15.12.2017

"Jetzt brauche ich mein Weihnachtsgeld nicht fürs Internat”

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Der Internatsaufenthalt für acht bis zehn Wochen Berufsschule kostet rund 1.000 Euro pro Jahr. Die ÖGJ schätzt die Summe der jährlichen Kosten zur Entlastung der Lehrlinge von Internatskosten auf etwa 60 Millionen Euro. Darum ist die ÖGJ besonders stolz, dass es durch ihr Engagement zu einer Gesetzesänderung gekommen ist. Die Internatskostenkampagne der Gewerkschaftsjugend war ein voller Erfolg.

Wie habt ihr das geschafft?

Philipp Ovszenik: Wir sind sehr stolz. Über 21.000 Unterschriften haben es möglich gemacht, dass der Antrag im Parlament angenommen wurde. Seit es die ÖGJ gibt, sind wir laut, wenn es um die Internatskosten geht. In den vergangenen 30 Jahren gab es immer wieder Initiativen einzelner Gewerkschaften. Mit der "Internatskosten weg"- Kampagne haben wir in diesem Sommer ein Dach über diverse Kampagnen gespannt und haben über alle Parteigrenzen hinweg Unterstützerinnen und Unterstützer gefunden. Bildung muss heute und in Zukunft gratis sein. Vor allem wenn es um das Rückgrat der österreichischen Wirtschaft – die Facharbeit – geht.

Woher kommt das Geld dafür?

Ovszenik: Jedes Jahr wird die Lehrlingsförderung aus den Mitteln des Insolvenzentgeltfonds (IEF) gezahlt. Durch sinkende Lehrlingszahlen werden ungefähr 20 Millionen Euro nicht verwendet und werden Rücklagen. Und die sind derzeit rund 450 Millionen Euro hoch – Tendenz steigend. Durch die Finanzierung der Lehrstellenförderung durch den IEF hat diese Maßnahme keine Auswirkung auf das Bundesbudget.

Wie funktioniert das jetzt genau mit den Internatskosten?

Ovszenik: Der Betrieb bekommt die Rechnung vom Internat, begleicht sie und reicht diese dann direkt beim Insolvenzentgeltfonds ein. Bund, Land und Gemeinden müssen ohne Refundierung aus dem Insolvenzentgeltfonds für die Kosten aufkommen. Diese Maßnahme senkt die Ausbildungskosten für diese Lehrbetriebe massiv. Für all jene Lehrlinge, die die Internatskosten bisher zur Gänze selbst bezahlen mussten, zahlt künftig der Ausbildungsbetrieb und rechnet wieder mit der Lehrlingsstelle ab. Somit fallen bis auf die Anreise- und Schulmaterialkosten keine Kosten für Betrieb und Lehrling im Rahmen des Berufsschulbesuchs mehr an.

Welche Auswirkungen wird das haben?

Ovszenik: Es ist eine echte Entlastung der Lehrlinge. Und es ist ein neuer Anreiz für Ausbildungsbetriebe, neue Lehrlinge einzustellen. Die Lehre insgesamt wird attraktiver. Und auch die Erziehungsberechtigten, die oft die Kosten für ihre Kinder übernehmen, werden entlastet. Soziale Gerechtigkeit: Nicht nur Jugendliche, die in gut organisierten Branchen sind, bekommen die Kosten refundiert, sondern alle Lehrlinge in allen Branchen.

Was sagen Lehrlinge dazu?

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"Ich habe selbst Unterschriften gesammelt und bin froh, dass mein Weihnachtsgeld nicht fürs Internat draufgeht", sagt Vidhya Om, Konstrukteur- und Elektrotechnik-Lehrling (im Bild links).

"Super Aktion! Mir bleiben fast 1.500 Euro mehr", sagt Merjem im Gespräch mit Philipp Ovszenik, Jugendreferent ÖGJ Steiermark (im Bild oben).

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