Pflegekraft bei der Arbeit © Jacob Lund, stock.adobe.com
Für die Dauer der Corona-Pandemie sind neue rechtliche Bestimmungen im Gesundheits- und Pflegebereich in Kraft. © Jacob Lund, stock.adobe.com
08.07.2020

Covid-19: FAQ für Gesundheits- und Pflege­berufe

Die Arbeiterkammer dankt allen, die derzeit etwa in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen und Mobilen Diensten dazu beitragen, dass Menschen in dieser besonderen Situation gut versorgt werden. Ihr leistet großartige Arbeit! Danke!

Wir haben - ergänzend zu den allgemeinen Infos unter www.jobundcorona.at - einige Informationen speziell für diese Berufsgruppen zusammengefasst. 

Für einen Überblick zur aktuell veränderten Rechtslage durch Covid-19 siehe:

Muss ich eine Maske tragen?

Als grundlegendste Schutzmaßnahme gilt das Einhalten eines 1-Meter-Abstandes. Gerade in der Pflege und Betreuung ist es häufig nicht möglich, diesen immer einzuhalten. Wenn der Abstand nicht sicher durchgehend eingehalten werden kann, sollte ein Mund-Nasen-Schutz (eine sogenannte OP-Maske) getragen werden. Eine solche Maske bietet zwar keinen vollkommenen Schutz gegen das Einatmen von Viren, jedoch wird das Gegenüber geschützt.

Bei Verdacht oder einer bestätigten Covid-19-Erkrankung muss die betreuende Person, je nach Tätigkeit, eine FFP2- oder FFP3-Atemschutzmaske, Haube, Handschuhe, Schutzkleidung und Schutzbrille tragen.

Ist der Patient/die Patientin klinisch gesund, muss keine Schutzausrüstung getragen werden. Zum Schutz der zu betreuenden Person wird aber auch hier das Tragen einer OP-Maske empfohlen.
=> weitere Informationen unter www.arbeitsinspektion.gv.at

Für Schwangere gibt es spezielle Regelungen:
 => weitere Infos 

Welche Änderungen ergeben sich generell bei Gesundheits- und Pflege­berufen?

Für die Dauer der Pandemie wurden Sonderregelungen auf Basis des 2. COVID-19-Gesetzes in einzelnen Berufsrechten geschaffen.

Sanitäterinnen und Sanitäter

Für die Dauer der Pandemie können auch Personen die Tätigkeiten von Sanitäterinnen und Sanitätern beruflich ausüben, die kein entsprechendes Berufsmodul absolviert haben - Sanitätergesetz (SanG) § 14 Abs 4

Für die Dauer der Pandemie dürfen vorübergehend auch all jene Personen als Sanitäter oder Sanitäterin tätig sein, denen die vorgeschriebene Fortbildung und Rezertifizierung fehlt. Das gilt vorübergehend auch für Personen, die bereits mehr als 100 Fortbildungsstunden im Rückstand sind. (SanG § 26 Abs 4).
Sanitäter und Sanitäterinnen dürfen Abstriche aus Nase und Rachen durchführen, um die Testung auf zum Beispiel das Corona-Virus zu ermöglichen (SanG § 9 Abs 1).

Medizinisch-technische Dienste (MTD-Berufe)

Darunter fallen:

  • Biomedizinische Analytiker/-innen
  • Diätologen/-innen
  • Ergotherapeuten/-innen
  • Logopäden/-innen
  • Orthoptiker/-innen
  • Physiotherapeuten/-innen
  • Radiologietechnologen/-innen

Personen, die für ihre MTD-Ausbildung im Ausland eine Anerkennung oder eine Nostrifikation erhalten haben, müssen zumeist vorgeschriebene Auflagen, wie etwa Ergänzungsausbildungen, erfüllen, bevor sie in Österreich tätig werden können. Für die Dauer einer Pandemie dürfen sie das auch dann, wenn die verlangten Ergänzungsausbildungen noch nicht abgeschlossen sind.

Auch in den medizinisch-technischen Laboratoriumsdiensten gibt es für die Dauer einer Pandemie Sonderregelungen. 

