9.8.2016

Die größte Baustelle ist der Bereich Pflege

Gesundheitslandesrat Christopher Drexel zu Gast in der Grazer AK © Fotostudio 44, AK Stmk

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Mit einem Top-Programm beschäftigten sich die steirischen Berufsverbände der Gesundheits- und Sozialberufe bei der von der Arbeiterkammer organisierten Plattform-Tagung.

Zu Beginn der Tagung, deren TeilnehmerInnen die gesamte Breite der steirischen Beschäftigten in diesem Bereich abbildeten, gab der neu bestellte Landesrat für Gesundheit und Pflegemanagement, Mag. Christopher Drexler, einen Überblick über sein Ressort. „Die größte Baustelle ist der Bereich Pflege“, sagte Drexler, der zuvor die medialen Aufreger Strukturplan Gesundheit (Stichwort möglicher Weiterbestand LKH Hörgas-Enzenbach) und EU-Verfahren aufgrund überlanger ärztlicher Dienste gestreift hatte.

Nach dem vernichtenden Befund des Rechnungshofes, der vor allem die schlechte Datenlage, die mangelnde Bedarfs- und Entwicklungsplanung und die seltsame Verrechnung bemängelt hatte, sei ressortintern eine Einsatzgruppe zum Aufarbeiten der Kritikpunkte gebildet worden. Zur Entwicklung von fairen Verrechnungsmodellen sei man in Verhandlung mit den Sozialpartnern in diesem Bereich, also den Heimbetreibern, der Wirtschaftskammer und der Gewerkschaft, sagte der Landesrat. Insgesamt gehe es darum, eine langfristig verlässliche Finanzierung für die Pflege zu entwickeln. Der befristet vom Bund weiter geführte Pflegefonds werde überwiegend zur Finanzierung der stationären Pflege benötigt, sagte Drexler.

Kraftquellen gegen hohe Belastungen

Über die von der Arbeiterkammer in Auftrag gegebene Studie „Arbeitsbedingungen in den Gesundheits- und Sozialberufen“ berichtete Prof. (FH) Dr. Tom Schmid. Rund 27.000 Beschäftigte im Gesundheitswesen in der Steiermark wurden angeschrieben, der Rücklauf war mit 20 Prozent hoch. Die Hälfte der Befragten meint, in den vergangenen sechs Jahren haben sich die Arbeitsbedingungen verschlechtert, und auch die Zukunftsaussichten werden mehrheitlich negativ gesehen. Trotz dieser düsteren Einschätzung der Lage herrscht eine große Zufriedenheit mit der Berufswahl. Die Kraftquellen, um den vielen Arbeitsbelastungen zu trotzen, sind die Familie, Erholung und Abwechslung bei Hobbys, Sport und in der Natur sowie der Freundeskreis.

Die größten Arbeitsbelastungen sind die oft schwierige Arbeitshaltung, fordernde PatientInnen und schwere Lasten (jeweils von mehr als 50 Prozent genannt) sowie Bürokratie, Einsatz von zu wenig Personal, Zeitdruck, unangenehme Temperatur und schwierige Angehörigen (jeweils mehr als 33 Prozent). Und die Belastungen treten meist kumuliert auf. So ist auch die hohe Betroffenheit bei Burnout erklärbar: 39 Prozent der Beschäftigten im Gesundheits- und Sozialbereich zeigen eine beginnende oder fortgeschrittene Burnout-Symptomatik, fünf Prozent davon bereits im klinisch auffälligen Bereich. Männer und jüngere Personen sind stärker betroffen.

Die Schlussfolgerung des Experten: Belastungen, die durch den Inhalt der Arbeit entstehen (Heben, Tragen, Umgang mit Leid, …) können nicht gänzlich beseitigt aber gemildert werden. Belastungen, die sich durch die Arbeitsorganisation ergeben (Bürokratie, Personalnot, …), sind durch organisatorische Maßnahmen und mehr Ressourcen zu beseitigen.

Zusammenarbeit

Über das breite und weit in die Zukunft zeigende Thema „Gesund zusammenarbeiten – Gesundheits- und Sozialberufe im Dialog“ referierte ao. Univ. Prof. Dr. med. univ. Éva Rásky, MME, MSc (Geriatrie), Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie an der medizinischen Universität Graz.

Mag. Manuela Blum von der AK Wien schließlich berichtete über den neuesten Stand vom „Öffentlichen Register für Berufsberechtigte nach GuKG und MTD-G“. Alle Unterlagen der Referate bis auf jenes von LR Drexler stehen als Download (rechts) zur Verfügung.

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