04.05.2018 | Artikel in englischer Sprache
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Belegschaft zweiter Klasse

Leiharbeit ist wieder stark im Vormarsch

Leiharbeiter/-innen blicken wenig optimistisch in die Zukunft ihres Betriebes, bewerten ihre eigenen Rechte negativ und sind mit ihrer Arbeit und ihrem Leben insgesamt unzufrieden.

Einst sollte Leiharbeit zur Abdeckung von Produktionsspitzen dienen, heute ist sie vielerorts zur betrieblichen Normalität geworden. Rund 85.000 Menschen sind in Österreich als Leiharbeiter/-in beschäftigt, zwei Drittel sind Männer, drei Viertel arbeiten im Gewerbe, Handwerk oder in der Industrie. Durchschnittlich werden Leiharbeitskräfte für 56 Tage überlassen. 

Bildung schützt vor Leiharbeit nicht 

Knapp die Hälfte der Leiharbeiter/-innen hat Migrationshintergrund. 22 Prozent haben maximal die Pflichtschule abgeschlossen, 43 Prozent eine Lehre. 29 Prozent verfügen über Matura oder einen Hochschulabschluss. Das heißt: Bildung schützt vor Leiharbeit nicht.

Leiharbeiter/-innen sind deutlich unzufriedener mit ihrer Arbeit als „normale“ unselbständig Beschäftigte. Ihr Arbeitsklima Index ist in den vergangenen zehn Jahren von 92 auf 88 Punkte gesunken. Im Durchschnitt aller Branchen liegt er derzeit bei 109 Punkten. Zurückzuführen ist diese Unzufriedenheit insbesondere auf die Stellung im Betrieb: Leiharbeiter/-innen sehen sich selbst häufig als Belegschaft zweiter Klasse.


Unzufrieden im Betrieb …

Nicht einmal die Hälfte ist mit der sozialen Einstellung des Betriebs gegenüber den Beschäftigten zufrieden. Nur 71 Prozent sind optimistisch in Bezug auf die wirtschaftliche Entwicklung des Betriebs. Mit dem Führungsstil der Vorgesetzten ist nur etwa die Hälfte zufrieden. Und auch die Beziehung zu den Kollegen/-innen wird von nur von zwei Drittel als zufriedenstellend bewertet.

Nicht einmal die Hälfte ist mit den Gestaltungsmöglichkeiten zufrieden, nur 39 Prozent mit den Mitbestimmungsmöglichkeiten im Job. Weniger als die Hälfte schätzt die eigenen Rechte als positiv ein. Ebenso viele sind zufrieden mit der eigenen sozialen Position in der Gesellschaft. Unter allen Beschäftigten in Österreich sind es jeweils mehr als zwei Drittel.

… und mit dem Leben insgesamt

Ein Drittel ist mit den Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten zufrieden – bei den fix Angestellten sind es 54 Prozent. Nur knapp mehr als die Hälfte sieht den eigenen Arbeitsplatz als sicher an. 35 Prozent glauben, im Fall eines Jobverlustes rasch wieder eine adäquate Stelle zu finden. Alles zusammen führt zu einer geringen Lebenszufriedenheit: Während 84 Prozent der unselbständig Beschäftigten mit ihrem Leben zufrieden sind, sagen das 52 Prozent der Leiharbeiter/-innen.

Grafik: Zufriedenheit mit betrieblichen Faktoren © -, AK Oberösterreich

MOTTO: DURCHHALTEN!

Erwerbsquote älterer Arbeitnehmer steigt

Mehr als ein Drittel der jungen Arbeitnehmer/-innen und fast die Hälfte der älteren Beschäftigten glauben, nicht bis zur Pension durchhalten zu können.

Während die Erwerbsquoten bei Männern und Frauen in den Altersgruppen zwischen 25 und 54 Jahren jeweils jenseits der 80 Prozent liegen, fallen sie bei den älteren Beschäftigten deutlich ab: 60 Prozent der Männer und 43 Prozent der Frauen zwischen 55 und 64 Jahren sind erwerbstätig. Der Unterschied zwischen den Geschlechtern erklärt sich natürlich durch das (derzeit noch) niedrigere Pensionsantrittsalter der Frauen. Unabhängig vom Geschlecht ist die Erwerbsquote in dieser Altersgruppe von 2007 bis 2017 um 15 Prozentpunkte auf 51 Prozent gestiegen. In der Pension selbst arbeiten nur mehr fünf Prozent der Menschen über 65 weiter.

Wo die Älteren arbeiten

Die höchsten Anteile an älteren Arbeitnehmern/-innen der Generation 55 plus weisen das Grundstücks- und Wohnungswesen, der Bergbau sowie Wasserversorgung und Abfall mit jeweils 20 Prozent der Beschäftigten auf. Knapp dahinter folgen die öffentliche Verwaltung und der Bereich Erziehung als ebenfalls eher „ältere“ Branchen. Sehr gering ist der Anteil älterer Arbeitnehmer/-innen hingegen in der Information und Kommunikation (sieben Prozent), in der Beherbergung und Gastronomie (neun Prozent) und am Bau (zehn Prozent).

