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Zwei Drittel gehen auch krank arbeiten

Fast zwei Drittel der steirischen ArbeitnehmerInnen sind schon mindestens einmal wegen Personalmangels oder aus Angst um den Arbeitsplatz krank arbeiten gegangen. Die umstrittenen Eintageskrankenstände sind nur eine verschwindende Minderheit.

Nur wenige Eintageskranke

Die Kampagne der Wirtschaft gegen sogenannte Kurzkrankenstände gipfelt in der Forderung, dass der erste Krankenstandstag nicht mehr bezahlt werden soll. Anlass genug für die steirische Arbeiterkammer, eine Umfrage beim Grazer Meinungsforschungsunternehmen bmm über das tatsächliche „Krankenstandsverhalten“ steirischer ArbeitnehmerInnen in Auftrag zu geben. „Eintageskrankenstände sind die Ausnahme, krank arbeiten zu gehen, ist die Regel“, fasst bmm-Geschäftsführerin Mag. Claudia Brandstätter, die Ergebnisse der Umfrage unter 500 ArbeitnehmerInnen zusammen.


Die wichtigsten Ergebnisse im Detail (siehe Infobox)


Brandstaetter_Rotschaedl © Langmann, AK Smtk


  • 39,7 % waren im Laufe des Jahres 2012 das letzte Mal in Krankenstand, 25,4 % 2011 und 30,5 % vor dem Jahr 2011.
  • Durchschnittlich hat der letzte Krankenstand 10,1 Tage gedauert, nur 2,2 % dauerten einen Tag.
  • 63,4 % gaben an, schon mindestens einmal krank arbeiten gegangen zu sein (Vergleichswert 2007 55,7 %). Als Begründung gaben rund 15 % Angst um den Arbeitsplatz bzw. Druck des Arbeitgebers an, Hauptgrund war, dass die Arbeit aufgrund mangelnder personeller Ressourcen liegen bleibe oder von den KollegInnen mit erledigt werden müsse.
  • 45,2 % haben aus den gleichen Gründen schon mindestens einmal einen Krankenstand vorzeitig beendet.
  • Von der Forderung der Wirtschaft, den ersten Krankenstandstag nicht mehr zu bezahlen, haben 43 % bereits gehört. 58,4 % davon glauben, dass längere Krankenstände die Konsequenz daraus wären.
  • Betriebliche Gesundheitsförderung bleibt trotz Fortschritten ein Minderheitenprogramm: 37,2 % der Befragten gaben an, in einem Betrieb zu arbeiten, der solche Programme anbieten. Das sind zwar deutlich mehr als vor fünf Jahren (26,5%), damit scheint aber der Plafond erreicht. Nur 1,9 % jener ArbeitnehmerInnen, in deren Betrieb es noch keine Gesundheitsförderung gibt, glauben, dass es in Zukunft ein Angebot geben wird.
  • Gleichzeitig sagen fast 70 %, dass der Druck auf dem Arbeitsplatz in den vergangenen 5 Jahren gestiegen sei.

Alarmierende Ergebnisse

Für den Präsidenten der steirischen Arbeiterkammer, Walter Rotschädl, zeichne der Krankenstandsreport ein alarmierendes Bild von einer Arbeitswelt, die einerseits durch den steigenden Druck krank mache und andererseits bereits krank gewordene ArbeitnehmerInnen nötigt, arbeiten zu gehen: „Die gesundheitlichen Folgen sind unabsehbar“. Rotschädl fordert die Unternehmen daher auf, endlich umzudenken: „Nur gesunde Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind auf Dauer motiviert, belastbar und kreativ“.

In dieses Bild passe auch, dass betriebliche Gesundheitsförderung nach wie vor ein Minderheitenprogramm sei und auf absehbare Zeit wohl auch bleiben werde. Dies sei umso unverständlicher, als betriebliche Gesundheitsförderung eine Winwin-win-Situation darstelle. Sie bringe mehr Lebensqualität für den einzelnen, eine Kostenreduktion für die Unternehmen durch weniger Fehlzeiten und eine Kostenersparnis für das Gesundheitswesen. Die AK fordere daher eine gesetzliche Verpflichtung zu betrieblichen Gesundheitsförderungsprogrammen.

Was die Forderung der Wirtschaft nach einer Nichtbezahlung des ersten Krankenstandstages betrifft, sei das nicht mehr als ein Ablenkungsmanöver und der plumpe Versuch, Kosten auf dem Rücken kranker MitarbeiterInnen zu sparen.

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