5.4.2017

Frauenbeschäftigungshoch – bei niedrigem Einkommen

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Mit 229.678 berufstätigen Frauen in der Steiermark wurde im Vorjahr ein Rekordwert erreicht. Durch die hohe Teilzeitquote ist es um die finanzielle Absicherung von Frauen aber nach wie vor schlecht bestellt. Heute Teilzeitbeschäftigte – morgen Mindestpensionistin. Für viele berufstätige Steirerinnen könnte diese verhängnisvolle Rechnung einmal aufgehen. Zwar sind heute so viele Frauen in den Arbeitsmarkt integriert wie noch nie (2016 plus 1,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr), aber bis zur echten Gleichstellung und einer ebenso tragfähigen Alterssicherung wie bei Männern ist es noch ein weiter, steiniger Weg. Denn 49,5 Prozent der Frauen arbeiten in Teilzeit.

Achtung Armutsfalle

Ein Job mit reduziertem Stundenausmaß kann zwar eine gute Übergangslösung zwischen Babypause und Vollzeitarbeit sein; auf die Dauer wird er jedoch zur Armutsfalle. Nicht jede Frau arbeitet freiwillig Teilzeit, wobei es zwei verschiedene Arten von Zwängen gibt, wie AK-Gleichstellungsreferentin Mag. Bernadette Pöcheim erklärt: "Zahlreiche Frauen können nicht mehr bezahlte Arbeit übernehmen, weil ihr Tag schon reichlich mit unbezahlter Arbeit in der Familie und im Haushalt ausgefüllt ist. Andere wiederum – und das sind gar nicht wenige – wären sofort bereit, im vollen Ausmaß erwerbstätig zu sein, wenn es am Arbeitsmarkt entsprechende Angebote gäbe." Nur rund ein Drittel der steirischen Arbeitnehmerinnen wünscht sich wirklich einen Teilzeitjob; der Rest würde die Arbeitsstunden gerne aufstocken. 

AMS will gegensteuern

In der Steiermark werden rund vier von zehn Ehen wieder geschieden, dazu kommen unzählige Trennungen, bei denen die Partner nicht miteinander verheiratet gewesen waren: Eine finanzielle Alterssicherung über den Partner ist also eine äußerst riskante Form der Vorsorge. Aus diesem Grund nimmt die Förderung existenzsichernder Frauenberufstätigkeit in den Planungen des Arbeitsmarktservice einen hohen Stellenwert ein: Obwohl der Frauenanteil unter den Arbeitslosen nur 42 Prozent beträgt, sind heuer mehr als die Hälfte der AMS-Fördergelder für die Qualifizierung von Frauen reserviert. Ganz neu werden seit Herbst auch bestimmte Fachhochschulstudien für Frauen gefördert: Luftfahrt, Internettechnik und Industriewirtschaft. Trotz bisheriger guter Erfolge bei der Vermittlung von Frauen in technische Berufe bleibt es schwierig, Arbeitnehmerinnen und Betriebe zusammenzubringen. "Da gibt es oft auf beiden Seiten Vorbehalte", betont Pöcheim. "Es ist und bleibt viel zu tun in der Arbeitsmarktpolitik für Frauen", fasst daher die stellvertretende steirische Landesgeschäftsführerin des AMS, Mag. Christina Lind, zusammen.

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