Harter Weg bis zur Pension

Während die Jüngeren eher glauben, von ihrer späteren Pension kaum leben zu können (siehe Seite 3), meinen die Älteren, nicht bis zum gesetzlichen Pensionsantrittsalter durchzuhalten: Aktuell sagen 45 Prozent der 55- bis 64-jährigen Arbeitnehmer/-innen, dass sie wahrscheinlich nicht bis zur Pension in ihrer jetzigen Arbeit durchhalten werden. Bei den 45- bis 54-Jährigen sind es 43 Prozent und bei den 15- bis 44-Jährigen 37 Prozent. 

Grafik: Steigende Erwerbsquote bei älteren Arbeitnehmern © -, AK Oberösterreich


BERUFLICHE SACKGASSE

Kommentar von Dr. Johann Kalliauer, Präsident der AK Oberösterreich

AK-Präsident Johann Kalliauer © Kurt Neulinger, AKOÖ


Das Positive vorweg: Das Arbeitskräfteüberlassungsgesetz, der flächendeckende Kollektivvertrag für Leiharbeit, das Gesetz gegen Lohn- und Sozialdumping sowie der Sozial- und Weiterbildungsfonds für Leiharbeiter/-innen regeln Leiharbeit in Österreich so gut wie in keinem anderen Land der Welt. Dennoch ist und bleibt Leiharbeit ein unsicheres und unfaires Modell. Sie ist für viele eine berufliche Sackgasse und lädt die volkswirtschaftlichen Kosten auf den Staat ab.

Die aktuellen Zahlen belegen, dass Leiharbeit trotz Hochkonjunktur wieder am Vormarsch ist. Noch nie zuvor gab es in Österreich so viele Leiharbeitskräfte. Das legt den Verdacht nahe, dass ein Teil des (erfreulichen) Beschäftigungszuwachses auf immer mehr Jobs in der Arbeitskräfteüberlassung zurückzuführen ist. Das heißt in der Praxis: mehr Flexibilität für die Betriebe, mehr unsichere Beschäftigungsverhältnisse für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Unsere Forderungen sind nicht neu, aber angesichts der durch den Arbeitsklima Index und andere Erhebungen belegten Entwicklungen wichtiger denn je: Der Anteil der Leiharbeitskräfte pro Betrieb sollte klar geregelt sein und zehn Prozent nicht übersteigen dürfen. Und Leiharbeiter/-innen sollten nach spätestens zwölf Monaten das Recht haben, in die Stammbelegschaft des Beschäftigerbetriebes übernommen zu werden. 

REICHT DIE PENSION?

Junge glauben nicht, dass sie mit der Pension auskommen

Das Vertrauen in das österreichische Pensionssystem steigt. Heute glauben weniger Beschäftigte, dass sie mit ihrer Pension nicht auskommen, als im Jahr 2012.

Je nach Altersgruppe glauben zwischen 14 und 18 Prozent, dass sie mit der späteren Pension nicht auskommen werden. Am wenigsten optimistisch sind die jüngeren Arbeitnehmer/-innen zwischen 15 und 44 Jahren. Etwas zuversichtlicher sind die 45- bis 54-Jährigen und bei den Personen zwischen 55 und 64 Jahren glauben „nur“ 14 Prozent, dass sie in Zukunft mit ihrer Altersversorgung nicht das Auslangen finden. Insgesamt ist das Vertrauen in das österreichische Pensionssystem jedoch in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. 2012 zweifelten noch 25 Prozent der Jungen, ob sie später mit ihrer Pension auskommen würden - jetzt sind es 18 Prozent.

Frauen sind skeptischer

Vor allem Frauen haben schwere Bedenken, von ihrer späteren Pension leben zu können: 24 Prozent der jüngeren Frauen sagen, ihre Pension wird nicht ausreichen. Bei den 45- bis 54-Jährigen sind es 22 Prozent, aber nur zehn Prozent der Männer.

Am zuversichtlichsten, von der staatlichen Altersversorgung leben zu können, sind Polizisten/-innen, Lehrer/-innen und Bankangestellte. Den geringsten Glauben an ein Auskommen mit der Pension haben Reinigungskräfte, Regalbetreuer/-innen und Sozialwissenschafter/-innen.

Beschäftigte, die es für unwahrscheinlich halten, bis zur Pension zu arbeiten (siehe Seite 2), glauben eher seltener daran, dass ihr Einkommen ausreichen wird – und zwar unabhängig vom Alter. Von den 55- bis 64-Jährigen, die glauben bis zur Pension durchzuhalten, zweifeln nur sieben Prozent, dass sie von ihrer Pension leben können. Bei jenen, die glauben, nicht durchzuhalten, sind es 22 Prozent.

