2.6.2017
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"Gewalt darf kein Berufsrisiko sein"

200 Interessierte bei der Tagung Gewalt gegen Pflegende © Graf, AK

Gewalt gegen Pflegende ist ein heißes Thema, das aufregt und doch oft verschwiegen wird. 200 Interessierte suchten bei einer AK-Tagung nach Lösungen. Schon eingangs bei der Eröffnung der Tagung im Grazer Kammersaal sagte AK-Präsident Josef Pesserl: "Gewalt gegen Pflegende ist und darf kein Berufsrisiko sein, mit dem man leben müsse." Es gehe darum, das Thema Gewalt aufzuzeigen, sich bei Angriffen zu wehren und sie dokumentieren, Vorfälle melden und analysieren, aus den Daten Strategien zu entwickeln und umzusetzen.

Mit Gewalt umgehen lernen

Edgar Martin, Annemarie Siegl, Elisabeth Aufreiter, Harald Stefan © Graf, AK

Aggression sei Teil der menschlichen Natur und man müsse damit umgehen lernen, sagte Harald Stefan. Der Bereichsleiter Pflege allgemeine Psychiatrie in der Wiener Krankenanstalt Rudolfsstiftung betonte, dass Aggression, Gewalt und sexuelle Belästigung vor allem auf institutioneller Ebene bearbeitet werden müsse. Als Beispiel nannte er das Konfliktfeld Ambulatorium, wo es zu Spitzenzeiten zu langen Wartezeiten komme: "Da sitzen dann Menschen in einer Ausnahmesituation, sie haben Schmerzen, kennen sich in der ungewohnten Umgebung nicht aus und glauben, sie kommen nie mehr dran." Damit Aggression nicht entsteht brauche es eine freundliche Raumgestaltung, verständliche Informationen und einen gut geplanten Ablauf mit ausreichend Personal. Stefan wies darauf hin, dass es bis zu einem Ausbruch von Gewalt meist ein langer Prozess sei. Hier könne individuell vom Personal eingegriffen werden. Leider sei Aggression-, Gewalt und Deeskalationsmanagement derzeit in keinem Lehrplan zu finden. Dabei würde ein frühzeitiges Eingreifen auch finanziell Sinn machen: "Je früher Konflikte bereinigt werden, desto seltener und kürzer sind Gewaltausbrüche, die stundenlang Personal binden."

Keine fertigen Antworten

Gewerkschafter Edgar Martin © Graf, AK

Mag. Annemarie Siegl forderte ebenfalls eine Erweiterung der Kompetenzen, mit denen flexibel auf Konflikte und Aggression reagiert werden könne: "Fertige Antworten und Techniken funktionieren hier nicht.2 Eine sichere Institution brauche Kommunikation, Vertrauen und Selbstvertrauen. In jedem dieser Bereiche seien unterschiedliche Maßnahmen zu setzen.
Über die praktische Umsetzung berichtete Edgar Martin von der Gewerkschaft union. Notwendig sei zum Beispiel eine Versicherung für die Beschäftigten: "Es kann ja nicht sein, dass man eine zerbrochene Brille nicht oder nur gnadenhalber ersetzt bekommt." Gut sei der Abschluss einer Betriebsvereinbarung, die konkrete Verpflichtungen und Ansprüche regelt. Eine Absage erteilte Martin der Aufstockung von Sicherheitsdiensten: "Das ist nur in spezielle Fällen sinnvoll und muss genau geregelt werden. Bei der aufsuchenden Pflege geht es gar nicht."

Möglichkeit für Veränderung

AK-Experte Alexander Gratzer © Graf, AK

Eine Möglichkeit für Veränderungen, die oft von oben nicht gewollt werden, sei die Gefährdungsmeldung, sagte Mag. Alexander Gratzer. Das sei eine detaillierte Information an Vorgesetzte über mögliche Gefährdungen von Beschäftigten und Patientinnen und Patienten. Damit erfülle man die eigene Sorgfaltsplicht als Beschäftigter, man entlaste sich dadurch vor möglichen straf- und haftungsrechtlichen Folgen und letztlich gebe man den Anstoß zu einer Verbesserung der Situation. Auf die konkreten Maßnahmen zur Gewaltprävention im Grazer Univ.-Klinikum im LKH ging Ing. Phlipp Kopp ein. Er ist Sicherheitsfachkraft und hat die Notfallpläne, vom akuten Gewaltfall bis zur Prävention, mitentwickelt.

Alles unter den Teppich gekehrt

Übel wurde einer Heimhilfe mitgespielt: Erst wurde die Frau von einem Patienten gewürgt, dann von ihrer Einrichtung im Stich gelassen.

Belastungen alarmierend

Für jeden zweiten Beschäftigten haben sich Arbeitsbedingungen verschlechtert, drei Viertel mit Bezahlung in Gesundheitsberufen unzufrieden.

Berufsrechte

Info für KrankenpflegerInnen, Hebammen, KardiotechnikerInnen, Med. und zahnärztliche Assistenzberufe, Masseure, Sanitäter, SozialbetreuerInnen.

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