4.12.2015

Jugendforscher präsentiert Lehrlingsstudie

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„Lehrlinge haben ein dezidiertes Anerkennungsproblem“. Der Mangel an Wertschätzung ist das zentrale Ergebnis der „1. Österreichischen Lehrlingsstudie“.

Gesellschaft und Politik zeigten nur für „bunte Vögel“ Wertschätzung, zu denen die Lehrlinge in ihrer Mehrheit nicht gehören, sparte Studienautor Mag. Bernhard Heinzlmaier bei der Präsentation seiner Studie im Festsaal der Arbeiterkammer nicht mit Kritik. „Lehrlinge neigen zu einem materialistischen, bodenständigen und pragmatischen Lebenslauf.“ Der von den Lehrlingen empfundene Mangel an Wertschätzung erstrecke sich auch auf deren kulturelles Umfeld. (Referatunterlage in der Infobox rechts)

Lehrlingsentschädigung umbenennen

Auch in punkto Bezahlung schlägt sich nach Auffassung der Befragten wenig Anerkennung nieder: Nicht weniger als 75 % empfinden die Lehrlingsentschädigung als zu gering. „Anerkennung findet eben auch durch Geld statt“, so der Studienautor, der im Übrigen anregte, sich Gedanken über eine andere Bezeichnung für die sogenannte „Lehrlingsentschädigung“ zu machen. Es geht aber nicht nur um Geld: Dem Satz „die Politik kümmert sich in erster Linie um Maturanten und Studierende und zu wenig um Lehrlinge“ stimmen knapp 60 % der Befragen zu.

Zwei Drittel mit Lehre zufrieden

Demgegenüber steht eine relativ hohe Zufriedenheit der Befragten mit der Ausbildung. Zwei Drittel würden wieder eine Lehre beginnen, zum Großteil durchaus im selben Beruf und im selben Unternehmen: „Die Lehrlinge fühlen sich im Betrieb wohler als in der Gesellschaft“, so Heinzlmaiers Resümee. Der Studienautor sieht auch eine „hohe Bereitschaft, sich zu engagieren“. Immerhin 11 % geben an, sich bereits zu engagieren – beispielsweise als Jugendvertrauensrat – weitere 44 % können sich das zumindest vorstellen. Ein gutes Zeugnis stellen die Lehrlinge übrigens der Arbeiterkammer aus: Mit fast 90 % steht die AK an der Spitze jener Institutionen, die sich nach Ansicht der Befragten für die Anliegen von Lehrlingen einsetzen.

Für AK-Präsident Josef Pesserl ist die mangelnde Wertschätzung ein Grund dafür, dass sich immer weniger Jugendliche für eine Lehrausbildung entscheiden: „Die Lehre leidet unter einem Imageproblem“, forderte der AK-Präsident Maßnahmen zur Attraktivierung. Dazu gehöre auch, dass Lehrlinge nicht als billige Arbeitskräfte missbraucht würden und sich wieder mehr Betriebe zur Lehrlingsausbildung bekennen würden. Wobei sich der AK-Präsident ausdrücklich bei jenen Unternehmen bedankte, die Lehrlinge auf einem hohen Qualitätsniveau ausbilden: „Der Standort braucht ausreichende viele und gut ausgebildete Fachkräfte“.

Alle Betriebe müssen sich an Kosten beteiligen

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In der Podiumsdiskussion forderte Pesserl, dass sich alle Betriebe an den Kosten der Ausbildung beteiligen müssten und befürwortete ein Fördersystem für Betriebe nach klaren Qualitätskriterien. „Die Sozialpartner müssen gemeinsam schauen, welcher Veränderungsbedarf besteht, damit sich Lehrlinge wohlfühlen.“

Bildungslandesrätin Mag. Ursula Lackner freute sich über das gute Zeugnis für Betriebe und Ausbildung, das Land Steiermark habe in den vergangenen Jahren 120 Millionen Euro in Berufsschulen investiert. ÖGB-Landesvorsitzender Horst Schachner betonte, ein guter Facharbeiter sei am Arbeitsmarkt gefragter als Akademiker, die keinen Job finden. WKO-Vizepräsident Benedikt Bittmann unterstrich, dass Unternehmer die Stärken ihrer Mitarbeiter erkennen müssten. Siemens-Ausbildungsleiter Gerhard  Czelecz („Ich habe den schönsten Job in der Firma“) lobte den hohen Standard derAusbildung und die Qualität der Facharbeiter, während sich Jugendvertrauensrat Florian Bamberger einen "einheitlichen fairen Lohn für Lehrlinge" wünschte und Ausbildungsunterschiede in einzelnen Betrieben als „extrem“ bezeichnete.

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