27.10.2020

Steuerlicher "Hürdenlauf" beim Homeoffice

Der Homeoffice-Boom als Folge der Corona-Pandemie wirft unter anderem steuerliche Fragen auf. Auf dem Weg zur steuerlichen Absetzbarkeit von Räumen und Betriebsmitteln hat der Gesetzgeber einige Hürden aufgebaut. Grundsätzlich, erläutert AK-Steuerexperte Bernhard Koller, können durch das Homeoffice anfallende Kosten bei der Arbeitnehmerveranlagung geltend gemacht werden, sofern sie die im Zuge der Gehaltsverrechnung automatisch berücksichtigte Werbungskostenpauschale von 132 Euro pro Jahr übersteigen.

Arbeitszimmer

Allen voran steht die Frage, ob Miet- und Betriebskosten für ein Arbeitszimmer steuerlich absetzbar sind. "Im Prinzip ja, allerdings nur unter gewissen Voraussetzungen", stellt Koller klar. So muss ein Arbeitszimmer für die Ausübung der Tätigkeit unbedingt notwendig sein und nahezu ausschließlich (mindestens 90 Prozent) beruflich genutzt werden. Werden diese Kriterien nicht erfüllt, sind auch Ausgaben für Einrichtungsgegenstände nicht abzugsfähig. Wird hingegen beispielsweise ein Schreibtisch eigens für das Homeoffice angeschafft, kann der Kaufpreis steuerlich geltend gemacht werden. Arbeitsmittel Ebenfalls absetzbar sind Kosten für Arbeitsmittel wie Computer, Drucker, Scanner etc. – selbstverständlich nur dann, wenn diese Arbeitsmittel nicht von der Firma gestellt werden. Sollten diese Arbeitsmittel nicht ausschließlich beruflich genutzt werden, ist ein Privatanteil abzuziehen, wobei das Finanzamt von mindestens 40 Prozent ausgeht. Ähnliches gilt für Nutzungsentgelte für Telefon und Internet. Eine pauschale Erstattung von Zusatzkosten im Homeoffice durch die Arbeitgeberin bzw. den Arbeitgeber ist steuerpflichtig, warnt Koller: "Kostenersätze können nur dann steuerfrei ausbezahlt werden, wenn die Kosten einzeln mit Belegen nachgewiesen werden können."

Vereinfachung

Angesichts der sowohl für die Steuerpflichtige oder den Steuerpflichtigen als auch für die Finanzverwaltung aufwendigen Regelungen plädiert der AK-Steuerexperte für eine Pauschalierung der Homeoffice-Kosten: "Vor dem Hintergrund des coronabedingten Homeoffice-Booms wäre eine Verein­fachung eine wichtige Maßnahme zur Entbürokratisierung."

Pendlerpauschale

In einem weiteren Punkt kann Koller vorläufig Entwarnung geben. Ver­kehrsabsetzbetrag und Pendlerpauschale sollen nach derzeitigem Stand erhalten bleiben, auch wenn Kosten für das Pendeln durch Homeoffice sinken.

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