So können Laboruntersuchungen vom Fachpersonal vorübergehend auch ohne ärztliche Anordnung durchgeführt werden. Und um ausreichend Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den medizinischen Laboren sicherzustellen, dürfen während einer Pandemie auch Menschen medizinische Laboruntersuchungen machen, die ein geeignetes naturwissenschaftliches oder veterinärmedizinisches Studium abgeschlossen haben MTD-Gesetz (MTD-G) § 4 Abs 5

=> Sonderregelung zur nachträglichen Registrierung

Gesundheits- und Krankenpflege

Für die Dauer einer Pandemie dürfen Personen ohne pflegerische Ausbildung und ohne die Qualifikation "Unterstützung in der Basisversorgung", kurz UBV, unterstützende Tätigkeiten bei der Basisversorgung durchführen. Dabei ist auf die entsprechende Dokumentation zu achten und sicherzustellen, dass alle Informationen über Veränderungen des Zustandes des begleiteten Menschen an die anordnende Pflegeperson weitergegeben werden.
Gesundheits- und Krankenpflegegesetz (GuKG) § 3a Abs 7

Personen, die für ihre Pflegeausbildung im Ausland eine Anerkennung oder eine Nostrifikation erhalten haben, müssen zumeist vorgeschriebenen Auflagen, wie zum Beispiel Ergänzungsausbildungen erfüllen, bevor sie in Österreich tätig werden können. Für die Dauer einer Pandemie dürfen sie das auch dann, wenn die verlangten Ergänzungsausbildungen noch nicht abgeschlossen sind.

Das gilt sowohl für den gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege als auch für die Pflegeassistenzberufe.

=> Sonderregelung zur nachträglichen Registrierung

Muss ich mich weiterhin registrieren lassen?

Für die Dauer der Pandemie Covid-19 gibt es bei der Registrierung Änderungen. So dürfen auch Personen des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege, Pflegeassistenzberufe und Personen des gehobenen medizinisch-technischen Dienstes (MTD-Berufe), welche nicht im Gesundheitsberuferegister (GBR) eingetragen sind, den Beruf ausüben. Dies gilt dann, wenn ein entsprechender Qualifikationsnachweis erbracht werden kann oder Qualifikationen, die im Ausland erworben wurden, anerkannt (nostrifiziert) sind.
=> weitere Infos

Ich bin schwanger, darf/muss ich weiter­arbeiten?

Es liegen bis jetzt nur wenige Erfahrungen mit Schwangeren vor. Ganz allgemein gilt aber, dass aufgrund der physiologischen und immunologischen Umstellungen während der Schwangerschaft eine erhöhte Empfänglichkeit für Infektionen nicht ganz ausgeschlossen werden. Siehe dazu auch die Website der AGES.

In Bereichen, in denen der Schutzabstand sicher nicht eingehalten werden kann, wie im Gesundheitsbereich oder in der Kleinkinderbetreuung, dürfen Schwangere nicht arbeiten. Das Tragen von Atemschutzmasken der Art FFP2 oder FFP3, aber auch FFP1 erschwert die Atmung und ist daher für Schwangere verboten. Hinweis: Mund-Nasen-Schutz (MNS, "OP-Masken") stellt keinen Atemschutz im Sinn von persönlicher Schutzausrüstung dar. Schwangere dürfen erforderlichenfalls einen solchen verwenden. Da das Tragen dieser Maske jedoch auch mit einem gewissen Atemwiderstand verbunden ist, sollte darauf geachtet werden, dass die durchgehende Tragedauer eine Stunde nicht übersteigt und dann eine Pause gemacht wird.

Laut Arbeitsinspektorat gibt es anhand der bisherigen Forschung keinen Hinweis darauf, dass eine besondere Gefährdung von Schwangeren vorliegt. Empfohlen wird aber generell, dass schwangere Kolleginnen – wo möglich - aus dem direkten Kundenkontakt abgezogen werden..
=> weitere Infos

Für aktuelle Infos siehe www.arbeitsinspektion.gv.at

Aktuell wird an Lösungen gearbeitet. Wir informieren Sie laufend. Einige Arbeitergeber haben bereits zum Schutz schwangerer (gravider) Kolleginnen spezielle Lösungen geschaffen wie etwa Dienstfreistellung oder Versetzungen. Bitte erkundigen Sie sich bei Ihrem Betriebsrat und Arbeitgeber.