DER ARBEITSKLIMA INDEX

Die Sicht der Beschäftigten wird in wirtschafts- und sozialpolitischen Diskussionen viel zu wenig berücksichtigt. Auch, weil es vermeintlich zu wenig gesicherte Daten dazu gibt. Der Österreichische Arbeitsklima Index liefert seit 21 Jahren diese Daten und ist so ein Maßstab für den wirtschaftlichen und sozialen Wandel aus Sicht der Arbeitnehmer/-innen. Er untersucht deren Einschätzung hinsichtlich Gesellschaft, Betrieb, Arbeit und Erwartungen. Der Arbeitsklima Index erfasst die subjektive Dimension und erweitert so das Wissen über wirtschaftliche Entwicklungen und ihre Folgen für die Gesellschaft.

Die Berechnung des Arbeitsklima Index beruht auf vierteljährlichen Umfragen unter österreichischen Arbeitnehmern/-innen. Die Stichprobe von rund 4000 Befragten pro Jahr ist repräsentativ, so dass daraus relevante Schlüsse für die Befindlichkeit aller Arbeitnehmer/-innen gezogen werden können. Der Arbeitsklima Index wird seit dem Frühjahr 1997 zweimal jährlich berechnet und veröffentlicht. Ergänzend gibt es Sonderauswertungen.

DATEN ONLINE

Aktuelle Ergebnisse und Hintergrundinformationen finden Sie unter ooe.arbeiterkammer.at/arbeitsklima. Dort steht nicht nur die umfangreiche Arbeitsklima-Datenbank für Auswertungen zur Verfügung, sondern es ist auch möglich, innerhalb Weniger Minuten online den persönlichen Zufriedenheitsindex am Arbeitsplatz zu berechnen. Ebenfalls online ist der Führungskräfte Monitor: Er beantwortet die Frage, wie es um die Arbeitszufriedenheit der österreichischen Führungskräfte steht.

IMMER MEHR PENDLER

Bauarbeiter haben den weitesten Weg zu ihrem Arbeitsplatz

Mehr als die Hälfte der Beschäftigten in Österreich arbeitet nicht im Wohnort. Der Großteil fährt zwischen zwölf und 60 Kilometer pro Tag.

48 Prozent der österreichischen Beschäftigten arbeiten im eigenen Wohnort, die anderen 52 Prozent pendeln entweder in eine andere Gemeinde, in ein anderes Bundesland oder ins Ausland. Der Anteil an Pendlern/-innen hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich erhöht - in den vergangenen zehn Jahren um rund fünf Prozentpunkte. 

Jobs in Gastro und Handel oft in nächster Nähe

Die deutliche Mehrheit der Pendler/-innen sind nach wie vor Tagespendler (93 Prozent). Nach Berufsgruppen betrachtet, stechen Bauarbeiter und Beschäftigte im Bergbau mit einem Pendleranteil von jeweils fast zwei Drittel heraus. Sie legen auch die längsten Wegstrecken zurück und verbringen die meiste Zeit auf dem Weg zur und von der Arbeit. Arbeitsplätze in der Gastronomie und im Handel sind hingegen eher in Wohnortnähe zu finden als Jobs im industriellen Bereich.

Knapp die Hälfte der Pendler/-innen legt täglich eine (tägliche) Wegstrecke von bis zu 30 Kilometern zurück, ein Drittel fährt zwischen 30 und 60 Kilometer und bei den übrigen 20 Prozent macht der tägliche Weg zur und von der Arbeit mehr als 60 Kilometer aus. Immerhin acht Prozent fahren sogar mehr als 100 Kilometer am Tag. 

Grafik: Berufe mit den höchsten bzw. niedrigsten Pendleranteilen © -, AK Oberösterreich


PENDELN STRESST IN JOB UND FREIZEIT

Für 14 Prozent der Arbeitnehmer/-innen dauert eine einfache Wegstrecke zur Arbeit 45 Minuten - der tägliche Weg zur und von der Arbeit somit rund 90 Minuten. 18 Prozent sind weniger als 15 Minuten pro Wegstrecke unterwegs, die absolute Mehrheit von 67 Prozent benötigt für den einfachen Arbeitsweg zwischen 15 und 44 Minuten.

Mit zunehmender Wegstrecke und -zeit sinkt die Zufriedenheit mit der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Während rund 18 Prozent der Pendler/-innen mit einer Wegstrecke von weniger als 15 Kilometern und einer einfachen Fahrzeit von maximal 29 Minuten die Vereinbarkeit als mäßig bis schlecht bewerten, gibt bei den Beschäftigten, die pro Wegstrecke mehr als 51 Kilometer bzw. eine Stunde und mehr aufwenden, genau ein Drittel an, Arbeit und Freizeit bestenfalls mittelmäßig vereinbaren zu können.

Dafür gibt es eine logische Erklärung: Addiert man die Pendelzeit zur Arbeitszeit, dann reduziert sich das Ausmaß der Freizeit um durchschnittlich 2,5 bis fünf Stunden. Pendler/-innen, die auf diese Rechenart auf eine Arbeitszeit von mehr als 45 Stunden kommen, klagen in der Arbeit häufig über Zeitdruck (31 Prozent), ständigen Arbeitsdruck (24 Prozent) und Unterbrechungen der Freizeit aufgrund beruflicher Verpflichtungen (zwölf Prozent).

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