31.5.2017

Über das Sterben reden

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Geriatrischer Konsiliardienst heißt das Grazer Projekt. Es geht um eine fachärztliche Betreuung vor Ort im Pflegeheim. Doch der beauftragte Mediziner Erwin Horst Pilgram sieht seine Aufgabe weiter gespannt. Er nimmt sich viel Zeit, um mit der Bewohnerin oder dem Bewohner im Altenheim über den letzten Lebensabschnitt zu reden. Er versuche, sagt der Internist und Theologe, "jetzt, wenn es noch geht" zum Nachdenken anzuregen, "was man will, wenn es ernst ist und man seine Wünsche nicht mehr äußern kann."

Lebensqualität vs. Lebensverlängerung

Fast jeder möchte im Schlaf sanft in den Tod rutschen, weiß der Medizinethiker. Die moderne Apparatemedizin könne das Leben wesentlich verlängern, "doch soll in jedem Fall alles technisch Machbare unternommen werden, ohne Sicht auf die Lebensqualität?", fragt er. Diese Entscheidung solle jede und jeder selbst treffen können. Seit Jahren gibt es in Österreich die Möglichkeit für eine Patientenverfügung, die dann greift, wenn man sich selbst nicht mehr zu einer gewünschten (z.B. Schmerztherapie) oder nicht erwünschten Behandlung äußern kann. Pilgram: "Dazu braucht es das Gespräch, dazu braucht es ein Vertrauensverhältnis und unabhängige Information."

Pflegepersonal wird entlastet

Er sei seit dem Start des Projekts vor fünf Jahren dabei, sagt Pilgram, und die Rückmeldungen seien positiv: "Die meisten Bewohnerinnen und Bewohner sind froh, dass darüber gesprochen wird. Und auch die Angehörigen." Für das Pflegepersonal sei es eine Entlastung, wenn es eine Ansprechperson bei kritischen Situationen gebe. Etwa bei der Frage der Nahrungsverweigerung: "Sind der Grund dafür Schmerzen oder will sie oder er nicht mehr leben?" Der Großteil der hochbetagten Menschen wolle keine Magensonde zur künstlichen Ernährung. Sei schon im Vorfeld darüber gesprochen worden, könne entsprechend dem Patientenwillen gehandelt werden.

Tabletten und Spital

Welche Auswirkungen seine Arbeit noch habe? "Ich durchforste die mit den Jahren gewachsenen Tablettenlisten." Die meisten Patientinnen und Patienten seien froh, wenn nicht mehr so viele Tabletten geschluckt werden müssen. Durch den regelmäßigen ärztlichen Konsiliardienst wird, wie eine Evaluation gezeigt hat, etwa die Hälfte der Akuteinweisungen in ein Spital vermieden.

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