Wichtig: Das Kinderbetreuungsgeld reduziert sich nicht, sollten Untersuchungen, die im Mutter-Kind-Pass vorgesehen sind, aufgrund der derzeitigen Einschränkungen nicht durchgeführt werden können. Und: Kurzarbeit hat keine Auswirkungen auf das Wochengeld.
=> weitere Infos

Ich gehöre einer Risikogruppe an, muss/darf ich trotzdem arbeiten?

Seit 6. 5. 2020 gilt ein neues Bundesgesetz, das gemeinsam mit einer dazugehörigen Verordnung des Gesundheitsministers jene Vorerkrankungen definiert, die – aus medizinischer Sicht – vor einer Infektion mit COVID-19 ganz besonders zu schützen sind.

Eine Aufzählung der möglichen Vorerkrankungen findet sich in § 2 der COVID-19-Risikogruppe-Verordnung. Sie ist jedoch nicht abschließend: Der behandelnde Arzt kann auf Grund seiner Expertise auch dann die Zugehörigkeit zur Risikogruppe attestieren, wenn Sie an ähnlich schweren Erkrankungen mit funktionellen oder körperlichen Einschränkungen leiden oder litten.

Klargestellt wurde nunmehr, dass es sich bei der betroffenen Gruppe der "Risikopersonen" um Menschen handelt, die sehr schwere Vorerkrankungen haben und wissenschaftlich belegt besonders gefährdet sind. Die Lösung gilt nun auch für alle Beschäftigten – auch für jene, die etwa in versorgungskritischen Bereichen arbeiten.

Siehe auch: Job und Corona: Schutz im Betrieb

Bitte klären Sie Ihr medizinisches Anliegen jedenfalls mit dem Betriebsrat und der Arbeitsmedizin beziehungsweise Ihrem Hausarzt ab.

Ich bin in Berufs­ausbildung. Wie geht es weiter?

Die Bestimmungen über die Durchführung von Ausbildungen in Gesundheitsberufen im Zusammenhang mit dem Coronavirus, die von 16. März bis 26. April 2020 galten, wurden wieder abgeändert. Seit 12. Juni 2020 gibt es aktualisierte Empfehlungen zur theoretischen beziehungsweise praktischen Ausbildung im Gesundheitsbereich.

Für weitere Informationen siehe: Aktualisierte Information über Durchführung von Ausbildungen in Gesundheitsberufen im Zusammenhang mit dem Coronavirus (12.06.2020)

Für weitere Fragen zu Ihrer Ausbildung kontaktieren Sie bitte Ihre Ausbildungsstätte bzw. die Abteilung Gesundheit, Pflege und Betreuung der AK Steiermark per E-Mail gesund.pflege@akstmk.at oder telefonisch unter 05 7799 – 2577. 

Hat Covid-19 Auswirkungen auf meine Sonderausbildungen/Spezialisierungen?

Für die Dauer der Pandemie wird die Frist von fünf Jahren gemäß Art. 38 3. Covid-19 Gesetz gehemmt. Weiters sind Berufsangehörige, die bereits bis zu fünf Jahre Tätigkeiten einer Spezialisierung ausgeübt und nicht die entsprechende Sonderausbildung bzw. Spezialisierung erfolgreich absolviert haben, für die Dauer einer Pandemie berechtigt, über die Kompetenzen gemäß §§ 14 bis 16 hinausgehende Tätigkeiten dieser Spezialisierung auszuüben. Siehe § 17 GuKG.

Ich will im Herbst eine Ausbildung zu einem Gesundheits- und Sozialbetreuungsberuf beginnen. Ist das möglich?

Durch die Covid-Pandemie ergeben sich Auswirkungen auf Anmeldefristen, Zulassungsprüfungen etc. Hier wurden spezielle Lösungen geschaffen. Für eine tagesaktuelle Information zu Ihrer gewünschten Ausbildung wenden Sie sich bitte an Ihre (gewünschte) Ausbildungsstätte und die Kolleginnen und Kollegen der AK-Bildungsberatung (Bildungsberatung AK Steiermark)

Kann ich mir diverse Covid-Tätigkeiten für meine Ausbildung anrechnen lassen?

