20.12.2016

Lehre: Gute Ausbildung, aber schlechtes Image

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Im Auftrag der steirischen Arbeiterkammer hat das Grazer Meinungsforschungsinstitut bmm die Image-Probleme der Lehrausbildung untersucht. Insgesamt 450 Jugendliche sind nach ihren Einstellungen zur Lehrausbildung befragt worden: Jugendliche, die eine Lehrausbildung anstreben, Jugendliche, die keine Lehre planen und schließlich Jugendliche, die bereits eine Lehre absolvieren. "Die Lehrausbildung ist offenbar besser als ihr Image", ist einer der Schlüsse, die bmm-Geschäftsführerin Claudia Brandstätter aus den Ergebnissen der Befragung zieht: "Auch wenn die Attraktivität der Lehre bei allen Zielgruppen noch steigerbar ist, so zeigt sich doch, dass jene, die bereits konkrete Erfahrungen gesammelt haben, der Lehre die höchste Attraktivität zubilligen." Immerhin empfinden fast 90 Prozent der Lehrlinge eine Lehrausbildung als (sehr) attraktiv.

Viele Vorurteile gegenüber Lehre

Umgekehrt sei die Einstellung jener Jugendlichen, die keine Lehre planen, von Vorurteilen geprägt. So sehen 26,3 Prozent der Befragten überhaupt keine Vorteile in einer Lehrausbildung. Als Hauptgrund, keine Lehre anzustreben wird "geringerer Verdienst/weniger Gehalt als mit Matura" genannt. Als weitere wichtige Gründe werden "früh arbeiten müssen" und "weniger Allgemeinbildung" genannt. Folgerichtig empfinden auch nur 18,7 Prozent dieser Zielgruppe eine Lehrausbildung als (sehr) attraktiv.

Hauptmotivation

eine Lehre zu planen bzw. bereits eine Lehre zu absolvieren, ist mit deutlichem Abstand die Tatsache, "eigenes Geld zu verdienen", gefolgt von der "Praxisorientierung" bzw. wird in der Tatsache, eine abgeschlossene, fundierte Berufsausbildung zu haben, ein Vorteil erkannt.

Wenig Informationen zur Lehrausbildung

Einigkeit besteht hinsichtlich des Informationsstandes zu den verschiedenen Ausbildungsmöglichkeiten: Auf einer Skala von 1 bis 4 fällt die Note mit 2,3 eher dürftig aus. Zwar erwarten die Befragten – ebenfalls über alle Zielgruppen – Informationen von der Schule, die Hauptrolle bei der Wahl der Ausbildung spielen allerdings die Familie und der Freundeskreis. Für AK-Präsident Josef Pesserl zeigt die vorliegende Studie einmal mehr den Informationsmangel vieler Schülerinnen und Schüler über die Berufsausbildung auf: "Dieser Mangel an Informationen führt in vielen Fällen zu einer völlig falschen Einschätzung der Berufsaussichten und Verdienstmöglichkeiten."

Mehr Marketing ist notwendig

Neben mehr Information geht es für den AK-Präsidenten aber auch darum, die Lehrausbildung attraktiver zu machen: "Anders ausgedrückt, muss eine Lehrausbildung für die jungen Menschen cool sein." Laut Studie hat die Lehre mit Matura wenig Strahlkraft:

Tipp/Hinweis/Achtung

Für mehr als 70 Prozent aller Befragten ist die Lehre mit Matura weniger bzw. nicht attraktiv." Konkret schlägt Pesserl vor: "Da die Lehre mit Matura – auch durch die Doppelbelastung – für die Befragten wenig attraktiv ist, sollten Wege gefunden werden, Lehrausbildungen nach der Matura zu forcieren." 


Dazu sei es allerdings notwendig, die Schulausbildung auf die Lehrzeit anzurechnen, damit Maturantinnen und Maturanten nicht "bei null" anfangen müssten. Dazu müssten die rechtlichen Grundlagen für eine gegenseitige Anrechnung von Schul- und Lehrzeit geschaffen werden. Eine Förderung durch das AMS sei ebenfalls denkbar, sodass Maturantinnen und Maturanten eine höhere Lehrlingsentschädigung bekommen. Gefordert sei letztlich aber auch die Wirtschaft, ausreichend qualitativ hochwertige Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen.

23 Stellen für 14.000 MaturantInnen

Denn die AMS-Daten sprechen für Pesserl eine eindeutige Sprache: Für 52 Prozent der Ende November sofort verfügbaren offenen Stellen ist ein Lehrabschluss erforderlich. Die Job-Aussichten für AHS-Maturantinnen und -Maturanten seien dagegen äußerst trist. Im Oktober 2016 konnte das AMS für über 14.000 Maturantinnen und Maturanten nur 23 gemeldete offene Stellen anbieten. Die Drop-Out-Quote an den österreichischen Universitäten ist mit 36 Prozent hoch, auch eine abgeschlossene akademische Ausbildung sei längst kein Garant für eine adäquate Beschäftigung mehr, so Pesserl.

Forderung

Als Konsequenz fordert Pesserl eine Informationsoffensive in Form einer Verbesserung der Bildungs- und Berufsorientierung in den Schulen.


So fordere die AK schon seit langem Bildungs- und Berufsorientierung als Pflichtfach in allen Schultypen, also auch in der AHS. Dies erfordere auch, Bildungs- und Berufsberatung in die pädagogische Ausbildung zu integrieren und die Lehrerinnen und Lehrer durch Weiterbildungsangebote auf dem aktuellen Stand zu halten. Auch Eltern müssten besser in die Bildungs- und Berufsorientierung einbezogen werden.

Kontakt

05-7799-2427 

bjb@akstmk.at 

Öffnungszeiten 
Mo bis Do 8 - 16 Uhr
Di 16 - 20 Uhr (Jugend)
Fr 8 - 13 Uhr

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