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„Flunkern“ in der Arbeit

Schätzungen gehen davon aus, dass wir bis zu 200 Mal am Tag lügen, wenn man Ausreden, Notlügen, Prahlereien, oder das Weglassen unangenehmer Tatsachen bis zur faustdicken Lüge zusammenzählt. Am häufigsten wird gelogen, um Ärger zu vermeiden. Werner Stangl, Psychologe an der Uni Linz: „Ob etwas als schlimme Lüge oder als lässliche Verdrehung der Wahrheit gewertet wird, ist oft eine Frage des Motivs. Es macht natürlich einen großen Unterschied, ob zur Manipulation anderer Menschen, aus Rache, aus Höflichkeit, zur Selbstdarstellung oder zum Schutz von anderen oder zum Selbstschutz, gelogen wird“.

„Böse“ Lügen

Problematisch werden Lügen dann, wenn sie gezielt eingesetzt werden, um andere zu täuschen und zu benachteiligen. Wenn jemand ein Produkt anpreist, dann ist das für ihn „Marketing“. Der Kunde dagegen hat ein Recht auf gute Beratung und darauf, dass er nicht betrogen wird. Unfair wird es, wenn jemand einen Gebrauchtwagen verkaufen will und dabei nur über die grandiose Beschleunigung des Autos spricht. Und dabei „vergisst“, dass der Wagen schon einen schweren Unfall überstanden hat. Dann wird der arglose Käufer betrogen, hier wurde nicht gelogen, aber eine wichtige Information unterschlagen, zum Schaden des Käufers.

Manchmal ist aber nicht die Lüge der Vertrauensbruch, sondern die Frage, die bereits indirekt zur Lüge auffordert. Wenn etwa bei Bewerbungsgesprächen ein künftiger Arbeitgeber nach der politischen Gesinnung, Krankheiten und einem Babywunsch fragt und so den Bewerber oder die Bewerberin in eine schwierige Situation bringt: Lügen oder den neuen Job riskieren? Solche Fragen sind zu Recht im Bewerbungsgespräch nicht erlaubt.

„Gute“ Lügen

Lügen können aber auch andere Menschen schützen: Experten nennen das „prosoziales Lügen“. Um jemanden zu schonen, verschweigen wir Tatsachen oder „frisieren“ die Wahrheit.

Wenn Sie im Büro ausrichten, dass der Kollege in einer Besprechung sitzt, ist das oft im strengen Sinne gelogen. Aber der Kollege dankt es Ihnen, weil er endlich mal eine Stunde in Ruhe arbeiten kann. Der Begleiter einer Reisegruppe, der in einem Notfall seine Schützlinge mit einer beruhigenden Meldung in Sicherheit wiegt, verhindert vielleicht eine Panik und damit Schlimmeres. Die ganze Wahrheit war zeitweise fehl am Platz.

Sehr schnell verstricken sich Lügner in Widersprüche und werden dann rasch entlarvt. Wer also zur Lüge ansetzt, sollte vorher genau überlegen, ob er das „Lügengebäude“ auch beibehalten will und wohin das führen könnte. Dabei sollte man auch die Wirkung bedenken, wenn die Lüge auffliegt. Wer einmal lügt, dem glaubt man so schnell nicht wieder. Und das ist vielleicht der viel schlimmere Schaden.


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