Unter bestimmten Bedingungen gibt es Möglichkeiten, siehe dazu Art. 23 § 3 3. Covid-19 Gesetz (Sondervorschriften) für die Anerkennung bestimmter Tätigkeiten.

Empfehlungen zu Schutzmaßnahmen

Das Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz gibt Empfehlungen zu Covid-19 Schutzmaßnahmen für Beschäftigte in Krankenanstalten sowie für die Pflege und Betreuung in teil-/stationären Einrichtungen bzw. in der 24-Stunden-Betreuung.

Für weitere Informationen siehe: Informationen des Ministeriums

Können Masken im Krankenhaus wieder aufbereitet werden?

Unter bestimmten Bedingungen ja. Es braucht klare Hygienemaßnahmen. Siehe dazu den aktuellen Erlass aus dem Zentralen Arbeitsinspektorat vom 25. 3.2020.

Was ändert sich sonst noch in meinem Arbeits­feld?

Das 2. Covid-2019-Gesetz enthält Änderungen für den Einsatz von Ärzten und Ärztinnen, Apotheken, Meldepflichten, Datenübermittlung, Bereitstellung von Hilfsmitteln, Ausstellung von Rezepten.
=> Weitere Informationen siehe 2. COVID-19-Gesetz

HINWEIS

Beachten Sie bitte auch die Links zu weiteren Informationen bzw. Fachinformationen am Ende der Seite.

Ändert sich etwas bei den Vorgaben zur Personal­berechnung?

Aufgrund der Covid-19-Krise kann in Pflegeheimen der Personalschlüssel unterschritten werden, dies jedoch nur dann, wenn die Pflege und Betreuung gewährleistet werden kann und das Fach- und Hilfspersonal nicht im vorgeschriebenem Ausmaß zur Verfügung steht.
=> weitere Infos

Wir informieren laufend über neue Entwicklungen.

Mund-Nasen-Schutzmasken

Das Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz gibt eine Übersicht über die unterschiedlichen Einsatzbereiche von verschiedenen Masken im Gesundheits- und Sozialbereich: Übersicht Einsatzbereiche verschiedener Maskenarten und Mund- Nasen-Schutzes im Gesundheits- / Sozialbereich (21. April  2020) 

Wie diese Masken richtig verwendet werden und viele andere Fragen werden hier beantwortet.

Für weitere Informationen siehe: Informationen des Ministeriums

Lockerung der Besuchs­beschränkungen in den Alten- und Pflege­heimen und Kranken­häusern

Die bestehenden Besuchs­beschränkungen sollen beginnend mit 4. Mai 2020 schrittweise gelockert werden. Die Durchführung basiert auf den Empfehlungen des Bundesministeriums zur schrittweisen Lockerung der Besuchsbeschränkungen (28.04.2020) und der Empfehlungen zur schrittweisen Rückkehr zum Alltag (09.06.2020). Die Gestaltungs­verantwortung liegt allerdings bei den Heimen.

Für Kranken­häuser gelten die Empfehlungen des Bundesministeriums zur Anpassung der Besuchsregelungen in Krankenanstalten, Rehabilitationseinrichtungen und Sanatorien (29.05.2020).

Weitere Informationen zu den Besuchsregelungen in den steirischen Landeskrankenhäusern und Landespflegezentren finden Sie hier.

Für konkrete Fragen zu Ihrem Arbeitsplatz wenden Sie sich bitte an Ihren Betriebsrat beziehungsweise Ihre Führungs­kraft.

Empfehlungen zur schrittweisen Rückkehr zum Alltag im Chancengleichheitsbereich 

Das Sozialministerium hat am 18. Juni 2020 Empfehlungen zur schrittweisen Rückkehr  zum Alltag in den Einrichtungen und Programmen der Behindertenhilfe der Länder herausgegeben.

Für Fragen zur Lockerung für Ihren Arbeitsplatz wenden Sie sich bitte an ihren Betriebsrat bzw. die Kollegen/-innen der AK-Rechtsberatung.

Wo bekomme ich weitere Informationen?


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