9.8.2016

Unterstützung im Pflegealltag

Infotag für pflegende Angehörige im Kammersaal © Graf, AK Stmk

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Die Arbeiterkammer hat mit zwölf Kooperationspartnern zu einem „Tag der Pflege“ in den Grazer Kammersaal eingeladen: Geboten wurden sechs Kurzvorträge, ein Hauptreferat, Filme zum Pflegealltag sowie eine Aktivitätenecke, in der praktische Tipps zur Handhabung von Pflegebett und Rollator gegeben wurden. Kurzum ein gepflegtes Angebot, das rund 300 Interessierte intensiv nutzten – und das bei einer Veranstaltungsdauer von fünf Stunden.

Was den Schluss zulässt, dass das Thema unter die Haut geht und die vielen Ratschläge und Tipps gern angenommen werden. Denn es gehe laut Organisator Mag. Alexander Gratzer vor allem darum, eine richtige Pflege so zu organisieren, dass sie nicht als Belastung empfunden wird. „Die Arbeiterkammer will jene unterstützen, damit der Pflegealltag leichter von der Hand geht.“ Der Leiter der AK-Abteilung Gesundheit, Pflege und Betreuung informierte über Pflegeheimkosten, die je nach Pflegestufe zwischen 2.528 und 4.380 Euro betragen können.  Ab Stufe 4 werde ein Pflegeheimbedarf angenommen. Eine 24-Stunden-Betreuung koste, so Gratzer, rund 1.900 Euro pro Monat (Referatsunterlagen in der Infobox rechts).

Flächendeckende Hauskrankenpflege

Barriereübung mit dem Rollator © Selina Graf, AK Stmk

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Monika Klampfl-Kenny erläuterte die vom Land und den Gemeinden geförderten Pflegeangebote: Fünf Trägerorganisationen (allesamt mit eigenen Kojen bei der Veranstaltung vertreten) bieten in 100 Stützpunkten flächendeckend ihre mobilen Dienste an und führen 1,5 Millionen Hausbesuche jährlich durch. 65 Prozent der Kosten werden durch die öffentliche Hand gedeckt,  die Klientenbeiträge sind ebenso wie bei der Tagesbetreuung gestaffelt. Weiters stehen in wohnbaugeförderten Wohnhäusern 1.542 Plätze für betreutes Wohnen zur Verfügung.

Pflegegeld und Zuwendung für pflegende Angehörige

Das Pflegegeld beträgt derzeit 154,20 Euro netto (Stufe 1) bis 1.655,80 Euro (Stufe 7), berichtete AK-Experte Mag. Klaus Dobaj und führte aus, wie sich der Pflegebedarf errechnet. Außerdem verwies er auf die vom Bund getragene freiwillige Sozialversicherung für pflegende Angehörige, wobei die betreute Person mindestens Pflegestufe 3 aufweisen muss.

Claudia Posch vom Sozialministeriumservice informierte über eine Zuwendung für pflegende Angehörige, die seit mindestens einem Jahr eine Person (Minimum Pflegestufe 3) gepflegt haben. Für eine benötigte Ersatzpflege werden pro Jahr 1.200 bis 2.200 Euro (abhängig von der Pflegestufe) als Zuwendung ausbezahlt.

Pflegekarenz und Erbrecht

Seit dem Vorjahr haben ArbeitnehmerInnen die Möglichkeit, Pflegekarenz oder Pflegeteilzeit für einen befristeten Zeitraum mit ihrem Arbeitgeber zu vereinbaren, um Pflege zu organisieren oder selbst die Betreuung zu übernehmen. Die Pflegekarenz kann für mindestens ein bis drei Monate beantragt werden, so AK-Expertin Mag. Barbara Huber, das Pflegekarenzgeld richtet sich nach der Höhe des Arbeitslosengeldes. Schließlich hoffte Notar Mag. Dietmar Mühl, dass die Bundesregierung in einer geplanten Erbrechtsnovelle die Pflegeleistungen von Angehörigen im Verlassenschaftsverfahren berücksichtige. Geplant sei eine Abgeltung für höchstens drei Jahre Pflege, erstmals sollen dabei auch Lebensgefährten einen erblichen Anspruch erhalten.

Mut zur Verantwortung

Erwin Horst Pilgram © Selina Graf, AK Stmk

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Balsam für pflegende Angehörige verteilte schließlich der Internist Dr. Erwin Horst Pilgram in seinem Hauptvortrag. Es sei für ihn selbst die schmerzhafteste Erfahrung gewesen, als seine demenzkranke Mutter ihn nicht mehr erkannte, berichtete der Medizinethiker über eigene Grenzerfahrungen. Für zu Hause Betreute stelle sich oft die Frage Zusatznahrung und einer möglichen Wechselwirkung durch mehrfache Medikamenteneinnahme (Polypharmazie). Daher stelle sich das Problem, was wünschenswert oder welches Medikament absetzbar sei. Er ermutigte pflegende Angehörige, auf Hausverstand und Eigenkompetenz zu vertrauen. „Definieren Sie Ziele, wo Sie mit Ihren Angehörigen hin wollen und haben Sie Mut, Verantwortung zu übernehmen.“ Das Patientenwohl sei ein hohes Gut, aber Betreuungspersonen müssten auch auf sich selbst achten. „Wenn Sie auf sich schauen, geht alles andere nicht leichter, aber es geht.“

Zufriedene Besucher und Aussteller

„Ja, ich habe neue hilfreiche Informationen erhalten“, erklärte auf Anfrage eine Besucherin, deren Vater an fortschreitendem Parkinson leide. Über enormen Informations- und Broschürenbedarf konnten sich die Infostände freuen: Bei der Volkshilfe war man überrascht von den vielen gezielten Fragen der BesucherInnen. 

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