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Fürs Arbeiten im Homeoffice gibt es nun klare Regelungen. © cherryandbees, adobe.stock.com
28.1.2021

Homeoffice: Das bedeutet das neue Sozialpartner-Paket für Beschäftigte

Telearbeit bzw. Arbeiten im Homeoffice hat seit Beginn der Corona-Krise im Vorjahr deutlich zugenommen. Nun haben sich die Sozialpartner und die Bundesregierung auf eine gesetzliche Regelung für die Arbeit im Homeoffice geeinigt. Das Paket, das vom Parlament noch beschlossen werden muss, bietet klare und faire Regeln für Beschäftigte und Betriebe.

Eckpunkte des Homeoffice-Pakets

Freiwilligkeit

  • Homeoffice bleibt weiter freiwillig, es gibt keine Pflicht.
  • Für Homeoffice ist eine schriftliche Einigung zwischen ArbeitnehmerInnen und ArbeitgeberInnen erforderlich.
  • Es gibt bei Homeoffice-Vereinbarungen ein Rücktrittsrecht (aus wichtigem Grund mit einmonatiger Frist). 

Betriebsvereinbarung

  • Homeoffice ist Gegenstand einer Betriebsvereinbarung, dazu wird es künftig einen eigenen Betriebsvereinbarungstatbestand geben. Dies wird auch fix im Arbeitsverfassungsgesetz verankert.
  • Das ermöglicht die konkrete Vereinbarung von z. B. Stundenausmaß, Arbeitsmittel oder Aufwandersatz bei Homeoffice.

Arbeitsmittel und Aufwandersatz

  • ArbeitgeberInnen stellen ArbeitnehmerInnen grundsätzlich die Arbeitsmittel zur Verfügung.
  • Stimmen ArbeitnehmerInnen zu, im Homeoffice eigene Mittel zu verwenden, steht ihnen ein Aufwandersatz zu.
  • Bei Verwendung eigener digitaler Arbeitsmittel (Laptop, Handy, Internetkosten) gibt es künftig einen Kostenersatz.
  • ArbeitgeberInnen können weiterhin einen Beitrag für laufende Mehrkosten (Strom, Heizung) übernehmen. Diese Kosten können auch in Form einer Pauschale ersetzt werden.

Steuerliche Absetzbarkeit

  • Zahlungen der ArbeitgeberInnen für Kosten im Homeoffice wie Pauschalabgeltungen für digitale Arbeitsmittel oder freiwillige Zahlungen sind künftig im Rahmen eines Homeoffice-Pauschales von 3 Euro pro Tag, maximal 300 Euro im Jahr, steuer- und Sozialversicherungsfrei (derzeit sind solche Zuschüsse steuerpflichtig). Wird das Pauschale nicht ausgeschöpft, kann die Differenz als Werbungskosten geltend gemacht werden.
  • Kosten für ergonomisches (Büro)-Mobiliar (vorzuweisen mittels Beleg) sind künftig mit bis zu 300 Euro pro Jahr absetzbar.
  • Diese neuen Regeln gelten in den Jahren 2021 bis 2023, dann werden sie einer Evaluierung unterzogen. Für das Jahr 2020 gelten noch die alten Bestimmungen. Damit aber die Kosten für im Jahr 2020 angeschafftes Mobiliar nicht verfallen, können Teile des 300-Euro-Rahmens für 2021 ins Jahr 2020 vorgezogen werden. Belege aus dem Jahr 2020 sollten also aufgehoben werden.
  • Bestehende Regelungen wie Pendlerpauschale und Absetzbarkeit digitaler Arbeitsmittel (sofern sie das Homeoffice-Pauschale übersteigen) bleiben aufrecht.

Arbeitsrecht, ArbeitnehmerInnenschutz, Haftung

  • Alle Bestimmungen des Arbeitszeitgesetzes, Arbeitsruhegesetzes und die anwendbaren Bestimmungen des Arbeitnehmerschutzgesetzes gelten auch im Homeoffice.
  • ArbeitgeberInnen haben die Pflicht, ArbeitnehmerInnen zur ergonomischen Gestaltung des Arbeitsplatzes bzw. bei Fragen zur Sicherheit und zum Gesundheitsschutz zu unterweisen.
  • Für den Arbeitsplatz im Homeoffice wird es Infomaterialien und Mustervorlagen für eine Arbeitsplatzevaluierung geben. 
  • Die sogenannte Mäßigungsmöglichkeit für Schadenersatz im Dienstnehmerhaftpflichtgesetz wird auf Angehörige der ArbeitnehmerInnen ausgeweitet – wenn zum Beispiel das Kind Kakao über den Laptop schüttet.

Unfallversicherungsschutz

  • Jener Unfallversicherungsschutz, der Arbeitsunfälle im Homeoffice besser schützt und bis 31. März 2021 befristet war, geht in Dauerrecht über.
  • Das betrifft auch Wegunfälle vom Homeoffice in die Arbeitsstätte, zu Arztterminen oder wenn man Kinder in Kindergarten/Schule bringt und ins Homeoffice zurückgeht.
  • Nicht umfasst sind Wege aus dem Homeoffice, um z. B. Essen im Supermarkt zu besorgen.

Video: AK-Experte zu neuen Homeoffice-Regeln



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