21.1.2014
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Alarmglocken im Gesundheitsbereich

Personalmangel und Personalabbau, Sparmaßnahmen, hoher Druck von oben, Zeitdruck, mehr Bürokratie, Schwäche der Führung: Aus all diesen Gründen haben sich die Arbeitsbedingungen in den Gesundheits- und Sozialberufen in den vergangenen 6 Jahren für fast 55 % der Beschäftigten „sehr“ oder „eher“ verschlechtert. Wenig rosig sind auch die Zukunftsaussichten: Mit knapp 52 % geht mehr als die Hälfte davon aus, dass sich die Arbeitsbedingungen in Zukunft weiter verschlechtern werden.

Studienautor Dr. Tom Schmid und AK-Präsident Josef Pesserl © Fotostudio 44, AK Stmk

Das sind die alarmierenden Ergebnisse einer Studie, die die steirische Arbeiterkammer bei der „Sozialökonomischen Forschungsstelle“ (SFS) in Auftrag gegeben hatte. Wichtiger Bestandteil dieser Studie ist die Auswertung einer Fragebogenerhebung, an der sich rund 5.500 von 27.000 Beschäftigten in den Gesundheits- und Sozialberufen in der Steiermark beteiligt haben. „Schon allein die ungewöhnlich hohe Rücklaufquote von mehr als 20 % unterstreicht die Brisanz dieses Themas“, stellt Studienautor, Prof. Dr. Tom Schmid, fest. Für die qualitativen Interviews wurden per Zufallsstichprobe 1.000 Personen ausgewählt.

Einige Ergebnisse der Studie:

  • Die Gründe für die Berufswahl zeigt die hohe Motivation der Beschäftigten in diesem Sektor: 93 % gaben „Interesse“, 86 % „Freude am Helfen“ als Grund für die Berufswahl an.

  • Wenig motivierend ist hingegen die Bezahlung. Knapp drei Viertel sind damit unzufrieden.

  • Bei den genannten Belastungen stehen „Einsatz von zu wenig Personal“, „Bürokratie“, „Unter großem Zeitdruck“, „Arbeitshaltung“, aber auch „fordernde PatientInnen“ an der Spitze.
  • Besonders alarmierend ist, dass 39 % eine beginnende oder bereits fortgeschrittene Burnout-Symptomatik zeigen, 5,4 % sogar im klinischen Bereich.
  • Immerhin mehr als 57 % gaben an, dass es in ihrem Betrieb gesundheitsfördernde Maßnahmen gebe, allerdings nahmen nur 14 % auch an betrieblichen Gesundheitsförderungsprogrammen teil (weitere Details im Download rechts)

Beschäftigte am Limit

Für den Präsidenten der steirischen Arbeiterkammer, Josef Pesserl, bestätigen die Studienergebnisse die Eindrücke, die er bei Betriebsbesuchen in Gesundheits- und Sozialeinrichtungen gesammelt hat: „Einerseits zeichnet sich gerade dieser Berufsstand durch hohe Motivation aus, die Beschäftigten werden aber durch den in manchen Bereichen eklatanten Personalmangel zermürbt“. Diese Tatsache sei umso dramatischer, als diesem Berufsstand vor dem Hintergrund der Leistungen der Medizin und der steigenden Lebenserwartung immer höhere Bedeutung zukommt, so Pesserl: „In Wirklichkeit müssten also gerade die Beschäftigten in den Gesundheits- und Sozialberufen gehegt und gepflegt und nicht durch ständige Überlastung und unterdurchschnittliche Bezahlung demotiviert werden.“

Finanzierungskonzept im Pflegebereich

Konkret fordert der AK-Präsident:

  • Stopp dem „Sparwahn“ im Gesundheits- und Sozialwesen. „Nichts gegen Effizienzsteigerungen und das Heben von Synergien. Aber die Beschäftigten sind bereits jetzt am Limit“.
  • Endlich ein seriöses Finanzierungskonzept für den immer wichtiger werdenden Pflegebereich, entweder durch einen ausreichend dotierten Pflegefonds oder die Einführung einer Pflegeversicherung: „Der Pflegeregress ist das Gegenteil einer solidarischen Finanzierung und gehört daher abgeschafft.“ Der Pflegeschlüssel in Pflegeheimen müsse erhöht werden.
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