Rechte von Erwerbstätigen auch dann zu sichern, wenn die Plattformen nicht in Österreich registriert sind. Auch der rechtliche Status der Crowdworker ist zu klären.

  • Crowdworker müssen sich organisieren können – derzeit sehen etwa viele der AGB ein Verbot der Vernetzung mit anderen über die jeweilige Plattform Tätigen vor.  
  • Internationale Studien zeigen, dass Crowdworker oft unter dem jeweiligen Mindestlohn bezahlt werden. Die Festlegung von Mindestlöhnen ist in diesem Bereich mit etlichen Schwierigkeiten verbunden: Zum Beispiel, weil oft jede einzelne Erledigung von Mikroaufgaben bezahlt wird. Nichtsdestotrotz muss begonnen werden, Maßnahmen zu entwickeln, die sicherstellen, dass die Arbeit, die über Plattformen verrichtet wird, nicht unter kollektiven oder nationalen Mindestlöhnen liegt. 
  • PlattformbetreiberInnen brauchen Mechanismen, die faire und gleichberechtigte Lösungen von Konflikten zwischen der Plattform, den Crowdworkern und den AuftraggeberInnen ermöglichen. So können etwa AuftraggeberInnen in vielen Plattformen die Crowdworker bewerten, was erhebliche Auswirkung auf weitere Arbeitsaufträge hat, ohne dass die Betroffenen eine Möglichkeit haben, sich gegen unfaire Ratings wehren zu können.

  • Mehr Transparenz brauchen Crowdworker auch, was AuftraggeberInnen betrifft. Oft ist für sie etwa nicht ersichtlich, welche AuftraggeberInnen hinter einzelnen Tasks stecken. Das erschwert die Kommunikation, die Rechtsdurchsetzung und faire Verhandlungen.Die öffentliche Hand und Statistikinstitutionen verfügen meist nur über sehr limitierte Daten über Plattformen, hier müssen mehr Informationen über die Vorgänge auf Plattformen öffentlich gemacht werden.  
  • Zwar sind nationale Regelungen sinnvoll, umfassende Verbesserungen bedürfen allerdings eines europäischen Rechtsrahmens. „Es wäre begrüßenswert, wenn sich die österreichische Bundesregierung des Themas annähme und das Jahr der EU-Präsidentschaft 2018 als Anlass nimmt, eine europäische Richtlinie für Crowdworker auf den Weg zu bringen“, sagt Kaske.

Tipps zum Weiterlesen

dialog.arbeit.digital

Unsere Veranstaltung zur österreichischen Crowdworkszene vom 8. September 2016 können Sie hier in Text und Video nachverfolgen.

Crowdwork: Digitale Akkordarbeit

Immer mehr Arbeit wird über Online-Plattformen vermittelt: Doch wie funktioniert Crowdwork? Und wo bleiben die Rechte der ArbeiterInnen?

All-in-Verträge

Alles inklusive gibt es auch bei Arbeitsverträgen: All-In-Klauseln und Überstundenpauschalen sind gesetzlich erlaubt, für Sie aber selten günstig!

Ihre Rechte in der Probezeit

Beim Eintritt in ein neues Unternehmen ist eine Probezeit üblich. Aber wie lange darf Sie dauern und welches Entgelt steht Ihnen in dieser Zeit zu?

TeilenZu Merkzettel hinzufügen

Facebook-Funktion aktivieren

Drucken
Zu Merkzettel hinzufügen
Zum Seitenanfang
Um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten, speichert diese Website Informationen über Ihren Besuch in sogenannten Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen über Cookies, sowie welche Daten wir wie lange speichern, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen und die Browsereinstellungen entsprechend anpassen.
Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen dazu sowie welche Daten wir wie lange speichern, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen.
OK